Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

Die Erwartungen der Fans an die deutsche Nationalmannschaft für die aktuellen Europameisterschaften hielten sich nach dem WM-Debakel von 2018 in engen Grenzen.

Bei der Gruppe F handelt es sich um eine echte Todesgruppe.

Ausgerechnet Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal stehen Deutschland gegenüber. Da hilft es auch nicht viel, dass mit Ungarn der Vierte im Bunde eher wenig bedrohlich wirkt. Viele Kommentatoren sprechen daher von der schwierigsten Todesgruppe aller Zeiten. Möglicherweise möchte man die Nationalmannschaft damit auch schon im Vorfeld vom Druck eines Ausscheidens entlasten. Aber stimmt diese Einordnung wirklich? Oder hat es in der Vergangenheit schon ähnlich schwierige Gruppen gegeben?

Der Ursprung des Begriffs

Den Begriff „Todesgruppe“ erfanden Sportjournalisten anlässlich der WM 1970. Damals traten Titelverteidiger England, der spätere Weltmeister Brasilien sowie die Tschechoslowakei gegeneinander an. Hierbei ist zu erwähnen, dass die Tschechoslowakei zu dieser Zeit eine ernstzunehmende Größe im internationalen Fußball war und 1962 WM-Zweiter geworden war. Ab den 80er Jahren war in der Presse immer öfter von Todesgruppen die Rede. Zunächst wurde die Gruppe C der WM 1982 mit Titelverteidiger Argentinien, starken Italienern und Brasilien so bezeichnet. 1986 galt die Gruppe E mit Uruguay, BRD, Dänemark und Schottland als Todesgruppe. Seitdem gehört die Todesgruppe zum festen Vokabular bei großen Fußballturnieren – und das obwohl immer wieder Kritik an dem Konzept laut wird. Schließlich sind ausgeglichenere Gruppen eigentlich die Regel.

Die schwierigste Todesgruppe aller Zeiten?

Es hat aber auch in der Vergangenheit schon Todesgruppen gegeben, die unter Fußball-Fans bis heute für ein ehrfürchtiges Murmeln sorgen. Dazu gehört beispielsweise die EM 2012, als Vize-Weltmeister Niederlande, Deutschland, Portugal und Dänemark sich ein Stelldichein gaben. Bekanntermaßen mussten damals die Niederländer und die Dänen nach Hause fahren. Auch die EM 2000, als Deutschland, Portugal und England gemeinsam mit Rumänien um den Einzug in die Endrunde spielten, gilt als historisches Kräftemessen. Vielen Fußballhistorikern gilt aber nach wie vor die WM 1982 als das Turnier mit der ultimativen Todesgruppe. Denn von drei Teilnehmern kam damals nur ein einziger weiter, bei späteren Turnieren waren es nach Regeländerungen meist 2 von 4.  

EM 2021: Todesgruppe Light 

Mittlerweile sind die Regeln der EM weiter aufgeweicht worden, um insgesamt 16 Mannschaften die Teilnahme an der Finalrunde zu ermöglichen. Die Teams, die nach der Vorrunde einen dritten Gruppenplatz in der Europameisterschaft Tabelle einnehmen, müssen also nicht automatisch abreisen. Vielmehr stehen ihre Chancen ziemlich gut, in der KO-Runde weiterzumachen. Vier von sechs Gruppendritten haben noch einmal die Gelegenheit sich zu beweisen. Ausschlaggebende Kriterien sind dabei die Anzahl der erzielten Punkte, gefolgt von Tordifferenz und der höheren Anzahl an erzielten Toren. Das führt das Prinzip der Todesrunde ad absurdum. Denn die Wahrscheinlichkeit steht gut, dass die drei besten Mannschaften in der Finalrunde spielen. Im aktuellen Beispiel bedeutet das, dass nur Ungarn die Heimreise antreten müsste– kein besonders überraschendes Ergebnis. Rein statistisch gesehen ist also klar: Diese Todesrunde sieht zwar auf den ersten Blick erschreckend aus, erweist sich aber bei genauerem Hinsehen als eher zahm.


Kommentar schreiben


Blogheim.at Logo