Der Istanbul Marathon ist längst ein Klassiker – doch die 47. Auflage setzte noch einen drauf.
Bei warmem Herbstwetter lieferten sich die Profis ein packendes Rennen über den Bosporus, das mit zwei beeindruckenden Siegen endete: Rhonzas Kilimo und Bizuager Aderra krönten sich zu den neuen Helden von Istanbul und nahmen jeweils 50.000 US-Dollar mit nach Hause. Der Marathon, der als World Athletics Gold Label Race gilt, zog insgesamt rund 42.000 Läufer an – ein Rekordtag am Bosporus!
Ein Kenianer bezwingt Istanbul
Im Männerrennen ging es vom Start weg taktisch klug und dennoch schnell zur Sache. Nach 10 Kilometern zeigte die Uhr 30:41 Minuten, 16 Läufer lagen eng beisammen, darunter vier Tempomacher. Auch bei der Halbmarathonmarke in 1:04:41 war das Feld noch dicht beisammen. Doch ab Kilometer 25 änderte sich das Bild. Der Versuch, den Streckenrekord von 2:09:44 zu brechen, geriet ins Wanken – die Zwischenzeiten wurden unregelmäßig, und das Rennen wurde zum Nervenspiel. Mit Temperaturen um die 20 Grad war klar: Jetzt ging es nicht mehr um Rekorde, sondern um den Sieg.
Fünf Läufer erreichten gemeinsam den gefürchteten letzten Anstieg – jene steile Passage, die in Istanbul oft über Triumph oder Niederlage entscheidet. An der Spitze kämpften Rhonzas Kilimo, Titelverteidiger Dejene Debela, Sufaro Woliyi, der Kenianer Isaac Too und Lokalmatador Hüseyin Can. Der Türke überraschte mit mutigen Tempoverschärfungen, musste aber als Erster abreißen lassen – und belohnte sich dennoch mit einem starken fünften Platz und persönlicher Bestzeit von 2:10:58.
Auf den letzten Kilometern entbrannte ein Duell zwischen Kilimo und Debela. Der Äthiopier wollte seinen Titel verteidigen, doch der 29-jährige Kenianer hatte das Quäntchen mehr Kraft. Nach 42 Kilometern bergauf überquerte er die Ziellinie in 2:10:12 – elf Sekunden vor Debela. „Ich hatte keine Ahnung, dass am Ende ein so steiler Anstieg kommt – das war eine Überraschung. Aber ich trainiere in hügeligem Gelände rund um Iten, das hat mich gerettet,“ erklärte Kilimo lachend. „Das war mein größter Sieg bisher.“ Für den Familienvater, der in Seoul 2024 Zweiter geworden war, ist Istanbul ein Meilenstein: „Mein nächstes Ziel ist eine 2:03 auf einer schnellen Strecke.“
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Dramatik pur im Frauenrennen
Kaum war das Männerfeld im Ziel, begann das Drama der Frauen. Der Istanbul Marathon erlebte das spannendste Finish seiner Geschichte. Das Rennen entwickelte sich zu einem wahren Thriller mit Sekundenentscheidungen. Nach flottem Beginn (33:38 min bei 10 km, 1:11:22 bei Halbmarathon) führte ein Quintett aus Äthiopien und Kenia das Feld an: Bizuager Aderra, Tigst Getnet, Gete Dukale, Sofia Assefa und Joan Kilimo. Bis Kilometer 25 (1:24:45) lagen sie auf Kurs für eine Endzeit unter 2:23 Stunden.
Doch auch hier machte die Wärme den Läuferinnen zu schaffen. Das Tempo fiel, die Gesichter wurden angespannter. Acht Kilometer vor dem Ziel verlor Assefa kurz den Anschluss, kämpfte sich aber eindrucksvoll zurück. Während Dukale abreißen ließ, blieben vier Frauen im Spiel – und niemand wollte nachgeben. Erst auf den letzten 400 Metern entschied sich alles. Aderra zog noch einmal an, überholte Assefa und stürmte mit einem Wimpernschlag Vorsprung ins Ziel am Sultan-Ahmet-Park. Ihre Siegerzeit: 2:26:19 – zwei Sekunden vor Assefa, die Zweite wurde. Joan Kilimo folgte in 2:26:36 auf Rang drei.
Völlig erschöpft, aber überglücklich sagte die erst 22-jährige Aderra: „Das war der größte Sieg meines Lebens – und eine neue persönliche Bestzeit.“ Zuvor lag ihr Rekord bei 2:28:27, gelaufen in Rabat. „Mein nächstes Ziel ist eine Zeit unter 2:20,“ erklärte sie selbstbewusst. Sie absolvierte in Istanbul bereits ihren siebten Marathon – und lieferte ihre bisher beste Vorstellung ab.
Ein Fest für Sport und Leidenschaft
Ergebnisse Elite Männer
| Platz | Name | Nation | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1. | Rhonzas Kilimo | KEN | 2:10:12 |
| 2. | Dejene Debela | ETH | 2:10:23 |
| 3. | Sufaro Woliyi | ETH | 2:10:26 |
| 4. | Isaac Too | KEN | 2:10:45 |
| 5. | Hüseyin Can | TUR | 2:10:58 |
| 6. | Dickson Nyakundi | KEN | 2:12:15 |
| 7. | Charles Mneria | KEN | 2:13:04 |
| 8. | Dominik Bett | KEN | 2:17:26 |
Ergebnisse Elite Frauen
| Platz | Name | Nation | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1. | Bizuager Aderra | ETH | 2:26:19 |
| 2. | Sofia Assefa | ETH | 2:26:21 |
| 3. | Joan Kilimo | KEN | 2:26:36 |
| 4. | Tigst Getnet | ETH | 2:26:44 |
| 5. | Gete Dukale | ETH | 2:29:19 |
| 6. | Roman Gidey | ETH | 2:29:53 |
| 7. | Rael Cherop | KEN | 2:32:25 |
| 8. | Yenenesh Tilahun Dinkesa | ETH | 2:34:03 |

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