Leichathletik-Laufbahn
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16-Jähriger läuft historischen Weltrekord

Boston erlebte vergangenes Wochenende einen Moment, den man nicht planen kann. 

Sam Ruthe war eigentlich nur gekommen, um sein erstes Indoorrennen zu laufen. Ein Satz, der im Nachhinein absurd wirkt. Eine Woche zuvor hatte Ruthe beim Cooks International Classic in Whanganui bereits Eindruck hinterlassen, als er in 3:53,83 Minuten Zweiter über die meile wurde. Diese Zeit war bereits die schnellste Meile, die je ein 16-Jähriger gelaufen ist. Doch Boston sollte eine ganz andere Geschichte schreiben.

Die Vorbereitung war alles andere als ideal. Nach einem Fünf-Stunden-Trip zurück nach Tauranga folgte eine 50-stündige Reise von Neuseelands Sommer in einen der härtesten Winter der USA seit Jahren. Schneesturm, Zwangsübernachtung in San Francisco, Trainingseinheiten zwischen Parkhaus und Indoorbahn. Keine romantische Sportstory, eher ein Logistik-Marathon.

Gedankenspiele vor dem Start

Am Wettkampftag saß Ruthe mit seinem Vater Ben zusammen. Schlechter Tag: 3:56. Ordentlich: 3:53. Und dann gab es noch diese eine Zahl, halb Scherz, halb Traum. 3:48. Ein Wert, der im Gespräch landete, ohne wirklich ernst gemeint zu sein.

Das "John Thomas Terrier Classic" Meeting ist bekannt als schnellste Indoorbahn der Welt. Und genau dort, bei minus 12 Grad draußen, begann Ruthe ruhig, kontrolliert, fast beiläufig sein Rennen.

Das Rennen kippt

Der ursprüngliche Plan war simpel: Hinter Trainingspartner Sam Tanner bleiben. Doch zwei Runden nach dem Start stieg Tanner mit Achillessehnenproblemen aus. Plötzlich war der 16-Jährige allein in einer neuen Rolle. Vor ihm Tempomacher Cruz Brown, daneben der belgische Olympiateilnehmer Pieter Sisk und AJ Ernst.

Ruthe entschied sich zu tun, was er wollte: Rennen. "Er würde lieber ein Rennen in 4:00 gewinnen, als unter 3:50 zu laufen", hatte sein Vater später gegenüber letsrun erklärt. Diese Haltung wurde nun Realität.

Bei 809 Metern lag Ruthe in 1:55,55 Minuten auf Rang drei. Als der Tempomacher ausstieg und Sisk das Tempo verschärfte, blieb Ruthe ruhig. Auf den letzten 500 Metern schloss er Meter um Meter auf. Ausgang letzte Kurve zog er vorbei, die Backen aufgebläht, die Beine federnd.

Geschichte in Zahlen

Die Schlussrunde: 28,38 Sekunden. Die Uhr blieb bei 3:48,88 stehen. Ein Weltrekord für die U18, der jüngste Läufer aller Zeiten unter 3:50 und gleichzeitig der neue neuseeländische Landesrekord. John Walkers 44 Jahre alte Bestmarke war Geschichte. Nebenbei brach der auch den US-Rekord in der allgemeinen Klasse.

„Ich bin eigentlich davon ausgegangen, unter 3:55 zu laufen. Ich habe nicht einmal wirklich mit einer Bestzeit gerechnet. Als ich 3:48 gesehen habe, war ich selbst überrascht“, sagte Ruthe nach dem Rennen.

Die erstaunliche Ruhe danach

Kein Zusammenbruch. Kein dramatisches Auf-die-Bahn-Fallen. Ruthe zeigte in Richtung Tribüne, hob einen Finger, schüttelte Hände und stand eine Minute später für Interviews bereit. Hätte man das Rennen nicht gesehen, man hätte kaum geglaubt, dass hier gerade ein 16-Jähriger eine Meile in 3:48 gelaufen war.

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