Wenn du dachtest, Nike’s Breaking4 sei ein Marketing-Stunt mit etwas flottem Tempo – dann hast du die Rechnung ohne Faith Kipyegon gemacht.
Am Freitagabend verwandelte sich das Stade Charléty in Paris für einige Minuten in die Hochgeschwindigkeits-Arena der Leichtathletik, mit nur einem Ziel: die magische 4-Minuten-Marke auf der Meile zu knacken – zum ersten Mal in der Geschichte durch eine Frau.
Schon beim Aufwärmen war klar: Hier wird kein Sonntagslauf serviert, sondern knallharte Tempobolzerei auf Weltrekordniveau. Kipyegon war umringt von einem Dutzend Pacern – 13, um genau zu sein, darunter Grant Fisher, Craig Engels und Cooper Teare. Ein fünfköpfiger Männer-Schutzschild vorne, ein „Spoiler-Trupp“ seitlich – die Windschatten-Maschine lief auf Hochtouren.
Bis zur Hälfte auf Kurs
Schon nach 400 Metern stand die Uhr bei 60,20 Sekunden. Bei 800 m: 2:00,75 – immer noch im Takt des Wavelights, das frech grün über die Bahn flackerte. Doch das Tempo war mörderisch. Bei 1200 Metern (3:01,84) zeigte sich: Kipyegon verlor den Kontakt, die Gesichter wurden härter, die Schritte kürzer. Am Ende fiel die 4:00 nicht, dafür aber ein neuer inoffizieller Weltrekord: 4:06,42.
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„Es ist nur eine Frage der Zeit. Wenn nicht ich es bin, dann wird es jemand anderes sein. Eines Tages wird eine Frau unter 4:00 laufen. Ich werde die Hoffnung nicht verlieren," sagte Kipyegon gegenüber letsrun und im Livestream.
Kein Weltrekord
Dass dieser Fabelwert nicht offiziell anerkannt wird? Nebensache. Grund: männliche Pacemaker und ein Prototyp-Schuh von Nike, der noch nicht World-Athletics-zertifiziert ist. Aber hey – das hat Kipchoge beim ersten Breaking2 auch nicht gestört.
Nach dem Finish brach Kipyegon auf die Bahn zusammen, wurde von Ehemann Timothy Kitum aufgerichtet und mit der kenianischen Flagge bedeckt. Minutenlang kniete sie keuchend am Boden – kein Schauspiel, sondern pure Erschöpfung. Dann folgte doch noch die Ehrenrunde.
Noch ist der weibliche Körper nicht bereit
Breaking4 war von Beginn an auf Kipyegon zugeschnitten. Ein Solo-Abenteuer mit globalem Scheinwerferlicht. Das Risiko? Gigantisch. Ein Fehlschlag hätte für Nike wie ein peinlicher Eigentor-Dreier gewirkt. Aber die Kenianerin lieferte zumindest teilweise ab.
Die Technik war da: maßgeschneiderter Rennanzug, ultraleichte Prototyp-Spikes, Pacer-Tetris vom Feinsten. Doch selbst mit perfekten Bedingungen zeigte Breaking4: Der weibliche Körper ist (noch) nicht bereit für diese Marke. Vielleicht brauchen wir nicht noch ein Event dieser Art – sondern einfach Zeit.
Diskrepanzen bei der Zeit
Auch die finale Zeit sorgte für Diskussionsstoff. Erst stoppte die Uhr bei 4:06,91 – dann wurde sie auf 4:06,42 angepasst. Fast eine halbe Sekunde Unterschied? Handgestoppte Nachmessungen bestätigten eher die Ursprungszeit. „Solche Abweichungen sind bei Eliterennen höchst ungewöhnlich“, kommentierte letsrun. Fragen an Nike blieben bisher unbeantwortet.
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Aber das ist letztlich Detailverliebtheit. Der wahre Wert von Breaking4 liegt nicht in der gestoppten Zeit, sondern im Mut zur Grenzerfahrung. Kipyegon ging dahin, wo es weh tut – und darüber hinaus. Sie verließ die Komfortzone mit Stil, Tempo und einem Funken Hoffnung für alle, die weiter träumen wollen.
Noch keine vier, aber eine starke Sechs
Was bleibt? Eine klare Erkenntnis: Der Weg unter vier Minuten ist lang, hart und voller Laktat. Aber mit Athletinnen wie Kipyegon ist er nicht unmöglich. Nur eben nicht heute. Vielleicht auch nicht morgen. Aber: „Eines Tages, eines Tages…“ – wir glauben es ihr.
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