Schon am frühen Morgen bebte die Ferieninsel Kisch im Iran, als über 5.000 Läufer an die Startlinie strömten und damit eine Szene auslösten, die selbst altgediente Polit-Beobachter sprachlos machte.
Unter ihnen starteten zahlreiche Frauen ohne Schleier ins Rennen – ein Anblick, der die iranische Justiz augenblicklich in Rage versetzte und das sportliche Spektakel in einen ausgewachsenen Skandal verwandelte.
Besonders im Fokus: Masud Rahimi, ein örtlicher Behördenmann, und später auch sein Mitstreiter Farhad Daryan. Beide wurden nach dem Lauf verhaftet, ganz so, als hätten sie heimlich ein Hochsicherheitsgefängnis geöffnet statt ein Lauf-Event organisiert. Die Justiz schimpfte von einem „Verstoß gegen die Schicklichkeit“ und verlangte abschreckende Konsequenzen, als würde ein Marathon plötzlich das Fundament der Republik ins Wanken bringen.
Der Zorn der Hüter der Moral
Die Generalstaatsanwaltschaft auf Kisch deutete an, dass der Ablauf des Rennens ein regelrechter Affront gewesen sei. Laut Justiz habe man nicht einfach nur zugeschaut – angeblich seien die Kleiderregeln dermaßen ignoriert worden, dass sogar die Staatsmedien von einem „fehlenden Hauch von Aufsicht“ faselten. Zwischen den Zeilen klang es so, als hätte ein ganzes Land kollektiv die Etikette ausgehebelt.
Dass einige Frauen ohne Schleier liefen, war für die Hardliner ein persönlicher Schlag ins Gesicht. Seit Jahren werden die Bekleidungsvorschriften mehr und mehr ignoriert, und für viele Geistliche gleicht das einer sportlichen Ohrfeige. Je lockerer die Tücher, desto lauter die politischen Wutanfälle – und diesmal schepperte es gewaltig.
Politisches Muskelspiel mitten im Marathontrubel
Im Parlament schlugen die Wogen ebenfalls hoch. Viele Abgeordnete fanden den Umgang der Justiz zu weich. Für sie war der Marathon der Beweis, dass die Kleiderordnung nicht nur bröckelt, sondern wackelt wie ein alter Stadionzaun. Die Rufe nach härteren Strafen wurden lauter – und plötzlich stand der sportliche Wettbewerb im Zentrum eines politischen Armdrückens, das sicher niemand der Läufer vorhersehen konnte.
Einer jedoch blieb erstaunlich gelassen: Präsident Massud Peseschkian stellte klar, dass keine Frau zum Schleier gezwungen werden sollte. Seine Regierung blockierte sogar ein Gesetz, das saftige Strafen vorsah. Während die Justiz also die Fackeln schwenkte, hielt der Präsident den Feuerlöscher bereit – ein freundliches, aber explosives Beispiel dafür, wie gespalten die politische Arena aktuell ist.
Und so bleibt der Marathon auf Kisch ein Lauf, der weit mehr ausgelöst hat als Muskelkater: ein Hitzerennen, das zum prallen Politkrimi mutierte, zum Beispiel für den sportlichen Mut und zum Albtraum für jene, die meinen, ein Stück Stoff rette die Weltordnung.
Ähnliches Thema: Wikipedia-Skandal um Weltrekordläuferin

Kommentar schreiben