Helsinki Marathon 2025: Medaille
Helsinki Marathon 2025: Medaille (Foto: © Herbert Orlinger)
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Björn Borg Marathon Helsinki: Welcome to your happy place!

Gut 20 Jahre ist es her, dass Evi und ich erstmals in Helsinki (664.000 EW) waren.

Damals mit Kindern und bester Schwiegermutter von allen und zwar direkt nach einem Landgang in St. Petersburg. 10 Jahre ist mein bisher einziger Marathon in Finnland her, der war am Polarkreis in Rovaniemi. Am Start und im Ziel war damals, kein Scherz, der Weihnachtsmann! Echt!

Ich bin schon einige Marathons an der Ostsee gelaufen. Grundsätzlich tut mir natürlich die Meeresluft gut. Riga am 17. Mai 2015 war kalt, windig und regnerisch, ansonsten war es meistens viel zu warm:

14. 07. 2012 Stockholm

22. 05. 2016 Kopenhagen

15. 08. 2016 von Gdingen nach Danzig

01. 09. 2018 Usedom

08. 09. 2019 Tallinn

27. 06. 2020 Båstad

05. 08. 2023 Rostock und am

20. 10. 2024 von Lübeck nach Travemünde und zurück.

Kalt, windig und regnerisch war auch der Wetterbericht für Helsinki noch 3 Tage vor dem Marathon. Zum Glück kam es ganz anders. Windig und kühl schon, aber meist sonnig und dazu herrliche Wolkenformationen am Himmel.

Über LNZ-FRA-HEL schwebten Evi und ich am Donnerstag ein. 30min mit dem Zug zum Hauptbahnhof. Dort stehen nach wie vor die finster dreinblickenden 4 Armleuchter paarweise vor dem Portal. Ein paar Stationen mit der 6er Bim und am frühen Nachmittag sind wir im Hotel und bereit fürs Sightseeing. Und die Stadt gibt was her! Die Klassiker Dom, Felsenkirche, viele Häuser im Jugendstil, kannten wir schon. Denn wie gesagt, vor 20 Jahren waren wir schon einmal hier. Ein paar Stunden lang.

Helsinki: Armleuchter

Doch die Finnen haben die Jahre genutzt und viel gebaut und was wir da sehen, beeindruckt uns schwer. Gut, dass wir einen zweiten 36er Film dabeihatten, denn mit einem wären wir nicht ausgekommen.

Ehrlich, man kommt mit dem Knipsen kaum nach, so viel Knipsenswertes gibt es hier.  Helsinki abends

Nachteil, ich bin daher viel zu viel auf den Beinen. Abends entern wir, es ist ziemlich huschi, als letzte und nun einzige Fahrgäste das Riesenrad am Hafen um € 13,- p.P. für 12min.

Zum Seniorentarif erleben wir hoch oben den malerischen Sonnenuntergang, während unter uns ein Heavy-Metal-Konzert den Boden erbeben lässt. Dem Publikum taugt’s.

Freitag Sightseeing, dass die meisten Schilder zweisprachig ausgeführt sind, nämlich finnisch (fettgedruckt) und schwedisch, erleichtert die Orientierung.

Aus dem Schwedischen kann man oft was ableiten, aus dem Finnischen definitiv nix.

Praktisch, dass eine Öffi-24Std-Karte auch für das Schiff zur Insel Suomenlinna gilt.

Helsinki: Auf Suomenlinna

Im Zuge unseres Besichtigungsprogramms kommen wir später an der bronzenen Läuferstatue Paavo Nurmis vorbei, 9-facher Olympiasieger und klasses Fotomotiv.

Er nackt, ich im Pullover.

Emil Zátopek erlief hier im August 1952 drei seiner vier olympischen Goldmedaillen! Früher war da im Olympiastadion die Marathonbasis, dieses Wochenende aber füllt „Ultra Bra“ zweimal das Stadion.

Um 14h00 sind wir, nachdem wir etwas suchen mussten, am Strand um meine Start-Nr. 7915 abzuholen. (Wichtig: Nächste Bim-Haltestelle: Neitsytpolku/Jungfrustigen, der Linie 3)

Das große Laufbuch der Trainingspläne

Beim Marathonstand sitzen 5 Leute, jeder mit einem Stapel Startnummern, die in der Reihenfolge der Abholung unmittelbar vor Übergabe zugeteilt werden. Dazu braucht man den tags zuvor erhaltenen QR-Code am Handy.

Überraschend für mich, das findet im Freien statt. Aber wir haben ja Wetterglück.

Das Marathonshirt (€ 25,-) ist knallrot und ansonsten enttäuschend uninspiriert. Genauso fad und designarm wie seit Jahren das vom VCM. Dass auf den Ärmeln BORG steht, das verbindet in Österreich schon kaum mehr jemand mit Björn Borg, nicht einmal mehr die 60+. Man denkt da an einen Schultyp.

Nun gut. Das Foto mit dem „Yes, I did it“ mache ich heute schon, morgen ist es da sicher zum Anstellen.

Helsinki Marathon 2025: Vor dem Rennen

Samstag früh nutze ich meine 24-Std-Öffikarte um zum Start zu kommen. Als ich im Startbereich bin, sind die 3.000 Halbmarathonis schon weg.

Start um 08h45 bei Prachtwetter. Links ein Park, rechts das Meer mit einer Marina für Segelboote. Ich bemerke sofort, ich habe zu wenig getrunken und meine Beine sind vom Sightseeing etwas schwer. Immerhin habe ich eine Flasche Powerade dabei, die mich bis km5 versorgen wird. Es steigt gleich einmal leicht an, wenig später noch einmal und dann in leichtem Gefälle zu km2 vor der Markthalle. Diese Markthalle wird wohl von jedem Kreuzfahrer besucht werden. Man kann da drinnen allerhand finnisch typisches erwerben. Eine kleine Rentiersalami um € 19,- oder eine kleine Bärensalami um € 24,-,

ein Mini-Häppchen mit Belugakaviar um € 20,- oder ein Rentier-Kebap um € 18,-

Aber das beschäftigt mich weniger. Der Radweg ist hier für gerade erst gestartete 2.300 Marathonis zu schmal und die gepflasterte Straße daneben ist uneben, das wird sich aber bald ändern.

Rechts ab Richtung Katajanokka-Halbinsel. Rechts der Hafen für Ausflugsschiffe, links Präsidentenpalais, OGH, schwedische Botschaft…. Rechts ein Freibad mit Sauna und das riesige Riesenrad. Nicht zu übersehen ist die Uspenski-Kathedrale, die schließt um 16h und macht am Montag erst gar nicht auf.

Helsinki Marathon 2025: km 1

Aber vor allem achte ich auf Bodensicht, denn hier wechselt ständig der Untergrund und wellig ist er auch. Randsteine zuhauf.

Km3, Evi empfängt mich vor unserem Hotel, dem Grand Marina, gleich gegenüber der Anlegestelle der Viking-Line. Einen Kurztrip nach Tallinn oder Stockholm startet man hier.

Wir kommen an Regierungsgebäuden vorbei die schwer überwacht werden. Sieht sehr nach Hochsicherheitstrakt und geheime Kommandosache aus.

Meinen Beinen geht es nun wieder besser.

Und endlich, kurz vor km5, die erste Versorgung und ich kann endlich Wasser und Iso trinken und meine Flasche auffüllen, ich hatte schon einen ganz trockenen Mund.

Helsinki Marathon: Uspenski km 5

Als wir die Halbinsel verlassen, links oben die Uspenski-Kathedrale, versüßen uns lächelnd tanzende Damen in bunten und glitzernden Sambakostümen den Abschied. Bei etwa 11°C und mittelstarkem Wind.

Auf dem Radweg der Pohjoisranta den nächsten Bootshafen entlang. Bei jeder Einmündung einer Straße macht dieser Radweg einen Buckel. Km6, es geht über einen der zahllosen Meeresarme. Ein Asiate fällt mir auf, der abwechselnd geht und dann wieder läuft. Total unrhythmisch ist das. Nur gut, dass er nach dem Viertelmarathon seinen Staffelstab abgibt. Bis dahin haben wir fast jedes Hafenbecken umrundet, meist das Meer an unserer rechten Seite. Viertelmarathon ist auf der Insel Kulosaari/Brändö. Wenn man nicht gerade Marathon läuft, ist sie gut mit der hier überirdischen U-Bahn zu erreichen.

Neben der U-Bahn-Trasse eine Autobahn und der Radweg, auf dem wir laufen.

Es gibt in der ganzen Stadt, und Evi und ich waren überall, nicht ein Plakat welches auf den Marathon hinweist. Vielleicht ja deswegen, weil es kaum zu Beeinträchtigungen des normalen Verkehrs kommt, denn beinahe alles wird auf großzügig breiten Radwegen gelaufen. Auch wenn es unter den Radlern Sturschädel gibt die glauben, ihnen gehöre der Radweg, sogar wenn sich gerade 100e Läufer darauf befinden.

Außer in unmittelbarer Start-Ziel-Nähe gibt es auch keine Absperrgitter. Absperrungen werden von vielen dienstbaren Leuten mit Haltekellen bewerkstelligt.

Als ich in Itäkeskus/Östra ein paar m vor einer abgesperrten Kreuzung bin, wird die Straße beim Lidl kurz für die Autofahrer freigegeben.

Da lässt einer seinen BMW mittels Launchcontrol lossausen, dass schwarzer Rauch aufsteigt und zwei lange schwarze Spuren am Asphalt zurückbleiben. Noch zwei Mal so einen Blödsinn, und der Dodl braucht neue Hinterreifen.

Ab nun, km15, begleitet uns die Straßenbahn 15, hier Light Train genannt, made by Škoda. Es steigt gering aber gut 2km lang an. Ab und zu beiderseits Felswände aus Granit, wo ein hinderlicher Hügel weggesprengt worden ist. In Laufrichtung links, der Radweg, dann die Straßenbahntrasse, dann Fahrbahnen. Gefälle ab km17, dann verläuft die Strecke bis zum Horizont schnurgerade und eben. Beiderseits der Strecke nun Felder und frisch gemähte Wiesen soweit das Auge reicht. Da kommt mir einer der beiden 4h45-Pacer entgegen! Er bückt sich um ein Stück Plastik, das sein Kumpel verloren hatte. Scheinbar hält dessen an sich weithin sichtbarer Wimpel deswegen nicht mehr, bei der Labe km19, geben sie den ab.

Helsinki Marathon 2025: km 17

Dann kommen wir wieder in bewohntes Gebiet, Anstieg, zwei junge Belgierinnen, ganz in weiß, laufen eine Weile mit mir. Als ich mit meinem ersten PowerGel hantiere, sehe ich sie nur mehr von hinten. Halbmarathon nach 2h23, Umstiegsmöglichkeit von Bim 15 in die Eisenbahn. Der Bahnhof Oulunkylä/Åggelby liegt auf dem Weg vom Zentrum zum Flughafen. Die Verpflegungsgelees (von NOSHT) schmecken gut, sind aber bestens verschweißt. Die Versiegelung mit verschwitzten Händen aufzureißen, ist gar nicht so einfach.

Jetzt geht es auf dem Radweg immer den Schienen entlang, viel im Schatten.

Km26, Bahnhof Pasila/Böle (dort ist u.a. Endstation der Bim Linie2). Wir müssen nicht ganz rauf, sondern biegen rechts in eine Unterführung ab und bleiben so neben den Schienen.  

Bis km27 wo es zackig ansteigt, sanfranciscoartig. Eh nicht lange, aber lange genug um meine rückseitige Beinmuskulatur in Aufregung zu versetzen. Denn Höhenmeter hatten wir bisher bereits einige und wie sagt man? Es läppert sich. Ein Schwarm Wildgänse überfliegt uns laut kreischend.

Ich höre den Lärm der Achterbahn vom Vergnügungspark, wir laufen runter an einen Teich und bleiben einige Zeit an dessen Ufer. Da im Schatten, da war der 10km-Start, es ist noch alles aufgebaut. Schließlich kommen wir wieder zur Eisenbahnstrecke von vorhin, nun schon ganz nahe beim Hauptbahnhof. Das ist der mit den vier Armleuchtern davor.

Aber ganz so weit kommen wir nicht, kurz davor biegen wir rechts runter in einen Radfahrtunnel und unterqueren die ganzen Schienen. An dessen anderem Ende befinden sich km30, Evi und die 2018 eröffnete, sensationelle Zentralbibliothek.

Von außen großartig, innen schlicht „bloody impressive!“ Unbedingt einplanen beim nächsten Besuch in Helsinki!

Es ist zwar kein Botanischer Garten, sieht aber so aus, alles blüht und gedeiht. Wir kommen ans Ufer des Töölö-Teichs und laufen daran entlang. Schließlich die, m. E. extrem hässliche Oper, links, Zwischenzeit bei km31,6 nach 3h39, rauf auf die Mannerheimintie, links und somit wieder stadteinwärts. Linkerhand die weiße Finlandia, vor dem grünen Musiikkitalo/Musikhuset laufen wir links hinunter. Km33

Da treffen wir auf die CSD-Parade. Leute, farbig kostümiert in pink, orange und regenbogenfarbig. Unsere Streckenposten schlagen eine Bresche und wir laufen durch diese Demonstration durch. Die auch den Straßenverkehr nicht stört, da sie in einem Park abgehalten wird.

Helsinki: Zentralbibliothek

Ich laufe nun wieder an der Zentralbibliothek vorbei und überquere die CSD-Route, kurz bevor die Parade dorthin kommt.

Links von uns das sehenswerte Kiasma-Theater, innen wie außen. Wir unterqueren in rechtem Winkel die Mannerheimintie und laufen, leicht ansteigend wie in einem Flussbett. Dieses heißt Baana, ob da einmal eine Eisenbahntrasse verlief?

Beiderseits Felswände, oben Gebäude, wenn wir unter Brücken durchlaufen können wir ablesen, welche Straße da oben gerade drüberführt.

Bei km35 komme ich an eine Unterführung, in der wir aus einem geparkten Auto heraus lautstark beschallt werden, während 50m weiter links jene entgegenlaufen, die an dieser Stelle bereits bei km39 sind. Eine sehenswerte 4km-Schleife liegt vor mir. Das meiste hier ganz neu und ich muss sagen, mir gefallen die Wohnhäuser, Hotels, ausnehmend gut. Keine Klötze, sondern schön strukturiert und trotzdem hoch, mit Loggia, bunt bemalt. Zwischen den Häusern verläuft neben Kinderspielplätzen und Parks unser blauer Radweg, die Brückenstreben sind in orange gehalten, die Autos unsichtbar in Tiefgaragen abgestellt. Von einer dieser Brücken geht es so steil runter, dass der Radweg in Serpentinen angelegt worden ist.

Unten sind viele Bremsspuren zu sehen😊, schwarz auf blau.

Hier heraußen wird an einer neuen, großzügigen Schiffsanlegestelle gebaut, vermutlich um die Kreuzfahrtschiffe aus dem Zentrum wegzukriegen.

Helsinki Marathon 2025: km 38

Bei km39 rechts Ladekräne und da ich schon geraume Zeit schwächle, rechne ich längst mit den 5h00 Pacern die mich einholen, die bei km40 dann auch kommen. Da versuche ich dranzubleiben. Unter Schmerzen, das gelingt mir gar nicht schlecht. Spitzkehre bei km41, dann am Ufer entlang ins Ziel. Ich mache ein paar Plätze gut und komme ganz kurz nach den 5h00 Pacern ist Ziel, die schaffen es unter 5 Stunden. Aber da ich ein kleines bisschen vor denen gestartet bin, verpasse ich mit 5h01:18 meine heurige Jahresweltbestleistung um ein paar Sekunden (grrmml).

Evi ist schon da, hatte aber noch gar nicht mit mir gerechnet, ich bin nämlich 12min früher da als im Vorfeld vermutet. Schwacher Trost.

Die Finisher-Medaille beeindruckt mich. Nicht nur weil sie 8cm Ø hat und rosa ist, sondern das Streckenprofil zeigt, den Dom, das Riesenrad, ein Kreuzfahrtschiff und das Logo des Marathons. Das am rosa/lindgrünen Band. 

Wenn ich da an die grindigen Holzplatteln denke, die andere Veranstalter die Chuzpe haben, ihren Marathonfinishern zuzumuten und dies mit fadenscheinigen Ausreden zu rechtfertigen versuchen. Das bei einem Startgeld von über € 100,- !

Zur Info: Es gibt durchaus ordentliche Medaillen made in Austria!

Der Franz Sperrer vom Wolfgangsee-Lauf beispielsweise weiß das und kauft solche!

Im Ziel hat es knapp 20°C, die Zielversorgung ist üppigst. Das kann man gar nicht alles wegschleppen, wenn man kein Tintenfisch ist. Nicht wenige behelfen sich mit leeren Kartons, in denen gerade noch Kartoffelchips waren, die es neben unzähligen Getränkevarianten auch gibt.

Marathonfinisher:  1.620m +    656w

Halbmarathon:      1.548m + 1.398w;   weiters 10km + 4er-Staffeln

Startgeld: € 49,- aufwärts

Sehr gelungene Finishermedaille, v. a. in rosa,

Sehr, sehr schöne Strecke mit viel Abwechslung; einige 100 Höhenmeter

Gute Labestellen ca. alle 5km, immens üppige Zielversorgung

„Björn Borg“ ist mittlerweile der Name eines Sportausrüsters, das Logo erinnert an einen Tennisball.

Der Sieger von Helsinki:                                               Die schnellste Dame:

Henri Ansio   2h 29min 40sec                                    Charlotte Firth     3h 01min 50sec    

Evi und ich bleiben noch bis Dienstag in dieser schönen Stadt und besichtigen u. a. viele Abschnitte der sehenswerten Marathonstrecke. Zum Teil zu Fuß, zum Teil mit Bim und U-Bahn. Helsinki dürfte ein beliebtes Urlaubsziel sein, es summt und surrt in der Stadt.

Auf dem Rückflug nach München bleibt keiner der 240 Sitzplätze leer.

Alle Informationen, Fotos und Ergebnisse vom Helsinki Marathon

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