Robert Farken
Robert Farken verbesserte einen 45 Jahre alten Rekord (Foto: Sono Maleterova by European Athletics)
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Robert Farken pulverisiert 45 Jahre alten deutschen 1.500-Meter-Rekord

Es war kein gewöhnlicher Freitagabend im Olympiastadion von Rom – es war ein Lauf, der in die Leichtathletik-Geschichte eingeht.

Bei der prestigeträchtigen Golden Gala Pietro Mennea, Teil der Diamond League, sprintete Robert Farken in eine neue Sphäre: Der Mann aus Leipzig knackte über 1.500 Meter mit einer Zeit von 3:30,80 Minuten den seit fast 45 Jahren bestehenden deutschen Rekord.

Der bisherige Rekordhalter Thomas Wessinghage hatte 1980 mit 3:31,58 Minuten eine Marke gesetzt, die Generationen überdauerte – bis Farken auf der Römer Tartanbahn den Turbo zündete. Fast poetisch, dass dieser Rekord an einem Ort fiel, wo einst Gladiatoren kämpften. Nun mischt der Leipziger bei den Besten der Welt mit – mit Stil, Mut und verdammt schnellen Beinen.https://vg06.met.vgwort.de/na/b207446da1fc43ae9722d52a435ceb02

Tempo, Taktik und Testosteron

Das Rennen war nichts für schwache Nerven. Robert Farken positionierte sich klug direkt hinter dem slowenischen Tempomacher Zan Rudolf, der das Feld mit 56er-Runden durch die ersten 1.000 Meter schleppte – oder besser gesagt: schob. Der Deutsche klebte wie ein Kaugummi an der Ferse und wirkte dabei so locker, als wäre er auf einem flotten Dauerlauf im Leipziger Stadtpark.

Nach dem Ausstieg des Tempomachers übernahm Farken mutig die Führung. Doch auf der letzten Gegengerade wurde das Rennen zum Showdown: Der kenianische Top-Star Timothy Cheruiyot blies zum Angriff, gefolgt von Europas Hoffnungsträger Azeddine Habz aus Frankreich. Beide zogen vorbei – mit der Eleganz von Gazellen auf Speed.

Am Ende reichte es für Habz zu Platz eins in 3:29,72 Minuten, gefolgt von Cheruiyot (3:29,25 min). Der Marokkaner Anass Essayi kam mit 3:30,74 Minuten auf Rang drei – und Robert Farken rauschte mit nur sechs Hundertsteln Rückstand als Vierter durchs Ziel. Kein Podest, aber ein Rekord, der mehr wert ist als jede Medaille.

Rekorde pur bei der Golden Gala Pietro Mennea

Doch Farkens Fabelzeit war nur eine von vielen Glanzleistungen an diesem Abend. Die Golden Gala Pietro Mennea wurde zur Rekord-Schmiede: Zehn von 16 Athleten im 1.500-Meter-Rennen verbesserten ihre persönlichen Bestmarken. Der Schwede Samuel Philström verbesserte sogar den Landesrekord seines Landes auf 3:30,87 Minuten – Platz fünf!

Bereits zuvor hatte Frederik Ruppert beim Diamond League-Meeting in Rabat den deutschen Rekord über 3.000 Meter Hindernis geknackt – die deutsche Mittelstrecke lebt, atmet und läuft sich an die Weltspitze heran. (Ruppert pulverisiert deutschen Hindernislauf-Rekord)

Zur Einordnung: In der olympischen Leichtathletik gibt es nur noch einen älteren deutschen Rekord – Lutz Dombrowskis legendäre 8,54 Meter im Weitsprung aus dem Jahr 1980. Der Wind der Geschichte weht also heftig durch die Bahn-Statistik – und Farken hat die Fenster weit aufgerissen.

Auch die Damen zeigen Weltklasse

Die 5.000 Meter der Frauen standen dem Spektakel der Männer in nichts nach. Olympiasiegerin Beatrice Chebet aus Kenia drückte in der zweiten Rennhälfte aufs Gas wie ein Formel-1-Wagen auf der Zielgeraden. Ihre 14:03,69 Minuten bedeuteten die zweitschnellste Zeit der Geschichte. Der Weltrekord von 14:00,21 Minuten wackelte kurz – aber blieb (noch) bestehen.

Hinter ihr lief Freweyni Hailu aus Äthiopien mit 14:19,33 Minuten auf Platz zwei. Die Italienerin Nadia Battocletti entzückte das Heimpublikum mit einem neuen Landesrekord (14:23,15 min), während sich Weltrekordlerin Gudaf Tsegay an diesem Abend mit Platz fünf begnügen musste – man kann halt nicht immer Weltrekorde sammeln wie Briefmarken.

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