Regen peitschte über den Kölner Dom, der Wind zerrte an den Startnummern und die Bedingungen waren alles andere als einladend.
Doch Esther Pfeiffer ließ sich beim Köln Marathon 2025 von den widrigen Verhältnissen nicht aufhalten. Im Gegenteil – die 28-Jährige von Düsseldorf Athletics pulverisierte beim Halbmarathon den 17 Jahre alten Streckenrekord von Sabrina Mockenhaupt und rannte mit 67:28 Minuten auf Platz drei der deutschen Allzeit-Bestenliste.
Auch bei den Marathon-Männern gab es einen neuen Streckenrekord zu feiern. Der Kenianer Barnaba Kipkoech finishte die 42,195 Kilometer in 2:06:54 Stunden und war damit so schnell wie niemand zuvor im Schatten des Kölner Doms. Der 32-Jährige verbesserte den seit 2012 bestehenden Rekord von Alfred Kering um 43 Sekunden und unterstrich damit die internationale Klasse des Generali Köln Marathon.
Kipkoech dreht das Rennen auf den letzten Kilometern
Bis zur 35-Kilometer-Marke sah alles nach einem Sieg von Boniface Kibiwott aus. Der Kenianer führte das Feld souverän an und schien auf Kurs zu einem überlegenen Triumph. Doch dann kam Kipkoech. Auf den letzten sieben Kilometern drehte der 32-Jährige noch einmal richtig auf, überholte seinen Landsmann und setzte sich entscheidend ab. Kibiwott wurde langsamer und musste am Ende mit 2:08:15 Stunden fast eineinhalb Minuten Rückstand auf den Sieger hinnehmen.
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Für Kipkoech war es beim Generali Köln Marathon eine Bestleistung in mehrfacher Hinsicht. Er unterbot nicht nur den Streckenrekord, sondern auch seine persönliche Bestzeit. Es war erst mein zweiter Start in Deutschland und mein erster in Köln. Das Rennen ist für mich sehr gut gelaufen und die Stimmung hier in Köln war fantastisch. Es sind tolle Menschen hier, strahlte der Sieger im Ziel. Zuletzt hatte es in Köln 2016 eine Zeit unter 2:10:00 gegeben – nun blieben gleich fünf Läufer unter dieser Marke.
Den dritten Platz beim Generali Köln Marathon sicherte sich ebenfalls ein Kenianer. Onesmus Kiplimo erreichte das Ziel in 2:08:31 Stunden und komplettierte damit das rein kenianische Podium.
Shugi siegt in schnellster Zeit seit zehn Jahren
Bei den Marathon-Frauen triumphierte die Äthiopierin Fantu Shugi in 2:29:12 Stunden. Dies ist die schnellste Siegzeit beim Generali Köln Marathon seit 2015 – auch wenn der Streckenrekord von 2:25:34 außer Reichweite blieb. Die Vorjahressiegerin Zinash Mekonnen aus Äthiopien belegte in 2:30:38 Stunden den zweiten Platz, Faith Chepkoech aus Kenia komplettierte das Podium in 2:31:00 Stunden.
Dahlke kämpft sich als bester Deutscher ins Ziel
Der beste deutsche Marathonläufer beim Generali Köln Marathon war ein gebürtiger Kölner. Jonathan Dahlke vom TSV Bayer 04 Leverkusen erreichte das Ziel auf Platz sieben in 2:18:10 Stunden und ist damit der schnellste Kölner aller Zeiten. Im vergangenen Jahr war er in London noch 2:15:42 Stunden gelaufen, sein Plan für Köln lautete daher, in Richtung neuer Bestzeit zu laufen und dabei das Gefühl zu haben, da ist noch ein bisschen Luft. Denn Anfang Dezember plant er bereits den nächsten schnellen Marathon auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Valencia in Spanien.
Der Plan ist nicht aufgegangen. Ich musste mich brutal ins Ziel fighten. Ab Kilometer 35 war es ein ganz langer Weg. Aber es war trotzdem einfach geil, hier zu laufen und als gebürtiger Kölner bester Deutscher zu sein, resümierte Dahlke nach seinem Zieleinlauf. Die letzten sieben Kilometer wurden zur Tortur, doch der Kampfgeist siegte.
Bodirsky gewinnt Halbmarathon der Männer
Jona Bodirsky vom TSV 05 Roth gewann das Halbmarathon-Rennen der Männer in 63:11 Minuten. Der Äthiopier Mamiyo Hirsuato folgte mit 63:17 Minuten knapp dahinter auf Platz zwei, Tom Thurley vom Potsdamer Laufclub komplettierte das Podium in 63:56 Minuten.
Pfeiffer kann ihr Glück kaum fassen
Esther Pfeiffer stand nach ihrem sensationellen Lauf beim Generali Köln Marathon noch immer unter Schock. Dass es so schnell war, kann ich kaum realisieren, sagte sie im Ziel. Öffentlich hatte sie vor dem Rennen davon gesprochen, unter 69 Minuten laufen zu wollen. Insgeheim aber hatte sie bereits mit einer noch schnelleren Zeit geliebäugelt. Das Training ist so krass gut gelaufen, dass ich zu Hendrik gesagt habe: Eigentlich will ich unter 68 Minuten laufen.
Ihr Mann Hendrik Pfeiffer hatte maßgeblichen Anteil an der Leistungssteigerung, die ihr in Köln gelungen war. Vor dem Generali Köln Marathon stand ihre Bestzeit bei 69:15 Minuten. Nachdem Hendrik sie durch den Kölner Regen und Wind geführt hatte, war sie 1:47 Minuten schneller. Die Bedingungen waren alles andere als leicht. Der Regen macht mir nichts aus, der Wind schon. Aber zum Glück ist ja Hendrik die ganze Zeit vor mir gelaufen, erklärte Esther Pfeiffer, die in Köln nur sechs Männern den Vortritt lassen musste.
Mit ihrer Zeit von 67:28 Minuten ist sie nun die drittschnellste Deutsche überhaupt über die 21,0975 Kilometer. Nur Rekordhalterin Melat Kejeta mit 65:18 Minuten und Konstanze Klosterhalfen mit 65:41 Minuten waren jemals schneller. Der Streckenrekord von Sabrina Mockenhaupt aus dem Jahr 2008 war mit 68:51 Minuten um beeindruckende 1:23 Minuten unterboten worden.
Mockenhaupt gratuliert ihrer Nachfolgerin
Eine der ersten Gratulantinnen war die entthrone Streckenrekordlerin selbst. Sabrina Mockenhaupt, mittlerweile 44 Jahre alt, hatte sich für den Halbmarathon beim Generali Köln Marathon noch einmal richtig gut in Form gebracht und lief in 77:26 Minuten auf den fünften Platz. Doch statt zu hadern freute sie sich für ihre Nachfolgerin. Ich bin meinen Streckenrekord bei genauso einem Wetter gelaufen, deshalb habe ich vor dem Start zu Esther gesagt, dass es heute ihr Wetter ist, erzählte die Langstrecken-Ikone.

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