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Seit 2012 bin ich den Gletschermarathon 5 Mal gelaufen, besagten Gletscher habe ich noch nie gesehen. Wird Zeit, dass sich das ändert.

Daher fahren Evi und ich  schon am Freitag ins Pitztal. Samstag früh bringt uns der Gletscherexpress, man kommt sich im Schrägstollen vor wie in der Rohrpost, binnen weniger Minuten von Mandarfen rauf auf 2.840m wo noch viel Schnee liegt. Vieles davon wird unter weißem Vlies konserviert. Der Temperaturunterschied verglichen zur Talstation die 1.100 Höhenmeter tiefer liegt ist beachtlich.

Beim Umsteigen in die Gondeln der Wildspitzbahn lernen wir Martin Geicsnek und Helga Marwan-Schlosser kennen. Beide sind sie eifrige Marathonsammler. Vorige Woche haben sie im Paarlauf den Arlberg-M gemacht, da sind sie gleich in der Gegend geblieben.

Der Ausblick von Tirols höchstem Café auf 3.440m ist beeindruckend. Aber es geht noch eine Spur besser, wenn man die paar Stufen zur Aussichtsplattform nimmt. Da kann man ablesen was man reihum für Gipfel sieht. Vom Ortler (3.905m) im Süden, ehemals Österreichs höchstem Berg, bis zur Zugspitze (2.962m), dem höchsten Berg der Deutschen den sich Bayern und Österreich teilen sieht man quer über ganz Tirol drüber. Wunderbar! Was für ein Glück, dass das Wetter mitspielt.

Gletschermarathon Pitztal Imst 41 1562753547

3.440m, so hoch war ich noch nie mit festem Boden unter den Füßen. Wir vier genießen die Aussicht auf die Gletscher und Tirols höchsten Berg, die Wildspitze (3.768m), und tauschen bei Kaffee und Sachertorte Marathonerfahrungen aus. Bei der Höhenlage soll man viel trinken und die Haut ab 50 braucht mehr Feuchtigkeit! Folgerichtig gibt es auch Wasser und etwas Bier. 

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Die Startnummern bekommen wir am Nachmittag im Sportzentrum von Wenns. Wie im Vorjahr ist die Pasta-Party großzügig und das Shirt zu klein. Zum Ausgleich ist mir das Leiberl vom Ottawa-Marathon viel zu groß. Gewitter und kurzer Starkregen am Abend. Für morgen muss mit Regenschauern gerechnet werden.

Wolkenbruch auch am Sonntag gut 1 Stunde vor dem Start. Ich liege im Bett, höre dem Regen zu und es interessiert mich überhaupt nicht heute da draußen ins Tal runter zu laufen. Warum bin ich schon wieder da? Am Wochenende vor der Haustüre ein paar km laufen, ja, reicht das nicht? Muss es immer gleich ein Rennen sein? Noch dazu ein Marathon? Am liebsten wäre ich daheim geblieben. Aber das nutzt jetzt nichts.

Solche Anfälle habe ich öfters, hinterher ist erfahrungsgemäß eh immer alles super.

Gletschermarathon Pitztal Imst 42 1562753569

Fertig machen und raus zum Start. Dort treffe ich Helene Macher und Gerhard Wally. Auf meinem vor dem Wetter geschützten Stammplatz in den „Vier Jahreszeiten“ sitzt Günther Aigner, der wie Martin kommendes Frühjahr bei seinem Heimrennen seinen 100. Marathon absolvieren will und wird.  Evi knipst uns allesamt und dann fährt sie ins Tal, bevor die Straße teilweise gesperrt wird.

Immer noch Bruttozeitnehmung beim Gletschermarathon. Wir zwängen uns kurz nach 8 Uhr durch das heuer sehr schmale Starttor und wir die wir hinten starten schenken gleich einmal 20sec her.

Die ersten 1,5km geht es bergauf‚ so ist man schnell aufgewärmt. Wir laufen über den Parkplatz vom Gletscherexpress. Viele sind da nicht mehr hinter mir, und dann geht es einmal eine Weile bergab. Darauf vertrauend, dass mein Runterlauf-Training Früchte trägt, nehme ich Tempo auf. Ich bin ja sehr für Abwechslung bei meinen Marathonorten, aber eine so spezifische Strecke gut zu kennen kann schon von Vorteil sein.

Die letzten vier Marathons bin ich verletzt gelaufen, heute bin ich fast wieder wie neu.

Das Rückenproblem ist erledigt und das Knöchelproblem so gut wie. Eine Zeit von unter 4h15 will ich heute erreichen, das wäre meine 25. Zeit sub 4h15, unter 4h10 wäre mir aber noch lieber.

Wir passieren nach fast 3km das Startgelände und verlassen Mandarfen. 17min bis hierher. Der Himmel ist wolkenlos, die Bergspitzen leuchten in der Sonne, Wasserfälle links und rechts. Den minimalen Anstieg nach Plangeroß merkt man kaum, dort nehme ich etwas Wasser.

Es ist ein Genuss in dieser schönen Gegend zu laufen und immer wieder gibt es jemanden den ich überholen muss. Das ist eine ziemlich ungewohnte Situation für mich, taugt mir aber. Die letzten Jahre wurden einige Lawinengalerien gebaut, so viele Tunnels wie jetzt gab es 2012 bei weitem nicht.

Ich überhole sogar den Günther der heuer schon unter 4 Stunden gelaufen ist, davon bin ich weit entfernt. Km8, rein in eine Lawinengalerie, raus, das Wetter ist super. Runter nach Neurur (km9), da gibt es Wasser und Iso. Wir Läufer müssen auf der rechten Fahrbahn bleiben, die linke Spur darf von Autos und Motorrädern befahren werden. Die meisten Lenker fahren auch vernünftig langsam an uns vorbei. Ein paar Irre gibt es aber immer, gerne mit „IM“-Kennzeichen bzw. einer mit grünem(?!) Ungarn-Kz, auf weißem Mercedes-SUV. Viel zu knapp und viel zu schnell fahren sie an uns vorbei.

Km10 liegt in einem Tunnel, als ich da herauskomme sehe ich vom Inntal herauf mächtige Regenwolken. Vor uns ist alles grau in grau. Was für eine scheußliche Farbe! Dann kommt Gegenwind auf, bei km11 nach 60min ist es noch trocken.

Bald nicht mehr, große Tropfen prasseln mir ins Gesicht dass es beinahe weh tut. Auch kühlt es stark ab es bleibt aber erträglich. Ich laufe auf einen Typen auf der groß genug ist, mir Windschatten zu spenden. Das mag der aber gar nicht, was ich gut verstehe. Wir werden schneller und überholen Frau und Herrn Luttenberger, die von ihrem Filius am Rad begleitet werden der aber gerade Nasenbluten hat.

Als es der Typ vor mir vom Tempo her übertreibt, lasse ich ihn ziehen. Einen Zwischensprint 30km vor dem Ziel halte ich für wenig schlau. Der Regen wird weniger,  der Gegenwind lässt nach, ab km13 regnet es nur mehr normal.

Piösmes, es gibt eine kleine Steigung und Verpflegung. Ich laufe mit relativ neuen Brooks Adrenaline, es ist ihr 1. Marathon. Sie haben knapp 60km drauf, ich habe sie erst jüngst für marathontauglich befunden.

Km15 nach 1h20, wenig später hört es auf zu regnen, zum Glück bleibt es kühl.

Hätte ich erwartet, meine Oberschenkel zu sehr zu strapazieren spüre ich stattdessen meine Gesäß- und Wadenmuskeln. Doch es ist zum Aushalten. Ich laufe weiter auf Anschlag. Es wird Zeit für mein erstes PowerGel bevor mir der Bumms ausgeht.

Die Strecke wird flacher, das Autohaus Mazda Santeler rechts, eine neue Wehr zur Stromgewinnung und vorbei an einem kleinen Altstoffsammelzentrum links. 

Den einsamen Esel von Scheibrand kenne ich auch schon, weiter leichtes Gefälle nach Hairlach, hier werden wir von einem Grüppchen angefeuert. Über die rauschende Pitze drüber und rein in den nächsten Tunnel, der führt steil bergab und ist beleuchtet.

Vorbei an Zaunhof, Halbmarathon knapp unter 1h55, das ist gut. Steil runter, in Wiese ist es etwas flacher, es gibt Coca Cola. Sprühende Gartenschläuche sind heuer nicht nötig. In Ritzenried wird das Tal enger, entsprechend lauter tost die Pitze.

Das Gefälle wird stärker, bis nach km25, es geht über den Bach und für ein paar 100m bergauf, rechts Felswand, links Abgrund, keine Sonne! Ich bilde mir ein, diesen Abschnitt hatte ich in der Vergangenheit noch nie so gut hinbekommen wie heute.  Klar werde ich bergauf überholt, kein Wunder bei meinem Gewicht! Aber nicht von vielen und die sind auch kaum schneller als ich.

Km26, Passhöhe in Schön, ich fülle meine Trinkflasche halb mit Coca Cola auf und verschütte leider eine ganz Menge. Tut leid. Das Stück Melone schmeckt sehr gut.

Es geht nun steil bergab. Vom Tempo her halte ich mit den anderen ganz gut mit. Da und dort stehen Läufer am Streckenrand und versuchen ihre Waden dehnen.

Vom Polizist der die Abzweigung nach Jerzens kontrolliert, bekomme ich Applaus. Wir laufen runter auf Wenns zu. Ab km28 beginnt ein 3km langer  Anstieg, mit einem kurzen Gefällestück nach km29. Einige Gehschritte erlaube ich mir, das hilft den Muskeln in den Beinen etwas lockerer zu werden.

Es geht hinauf nach Wenns, km30. Ich komme gut voran, es ist nicht annähernd so heiß wie sonst. Daher ist auch der Sprühbalken außer Betrieb, zwar montiert, aber nicht ans Wassernetz angeschlossen.

Robert, ein Ungar, überholt mich. Die Ungarn dürften diesen Marathon für sich entdeckt haben. Mehr als 20 davon waren am Start, nur etwa 40 Österreicher. In der Mehrzahl sind wieder einmal die Deutschen, gut 120 und somit das halbe Starterfeld.

2h 53min bei km31, Labestelle, ich fülle meine Flasche halb mit Iso und nehme einen Schluck Cola, dazu ein Stück Banane.  Ich fühle mich fit, sub 4h15 ist mir so gut wie sicher. Hier in Wenns gab es früher eine offizielle Zwischenzeit. Da war vorhin der Start vom Halbmarathon und vom Run&Fun über 11,2km. Der Startsprecher ist immer noch im Amt.

Gefälle nach Bieracker, immer wieder sitzen Läufer auf den Leitschienen und versuchen etwas zu dehnen bevor sie wieder weiterlaufen. In früheren Jahren bin ich mir hier schon vorgekommen als liefe ich in einer Bratpfanne. Das ist heute viel besser. Für etwa 3km kommt die Sonne raus. Da dampft die feuchte Wiese gleich ordentlich und ich bin froh, als wieder Wolken kommen und etwas kühlender Wind aufkommt. Mein widerwilliger Windschattengeber von km12 bekommt von einem Streckenposten zu trinken und steuert sodann ein Buswartehäuschen an wo er sich hinsetzt. Er wird 11min nach mir die Ziellinie sehen.

Einen klassen Ausblick hat man von hier über das Inntal. Den Wolken nach kann es sein, dass es noch einmal zu regnen beginnt.

Ich hatte mich schon entschieden gehabt, auf meinen zweites PowerGel zu verzichten, disponiere nach km35 in Arzl aber um. Ich will für den Anstieg ab km40 gewappnet sein. Am Ortseingang von Arzl sind wieder die vertrauten Gartenschlauchduschen. Der Asphalt ist noch nass, das Wasser aber abgedreht. Schade.

Gletschermarathon Pitztal Imst 56 1562753578

Nach Arzl rein wird es wieder etwas steiler, zwei anfeuernde Streckenposten haben sich Stühle organisiert. Bei der Labe in Arzl ist ein wenig Stimmung, etwas Publikum sitzt auf Bierbänken, bei Sonnenschein ist hier sonst richtig was los.

Labestelle und Durchgangskontrolle: „Herbert, wir sind stolz auf dich!“, sagt einer zu mir. Auch wenn er das nur so sagt, schließlich kennt er mich nicht, mich freut es. Es klingt ehrlich. Die Strecke steigt leicht an, da laufe ich mit Schwung drüber. Ein Läufer sitzt auf einer Gartenmauer und massiert seine Beine. „Aus, für mich ist das Rennen zu Ende!“, sagt er achselzuckend mir.

Dann geht es im Wald bergab, steil. Ich laufe hinter drei Autos her, die wegen des Gegenverkehrs die Läufer vor mir nicht überholen können. Vor mir bleibt ein Polizeiauto stehen, lässt eine Polizistin einsteigen und fährt wieder los, steil runter.

Km38. Wir überqueren auf einer Talbrücke den Inn, wir wechseln auf die linke Spur. Da ist sicherer den Verkehr kommen zu sehen. Am Verteilerkreis lassen Polizisten die Autos einzeln durch.  Wir müssen runter zum Inn, wieder ist es da steil. Als ich unten angekommen bin bin ich echt froh dass es jetzt nur mehr rauf geht.

Die Strecke führt unter einer Straßenbrücke durch, km39 ist da aufgepinselt. Ein Blick auf die Uhr, sub 4h00 wird sich nicht ausgehen, sub 4h10 aber sicher. Gerade überholt mich der 4-Std-Pacer, der ist ganz alleine.

Bei der Labe vor dem GH Neuner - km 39,5 – gibt es Wasser, Iso und Cola. Ortstafel IMST, rechts abbiegen, unter der Eisenbahn durch, dann ein leichter Anstieg. Ich fühle mich relativ frisch, habe alles unter Kontrolle. Km40 nach 3h46, es wird noch einmal Wasser ausgegeben das ich dankend ablehne, der Anstieg wird steiler. Ich kann noch welche überholen, werde aber auch überholt. Km41, mein Berglauftraining in den letzten Wochen hat sich bewährt, soviel ist sicher.

„Es ist nicht mehr weit! Gleich hast du‘s!“ Weiß ich, und es ist gut so. 4h04 oder 4h03 wäre fein, solche Zeiten habe ich noch nicht. Jedenfalls eine Spitzenzeit für mich. Ich höre die Mittagsglocken.

Abzweigung nach rechts, hinauf, am Schwimmbad vorbei, wo Evi das Auto geparkt hat. 

Noch ein kurzer steilerer Anstieg, rechts sehe ich den vertrauten Zielbereich und höre  den Zielsprecher. Ich nehme einen letzten Schluck aus der Flasche und entsorge sie im Mülleimer, km42. Von oben kommen Halbmarathonis in den Zielkanal. Eine 4er-Staffel überholt mich, die haben vorhin auf ihre Schlussläuferin gewartet. Ich nehme die letzten 200m in Angriff, ein geringes Gefälle führt ins Ziel.

Evi winkt mir vor der Ziellinie zu, ich bin froh sie so früh zu sehen. 5min nach 12 ist es, als ich die Ziellinie überquere. Uijeeh, 4h05 habe ich ja schon!

Und schon bekomme ich meine Finishermedaille um den Hals.

Da der Start etwas zu spät erfolgte ist es sich noch mit 4h04 ausgegangen, 4h04:25,7sec um genau zu sein. Brutto! Meine siebt-beste Zeit in meinem 173. Marathon. Nur 10min über meiner Persönlichen Bestzeit auf selber Strecke vor 5 Jahren.

„Herbert, da kannst du aber stolz auf dich sein! Ja, das bin ich auch!“, denke ich mir.

Bei meinem Zieleinlauf beginnt es zu tröpfeln und dann regnet es ein wenig. Als Evi nach Günther fragt kommt er gerade daher. Um den Betrieb aufrecht zu erhalten brauche ich dringend einen Becher alkfreies Weißbier von den Franziskanern und gleich noch einen. Gehaltvolle Flüssigkeit ist momentan wichtiger als der gute Kuchen den es auch gibt. Viel bergab kann verdammt anstrengend sein!

Vor den Duschen treffe ich auf Helga und Martin. Sie sind wieder gemeinsam ins Ziel gelaufen, wobei Helga ihre AK gewonnen hat! Auf die Siegerehrung warten, das muss ich als AK-9. nicht.

Für die nächsten Tage erwarte ich mir wieder einmal einen ausgewachsenen Muskel-kater. Denn dieses Streckenprofil laufe zwar fast jedes Jahr, aber nicht alle Tage.

Gletschermarathon Pitztal Imst 100 1562753561

Hohe internationale Beteiligung, 236 Finisher (175m + 61w),

Zeit der Siegerin  Zsuzsanna Maráz (Ungarn):          3h 07min 49,5sec       

Zeit des Siegers  Günter Kugler  (Österreich):           2h 49min 15,9sec        

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Im Startgeld von € 37,50 (10% Rabatt auf Linzer Marathonmesse) waren inklusive:

Eine Busfahrt durchs Pitztal, wahlweise vor dem Start oder nach dem Rennen

Eine landschaftlich herausragend schöne Strecke mit  1.223 Höhenmeter bergab und 313 Höhenmeter bergauf,

Außer die ersten 2km zu Beginn nur auf Asphalt;

Funktions-Shirt mit Datum + Logo

Finishermedaille

genügend Labestellen mit bemühten, freundlichen Helfern;  

warme Duschen und Zielverpflegung

Ein Zieleinlauffoto – kaum dass man angekommen ist! 

Pasta-Party am Vortag in Wenns, mit Shuttle-Service an/ab Imst

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Gletschermarathon Pitztal Imst 92 1562753545

Gletschermarathon Pitztal Imst 66 1562753546

Gletschermarathon Pitztal Imst 38 1562753557

Gletschermarathon Pitztal Imst 97 1562753558

Gletschermarathon Pitztal Imst 74 1562753574

 

Gletschermarathon Pitztal Imst 92 1562753569

Gletschermarathon Pitztal Imst 84 1562753581

Gletschermarathon Pitztal Imst 61 1562753587

Gletschermarathon Pitztal Imst 8 1562753590

Gletschermarathon Pitztal Imst 94 1562753590

Gletschermarathon Pitztal Imst 29 1562753594

Fotos (c) Herbert Orlinger

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