Die Straßen von Lille lieferten am Osterwochenende ein Rennen, das sich lange aufbaut und dann mit voller Wucht explodiert.
Beim Urban Trail de Lille entwickelt sich das 5km-Rennen der Männer erst spät zu einem echten Krimi. Zur Hälfte noch dicht gedrängt, passiert die Spitzengruppe die 2,5-Kilometer-Marke in rund 6:30 Minuten. Ein Weltrekord scheint zu diesem Zeitpunkt eher Wunschdenken als reale Option zu sein.
Doch der eher mäßig organisierte Urban Trail de Lille hat seine eigenen Gesetze. Auf den letzten Metern verwandelt sich das Rennen in ein nervenaufreibendes Duell. Vier Athleten kämpfen Schulter an Schulter, das Tempo zieht plötzlich brutal an. Angetrieben vom Publikum setzt sich Jimmy Gressier erstmals nach gut zwölf Minuten an die Spitze und bringt seine gefürchtete Endgeschwindigkeit ins Spiel.
Gressier setzt das Ausrufezeichen
Mit einem letzten Kilometer in etwa 2:26 Minuten entscheidet Gressier das Rennen für sich. Die Uhr bleibt bei 12:51 Minuten stehen. Europarekord, sechs Sekunden schneller als je zuvor ein Europäer auf der Straße über die 5 km. Der Weltrekord von Berihu Aregawi wackelte gewaltig, bleibt aber bestehen.
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Hinter ihm liefern sich die Verfolger ebenfalls ein Rennen auf Topniveau. Addisu Yihune läuft 12:54 Minuten, Yann Schrub folgt mit 12:56 Minuten und unterbietet ebenfalls die bisherige europäische Bestmarke.
Nach Trainingswochen in Südafrika und einer emotional schwierigen Phase meldet sich der 10.000-Meter-Weltmeister Gressier eindrucksvoll zurück.
Weitere starke Leistungen im 5km-Rennen
Auch dahinter purzeln Bestzeiten. Narve Gilje Nordas läuft mit 13:10 Minuten norwegischen Rekord und landet auf Rang sieben. Sein Trainingspartner Jose Carlos Pinto folgt mit 13:13 Minuten auf Platz neun.
Bei den Frauen sichert sich Marta Alemayo den Sieg in 14:15 Minuten. Beste Europäerin ist Konstanze Klosterhalfen mit 15:04 Minuten auf Rang sieben.
Battocletti verpasst Rekord hauchdünn
Im 10-km-Rennen sorgt Nadia Battocletti für den nächsten Aufreger beim Urban Trail de Lille. Die Italienerin steigert sich nach verhaltenem Beginn deutlich und kommt mit 30:08 Minuten ins Ziel. Es fehlt genau eine Sekunde auf den Europarekord.
Nach 5 Kilometern liegt sie mit 15:09 Minuten noch hinter dem Plan. Doch im zweiten Abschnitt dreht sie auf, passiert die 9-km-Marke in 27:07 Minuten und hat den Rekord plötzlich in Reichweite. Am Ende fehlt im Schlusskilometer die letzte Reserve für eine Zeit unter drei Minuten.
Den Sieg holt sich Agnes Ngetich in unglaublichen 28:58 Minuten vor Chaltu Dida und Hirut Meshesha. Battocletti wird starke Vierte und bestätigt ihre Topform, nachdem sie bereits im Winter nur hauchdünn an einer europäischen Bestleistung gescheitert war.
Beaugrand durchbricht magische Marke
Für ein weiteres Highlight sorgt Cassandre Beaugrand. Die Olympiasiegerin im Triathlon zeigt auf der Straße ihre Klasse und läuft 30:52 Minuten. Damit stellt sie nicht nur einen neuen französischen Rekord auf, sondern bleibt als erste Französin überhaupt unter 31 Minuten.
Im Männerrennen über die 10k m gewinnt der erst 19-jährige Khairi Bejiga in 26:51 Minuten. Tim Verbaandert wird bester Europäer und verbessert mit 27:17 Minuten den niederländischen Rekord. Joel Ibler Lillesø knackt als erster Däne die 28-Minuten-Marke und läuft 27:55 Minuten.

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