Sensationeller Sieg im Männer-Rennen
Das mit großer Spannung erwartete Two Oceans Ultralauf-Festival über 56 km entwickelte sich in der Männerklasse zu einer unerwarteten und elektrisierenden Top-Leistung – sämtliche Experten hätten ihre Prognosen revidieren müssen. In einem fulminanten Schlussangriff rund drei Kilometer vor dem Ziel setzte sich der „Small-Town Boy“ Arthur Jantjies, der aus einem kleinen Ort am Nordkap stammt, gegen den favorisierten Nedbank-Läufer Onalenna Khonkhobe (Sieger 2024) entscheidend durch und feierte damit einen im wahrsten Sinne lebensverändernden Sieg.
Anders ausgedrückt: vom nahezu Unbekannten zum dominierenden Sieger – ein neuer „King of Two Oceans“, den man augenzwinkernd auch „König Artus“ nennen darf.
Der entscheidende Rennmoment
Ein Beobachter schilderte die entscheidende Phase folgendermaßen: „Onalenna machte den ersten Angriff, konnte Jantjies jedoch nicht abschütteln. Dieser beobachtete ihn aufmerksam von der anderen Straßenseite. Der kräftiger gebaute Jantjies setzte schließlich seinen finalen Angriff an der Steigung zum UCT Sports Ground und stürmte mit langen Schritten dem Ziel entgegen.“
Khonkhobes Gesicht war in diesem Moment von Ungläubigkeit geprägt. Sein selbstbewusstes „it’s my show“, das er vor dem Rennen geäußert hatte, wich der Realität – Jantjies war an diesem Tag nicht zu stoppen.
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Rasanter Rennverlauf mit hohem Tempo
Zunächst entwickelte sich das Rennen jedoch anders: Der Debütant Blessing Waison aus Simbabwe setzte gemeinsam mit Tshepo Ramashamole (Lesotho) früh ein hohes Tempo. Beide hielten ihren Vorsprung bis Constantia Nek (48 km) zeitweise bei über zwei Minuten.

Die Zwischenzeiten unterstrichen das hohe Niveau auf dem anspruchsvollen Kurs: 5 km in 16:46, 20 km in 1:06:41, 35 km in 1:58:39 sowie den Marathon in 2:23:07 Std. Ramashamole musste das Rennen später aufgeben, während sich das Favoritentrio Khonkhobe, Jantjies und Vorjahressieger Seutloali näherte.
Nach der offiziell vermessenen 50-km-Marke (2:51:58 Std. für Khonkhobe und Jantjies) bekam Seutloali erhebliche Probleme und schied aus. Waison hielt sich noch in Schlagdistanz (2:52:06 Std.), ehe der finale Dreikampf begann.
Der entscheidende Angriff
Khonkhobe eröffnete den Endkampf bei Kilometer 51 – möglicherweise etwas zu früh. Jantjies hingegen verfolgte eine klare Strategie: „Ich dachte mir, ich bleibe direkt hinter ihnen und lasse sie die Arbeit machen, um am Ende noch genügend Energie zu haben“, erklärte er später.
Diese Taktik ging voll auf. Mit einem kraftvollen Schlussangriff sicherte sich der 25-jährige Jantjies den Sieg in 3:09:25 Std. vor Khonkhobe (3:10:00 Std.), der trotz Enttäuschung mit tänzerischen Einlagen im Ziel auffiel. Blessing Waison komplettierte bei seinem Ultra-Debüt in starken 3:11:13 Std. das Podium.
Ein Sieg mit Symbolkraft
Nach dem Zieleinlauf zeigte sich Jantjies überwältigt: „Es ist ein phänomenaler Schritt, ein gewaltiger Schritt. Es ist Geschichte.“ Und weiter: „I’m just a small-town boy winning Two Oceans – that’s something really special.“
Seine Heimatstadt Hopetown am Nordkap dürfte diesen Erfolg gebührend feiern. Bereits vor über 100 Jahren wurde dort ein berühmter Diamant entdeckt – nun scheint mit Arthur Jantjies ein neuer „Rohdiamant“ des Laufsports gefunden worden zu sein.

Reaktionen der Konkurrenz
Sein Rivale Onalenna Khonkhobe zeigte sich zunächst enttäuscht, würdigte jedoch die Leistung seines Gegners: „Bei Kilometer 53 passierte mich Arthur – er ist unglaublich schnell und kraftvoll.“
Gleichzeitig blickte er nach vorne: „Two Oceans ist mein Lieblingsrennen. Ich werde weiterhin versuchen, es zu dominieren.“
Historischer siebter Triumph
Südafrikas Ultramarathon-Königin Gerda Steyn (Hollywood Athletics Club) schwebte nach ihrem siebten Sieg in Folge beim Two Oceans Ultramarathon in Kapstadt im siebten Himmel. Nach 56 anspruchsvollen Kilometern setzte sie sich in 3:27:43 Stunden gegen ihre stärkste Verfolgerin Margaret Jepchumba (Nedbank/Kenia) durch.
Jepchumba konnte bis zur Marathonmarke (Zwischenzeit 2:34:34 Std.) dagegenhalten, musste dann jedoch die „Queen of the Oceans“ ziehen lassen.
Taktische Meisterleistung und starke Konkurrenz
Die Favoritin Steyn zeigte eine durchdachte taktische Leistung und gewann schließlich mit knapp sechs Minuten Vorsprung vor der amtierenden Soweto-Marathon-Siegerin Jepchumba. Dabei verfehlte sie ihren eigenen Streckenrekord von 3:26 Std. nur knapp.
Beim Zieleinlauf begeisterte die „Smiling Assassin“ das Publikum, dem sie Küsse zuwarf, und wurde unter frenetischem Applaus gefeiert. Ihre Leistung bedeutete zugleich die zweitschnellste Zeit ihrer persönlichen Two-Oceans-Karriere.

Eine Karriere mit Perspektive
„Zum siebten Mal in Folge Two Oceans zu gewinnen, macht mich sehr glücklich. Ich habe das Gefühl, genau das erreicht zu haben, was ich mir vorgenommen habe“, erklärte Steyn nach dem Rennen.
Gleichzeitig machte die südafrikanische Ausnahmeathletin deutlich, dass sie noch lange nicht am Ende ihrer Karriere angekommen ist. Ihr Fokus liegt weniger auf einzelnen Rekorden, sondern auf einer nachhaltigen Entwicklung über mehrere Jahre hinweg.
„Ich nehme es Jahr für Jahr. Wenn ich nächstes Jahr hier bin, fit und bereit, werde ich wieder angreifen“, sagte Steyn. Dennoch ist ihr bewusst, dass auch im Leistungssport Grenzen existieren: „Ich muss akzeptieren, dass ich älter werde – ich weiß also nicht, wie lange meine Karriere noch dauern wird.“
Trotz dieser Einschätzung fühlt sich die 36-Jährige aktuell in Bestform: „Im Moment fühle ich mich so stark wie nie zuvor und habe das Gefühl, noch einige Jahre auf höchstem Niveau laufen zu können.“
Blick auf den nächsten großen Titel
Bereits im Juni wartet mit dem Comrades Marathon die nächste große Herausforderung. Die Kombination aus Two Oceans und Comrades gilt als extrem anspruchsvoll, da die zeitlichen Abstände zwischen den Rennen sehr gering sind – viele Athleten meiden diese Doppelbelastung.
Steyn hingegen scheut diese Herausforderung nicht und bleibt hungrig auf weitere Erfolge. Ein weiterer Comrades-Titel scheint bereits das nächste große Ziel zu sein – die Konkurrenz ist gewarnt.
Ergebnisse und Einordnung
Hinter Steyn belegte Margaret Jepchumba, die bereits der Altersklasse W40–49 angehört, den zweiten Platz. Rang drei ging an Nobukhosi Tshuma in 3:38:34 Std., die im Ziel völlig erschöpft zusammenbrach.
Auffällig war, dass das Teilnehmerfeld insbesondere im Frauenrennen stark von afrikanischen Athletinnen geprägt war. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, wenn auch mehr internationale Elite-Läuferinnen aus Übersee die Herausforderung dieses „World’s Most Beautiful Marathon“ annehmen würden.

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