Zum zweiten Mal diente Kandel als Austragungsort für die deutschen Ultralauf-Meisterschaften, diesmal unter ähnlichen Wetterbedingungen wie 2019.
Allerdings war die nationale Konkurrenz eher schwach, was sich in den Ergebnissen widerspiegelte. Der Sieger des Männerlaufs, Max Kirschbaum, erreichte zwar eine persönliche Bestleistung mit 6:55:09 Stunden, verpasste aber die interne WM-Qualifikation um knappe 9 Sekunden (6:55:00 Stunden). Auch der Streckenrekord von 6:53:22 Stunden, aufgestellt von A. Collet 2019, blieb unerreicht.
Kirschbaum lief ein nahezu perfektes Rennen, kämpfte sich durch die zunehmende Hitze und nutzte regelmäßige Erfrischungspausen. Doch am Ende fehlte ihm der Druck durch starke Mitstreiter. Besonders auf den letzten Kilometern verlor er wertvolle Sekunden, was letztlich auch seinem Alleingang geschuldet war.
Martin Müller startet stark, bricht jedoch ein

Das Rennen begann spannend, als der Debütant Martin Müller die Führung übernahm. Er durchlief die 25 km in 1:39:26 Stunden und die 50 km in 3:18:39 Stunden, was einem Schnitt von knapp unter 4 Minuten pro Kilometer entspricht. Doch ab Kilometer 78 begannen die Probleme: Die Pace sank deutlich, und Gehpausen wurden notwendig. Schließlich musste Müller bei Kilometer 83 die Führung an Kirschbaum abgeben und fiel bis auf Rang 3 zurück.
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Auch Johannes Arens, der Vizemeister, konnte seine Leistungen aus dem Vorjahr (6:53:12 Stunden) nicht bestätigen und kam erst spät auf Rang 2.
Frauenrennen: Katrin Ochs überzeugt mit Konstanz

Im Frauenrennen dominierte zunächst Anja Kobs, die bei Kilometer 50 einen Vorsprung von 16 Minuten hatte. Doch bei Kilometer 70 musste sie erschöpft aufgeben. Ihr fragil wirkender Zustand ließ zudem Bedenken aufkommen, ob sie gesundheitliche Probleme haben könnte.
Nach dem Ausstieg von Kobs nutzte Katrin Ochs ihre Chance und setzte sich an die Spitze. Sie hatte bereits im April mit 8:12:08 Stunden eine neue persönliche Bestzeit in Österreich aufgestellt, und auch in Kandel lief sie solide, trotz einer schwächeren zweiten Hälfte (3:59 Stunden für die ersten 50 km, 4:14 Stunden für die zweiten). Am Ende betrug ihr Vorsprung auf die Zweitplatzierte, Christine Fischer-Bedtke, fast 14 Minuten.
Schwache Leistungen im Frauenbereich

Obwohl die ersten drei Frauen – Katrin Ochs, Christine Fischer-Bedtke und Pia Winkelblech – ihre Rennen konstant beendeten, blieb die erhoffte Sub-8-Zielzeit unerreicht. Im internationalen Vergleich liegt die Siegerin Ochs mit ihrer Zeit auf Platz 36. Allein 25 Läuferinnen weltweit liefen bereits schneller als 8 Stunden, die Weltspitze sogar knapp über 7 Stunden.
Fazit: Unterdurchschnittliche Leistungen im Männer- und Frauenbereich
Insgesamt waren die Leistungen im Männerbereich, mit Ausnahme des Siegers Max Kirschbaum, eher unterdurchschnittlich. Im internationalen Vergleich hätte es keiner der deutschen Läufer unter die Top 50 geschafft. Bei den Frauen bleibt die Lücke zur Weltspitze erheblich. Eine Teamwertung war aufgrund mangelnder Teilnehmer kaum durchführbar.

Die Meisterschaft in Kandel offenbarte auch strukturelle Schwächen: Die Pendelstrecke mit engen Wendepunkten und der hohe Anteil an Staffelteilnehmern sorgten teils für Komplikationen und minderten das Wettkampf-Niveau.
Fotos: © Suh

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