Wenn 55.000 Läufer durch fünf Boroughs jagen, als gäbe es kostenlosen Bagel am Ziel, dann war wieder Marathon-Sonntag in New York – und der Big Apple hat gebebt.
Am 2. November 2025 wurde der TCS New York City Marathon erneut zum globalen Lauf-Mekka. Hunderttausende Bewerber hatten sich um einen der begehrten Startplätze bemüht, doch nur etwa 2–3 % erhielten über die Lotterie einen Zuschlag. Die restlichen Startnummern wurden über Charity-Programme, Zeitqualifikationen oder das berüchtigte 9+1-Programm der NYRR vergeben.
42,195 km durch den urbanen Dschungel
Der Marathon führte die Läufer durch alle fünf Boroughs: Start auf Staten Island, dann über die Verrazzano-Narrows Bridge nach Brooklyn, weiter durch Queens, über die Queensboro Bridge nach Manhattan, ein kurzer Abstecher in die Bronx und schließlich zurück nach Manhattan mit dem Ziel im Central Park. Die Strecke bot nicht nur sportliche Herausforderungen, sondern auch ein einzigartiges urbanes Panorama.
Die Stadt bietet eine unvergleichliche Mischung aus Kulturen, Küchen und Klängen. Von den Jazzklängen in Harlem bis zu den Foodtrucks in Brooklyn – die Metropole ist ein Schmelztiegel der Vielfalt. Und während des Marathons wird diese Vielfalt besonders spürbar, wenn Menschen aus aller Welt gemeinsam durch die Straßen laufen.
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Organisation mit Herz und Präzision
Die New York Road Runners (NYRR) sorgten erneut für eine reibungslose Durchführung des Events. Mit einem ausgeklügelten Startwellensystem, zahlreichen Verpflegungsstationen und einem Heer von freiwilligen Helfern wurde der Marathon zu einem Fest für Läufer und Zuschauer gleichermaßen. Die Sicherheit und das Wohlbefinden der Teilnehmer standen dabei stets im Mittelpunkt.
Superstars in New York
Im internationalen Interesse stand natürlich das Elite-Feld aus zahlreichen Spitzenläufern, die auf der sehr anspruchsvollen Strecke beim letzten Major-Rennen in diesem Jahr um den begehrten Sieg kämpften. Bei den Männern traten mit Eliud Kipchoge und Kenenisa Bekele gleich zwei 40+ Alt-Stars an. Topstar bei den Frauen war Olympia-Heldin Sifan Hassan. Doch die blieben alle deutlich unter ihren Erwartungen.
Obiri rennt in eine neue Dimension
Kaum hatte das Rennen begonnen, zündete das Frauenfeld ein Feuerwerk. Ein Dutzend Läufer, darunter die Titelverteidigerinnen Sheila Chepkirui, Hellen Obiri und Sharon Lokedi, gingen das Anfangstempo aggressiv an – und zwar in Rekordgeschwindigkeit. Nach zehn Kilometern in 33:53 war klar: Das wird kein Spaziergang durch Manhattan.
Bei Kilometer 15 hatten die drei Kenianerinnen längst das Kommando übernommen. Hinter ihnen hielten Sifan Hassan, Emily Sisson, Fiona O’Keeffe und Vivian Cheruiyot den Anschluss – zumindest noch. Doch spätestens bei 20 Kilometern begann sich das Feld zu sortieren. Nur noch Lokedi, Chepkirui, Obiri und O’Keeffe blieben übrig, als die Uhr 1:11:01 bei Halbzeit zeigte – eine Passage, die auf Kurs für einen neuen Streckenrekord lag.
O’Keeffe kämpfte tapfer, fiel aber später zurück. Auch Hassan konnte das gnadenlose Tempo der drei Kenianerinnen nicht mehr halten. Die Entscheidung fiel kurz vor dem Central Park: Obiri, ruhig und konzentriert, setzte den finalen Stich. Ihr Antritt kam so souverän, dass selbst Lokedi nicht mehr kontern konnte. Nach einem unwiderstehlichen Endspurt stürmte Obiri ins Ziel – 2:19:51, Kursrekord, Sieg und Wiedereroberung ihres Titels. Ein Meisterwerk der Ausdauer.
Lokedi folgte 16 Sekunden später als Zweite (2:20:07), Chepkirui sicherte sich Rang drei in 2:20:24. Damit schrieb Kenia Geschichte: Zum ersten Mal überhaupt gelang der Nation ein Doppelsweep – Männer und Frauen komplett auf dem Podium.
Kipruto triumphiert im Wimpernschlag-Finale
Das Männerfeld startete taktisch klug – oder sagen wir: typisch New York. 21 Läufer bildeten anfangs eine disziplinierte Gruppe. Unter ihnen: die Legenden Eliud Kipchoge, Kenenisa Bekele, sowie die Favoriten Benson Kipruto, Alexander Mutiso und Albert Korir. Nach zehn Kilometern in 30:22 war das Rennen noch eine einzige Geduldsprobe, doch der Puls der Stadt wartete auf die Explosion.
Und sie kam. Hillary Bor, eigentlich Steeplechaser, sorgte mit einem plötzlichen Antritt für Aufruhr. Das Tempo zog an, das Feld begann zu bröckeln. Spätestens bei 30 Kilometern (1:32:21) wurde es ernst – nur noch acht Läufer blieben vorne. Die letzten Meilen entwickelten sich zum Zweikampf zwischen Kipruto und Mutiso, zwei Männer im absoluten Gleichschritt.
Die Zuschauer an der Fifth Avenue tobten, als sich die beiden in den letzten Metern nichts schenkten. 16 Hundertstel entschieden über Sieg und Platz zwei – ein Unterschied, der kaum messbar war. Kipruto hatte am Ende die Nase vorn: 2:08:09, exakt dieselbe Zeit wie Mutiso. Es war ein Duell auf Augenhöhe, das in die Geschichte des TCS New York City Marathon eingehen wird.
Albert Korir komplettierte das rein kenianische Podium in 2:08:57, während Patrick Dever in 2:08:58 einen sensationellen vierten Platz erreichte. Eliud Kipchoge, der erstmals in New York startete, beendete das Rennen als 17. – ein seltener Moment, der zeigt, dass selbst Legenden einmal Lehrgeld zahlen müssen. Erstmals in seiner Karriere als Straßenläufer verpasste er die Top 10 (ausgenommen ist seine Aufgabe beim Olympia-Marathon 2024).
Kenias Dominanz macht Geschichte
Erstmals in der langen Historie des TCS New York City Marathon eroberte Kenia sämtliche Podestplätze – bei Männern und Frauen. Das war eine Demonstration der Stärke. Mit Obiris Eleganz und Kiprutos Nerven aus Stahl bleibt dieser Marathon unvergessen. Der Big Apple bebte – und die Laufwelt verneigte sich vor einer Nation, die das Straßenlaufen perfektioniert hat.
Ergebnisse New York City Marathon 2025: Herren
| Platz | Name | Nation | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1. | Benson Kipruto | KEN | 2:08:09 |
| 2. | Alexander Mutiso | KEN | 2:08:09 |
| 3. | Albert Korir | KEN | 2:08:57 |
| 4. | Patrick Dever | GBR | 2:08:58 |
| 5. | Matthias Kyburz | SUI | 2:09:55 |
| 6. | Joel Reichow | USA | 2:09:56 |
| 7. | Charles Hicks | USA | 2:09:59 |
| 8. | Sondre Nordstad Moen | NOR | 2:10:15 |
| 9. | Tsegay Weldibanos | ERI | 2:10:36 |
| 10. | Joe Klecker | USA | 2:10:37 |
Ergebnisse New York Marathon 2025: Frauen
| Platz | Name | Nation | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1. | Hellen Obiri | KEN | 2:19:51 |
| 2. | Sharon Lokedi | KEN | 2:20:07 |
| 3. | Sheila Chepkirui | KEN | 2:20:24 |
| 4. | Fiona O’Keeffe | USA | 2:22:49 |
| 5. | Annie Frisbie | USA | 2:24:12 |
| 6. | Sifan Hassan | NED | 2:24:43 |
| 7. | Jessica Warner-Judd | GBR | 2:24:45 |
| 8. | Emily Sisson | USA | 2:25:05 |
| 9. | Amanda Vestri | USA | 2:25:40 |
| 10. | Fionnuala McCormack | IRL | 2:27:00 |
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