Die Sonne von Nizza, die Höhen der Alpen und ein Ultra-Trail, der Sportgeschichte schrieb: Das Nice Côte d’Azur by UTMB hat am Wochenende eindrucksvoll bewiesen, warum es zu den härtesten und schönsten Rennen Europas zählt.
Von epischen Rekordzeiten bis hin zu spannenden Sprintduellen erlebten die Zuschauer ein Fest voller Emotionen, Schweiß und purer Laufleidenschaft.
Paul Cornut Chauvinc zerlegt die Uhr
Schon beim Start in Auron deutete sich an, dass Paul Cornut Chauvinc nicht nur laufen, sondern fliegen wollte. Der Franzose schien wie ein Uhrmacher, der die Zeit neu justiert: Mit einem unfassbaren Finish von 18:52:37 pulverisierte er den alten Rekord im 100M um fast zweieinhalb Stunden. Damit ließ er selbst Top-Läufer wie Cristofer Clemente Mora weit hinter sich. Am Ende jubelte er auf der Promenade des Anglais, als wäre er gerade aus einem Trainingslauf zurückgekommen. Seine Worte waren ehrlich: „Am Anfang hatte ich Zweifel, ob ich überhaupt durchkomme. Aber nach fünf Stunden passte plötzlich alles, und die Schmerzen verschwanden.“

Die Plätze zwei und drei sorgten für Hochspannung: Théo Le Boudec und Nicolas Thomas lieferten sich ein packendes Fotofinish, das die Zuschauer in Atem hielt. Am Ende trennte die beiden nur sechs Sekunden – reines Drama für die Geschichtsbücher des Nice Côte d’Azur by UTMB.
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Frauenpower aus der Slowakei
Während Kanada mit Stephanie Case lange in Führung lag, schlug das Pendel bei Einbruch der Dunkelheit zugunsten von Michaela Lishakova aus. Die Slowakin übernahm die Spitze und gab sie nicht mehr her. Mit einer Endzeit von 25:16:07 holte sie sich den Sieg mit 32 Minuten Vorsprung. Auf Rang drei komplettierte die Britin Ellen Cheethan das Podest. Die 100 Meilen von den verschneiten Gipfeln des Mercantour bis hinunter zum Meer hatten ihre Siegerin gefunden – und Nizza feierte sie ausgelassen.

Schnelle Beine im 50K
Der Samstagmorgen begann mit Postkartenidylle: Meerblick, Morgensonne, Col d’Eze. Doch die Idylle hielt nicht lange, denn auf den 55 Kilometern entwickelte sich ein gnadenloser Fight. Miguel Benitez aus Spanien nutzte die welligen Passagen, um sich entscheidend abzusetzen. Mit einer Endzeit von 04:28:44 durfte er auf der Zielgeraden triumphierend die Arme heben. Hinter ihm folgten Loïc Robert und Andrea Prandi, die zwar alles gaben, aber gegen den Spanier keine Chance hatten.

Im Frauenrennen glänzte Kim Schreiber. Die Deutsche lief wie eine Maschine und setzte sich in 05:16:27 klar durch. Ihre Landsfrau Vanessa Schätzle komplettierte das deutsche Doppel, ehe die Französin Charlotte Mouchet auf Rang drei das Podest abrundete.
Festival der Emotionen
Doch das Nice Côte d’Azur by UTMB war mehr als Zeiten und Platzierungen. Auf der Promenade des Anglais pulsierte zwei Tage lang das Herz der Veranstaltung. Vom bunten Nachtstaffellauf über Kinderwettkämpfe bis hin zum Ultra-Trail-Village mit Ständen, Musik und Euphorie – hier zeigte sich, dass Ultra-Laufen nicht nur Leiden, sondern vor allem Gemeinschaft bedeutet. Am Sonntag endete das Fest offiziell, doch die Geschichten, die hier geschrieben wurden, werden noch lange nachhallen.
Die Ergebnisse im Überblick
100M (Auron – Nizza)
1. Paul Cornut Chauvinc – 18:52:37
2. Théo Le Boudec – 19:52:12
3. Nicolas Thomas – 19:52:18
1. Michaela Lishakova – 25:16:07
2. Stephanie Case – 25:48:22
3. Ellen Cheethan – 26:06:41
50K (Èze – Nizza)
1. Miguel Benitez – 04:28:44
2. Loïc Robert – 04:38:47
3. Andrea Prandi – 04:48:23
1. Kim Schreiber – 05:16:27
2. Vanessa Schätzle – 05:31:27
3. Charlotte Mouchet – 05:38:47
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