Die Woche vom 25. bis 31. August 2025 ist im Kalender der Trailrunning-Welt rot angestrichen: Dann verwandelt der UTMB Mont-Blanc 2025 das Mont-Blanc-Tal in das Epizentrum der Ausdauerhelden.
Was einst ein Lauf durch die Berge war, ist heute ein globales Festival der besten Ultraläufer – ein Mix aus Hochspannung, Drama und Gänsehautmomenten.
Die 22. Ausgabe bringt Rekorde mit sich: 561 gemeldete Eliteathleten, ein Frauenanteil von 45 Prozent und Starter aus 51 Ländern. Die Trails rund um den höchsten Berg der Alpen sind bereit, Geschichte zu schreiben – und die Athleten auch.
Drei Rennen – drei Weltmeister
Der UTMB Mont-Blanc ist nicht irgendein Berglauf. Er ist Gastgeber der UTMB World Series Finals, bei denen gleich drei Königsklassen entschieden werden: die OCC über 50 Kilometer, die CCC über 100 Kilometer und das monumentale UTMB-Rennen über 174 Kilometer. Drei Rennen, drei unterschiedliche Monster, drei Sieger, die sich als Champions krönen lassen dürfen.
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Während die OCC mit 50 Kilometern explosiv wie ein Feuerwerk ist und die CCC mit 100 Kilometern das perfekte Mittelmaß zwischen Tempo und Technik liefert, ist der UTMB das Nonplusultra: 174 Kilometer, 10.000 Höhenmeter, und nur die Härtesten werden durchhalten. Hier werden Legenden geboren – und manche auch zerstört.
Das UTMB-Hauptrennen: Bühne für Legenden und Herausforderer
Der Klassiker über 174 Kilometer gilt als das Herzstück des Festivals. Schon die Startaufstellung liest sich wie ein Blockbuster-Drehbuch. Drei Legenden des Sports kehren zurück – allen voran François D’Haene. Der Franzose, viermaliger Sieger, will es nach vier Jahren Pause noch einmal wissen. Für ihn ist es fast eine Rückkehr zu seinen Anfängen: „In 2005, 20 years ago, I was amazed and intrigued to discover the UTMB as a volunteer. (…) This year, I return with the same excitement and enthusiasm for an adventure and story that I can’t wait to relive.“

Neben ihm glänzt die US-Amerikanerin Courtney Dauwalter, die schon drei Mal ganz oben stand. Ihre Energie ist so legendär wie ihre Sonnenbrille: „I am so excited to come back to the UTMB this year! I love the challenges of this course and I can’t wait to enjoy the stunning scenery and the electric atmosphere!“
Und dann ist da noch Ludovic Pommeret – 50 Jahre jung, 2016 bereits Sieger und zuletzt Triumphator beim Hardrock 100. Sein Name steht für Cleverness und Ausdauer, und wer ihn abschreibt, hat den Sport nicht verstanden.

Die Herausforderer sind bereit
Doch hinter den Legenden lauern Herausforderer mit Ambitionen. Bei den Frauen will Ruth Croft aus Neuseeland ihren Namen in die UTMB-Geschichte meißeln. Abby Hall aus den USA kommt mit dem Rückenwind eines Sieges beim Western States 2025. Emily Hawgood aus Simbabwe hat sich in dieser Saison stetig nach oben gearbeitet, während Camille Bruyas aus Frankreich ebenfalls auf das Podium schielt. Auch Heather Jackson, einst Triathlon-Star, ist nicht zu unterschätzen. Katharina Hartmuth aus Deutschland – 2023 schon Zweite – wartet nur auf den Moment, Dauwalter ernsthaft herauszufordern.
Bei den Männern formieren sich internationale Stars zum Angriff: Jonathan Albon aus Großbritannien, bekannt für seine brillante Taktik, Daniel Jones aus Neuseeland, Hayden Hawks und Ben Dhiman aus den USA, Tom Evans ebenfalls aus Großbritannien sowie Ji Duo aus China. Namen, die für Geschwindigkeit, Härte und Weltklasse stehen. Besonders Dhiman hat 2025 schon mächtig Eindruck hinterlassen – mit Rekordzeiten in Lavaredo und Ventoux.
CCC – 100 Kilometer voller Spannung
Die CCC ist längst kein „kleiner Bruder“ mehr, sondern eine Bühne, auf der sich Topathleten beweisen wollen. Mit 101 Kilometern und 6.050 Höhenmetern ist sie hart, aber noch gerade so kontrollierbar – zumindest auf dem Papier. 2025 steigt die Elite-Beteiligung hier um stolze zehn Prozent, ein klares Signal: Dieser Kurs wird zur Bühne der Stars.
Die Männer bei der CCC
Der Italiener Francesco Puppi wagt sich an ein neues Kapitel. Bislang glänzte er auf kürzeren Distanzen wie den 50 Kilometern, doch jetzt will er auch über 100 Kilometer zeigen, dass er mehr als nur ein Tempobolzer ist. Seine aktuelle Formkurve macht Hoffnung – zuletzt überzeugte er bei den Canyons Endurance Runs.
Doch Puppi wird sich warm anziehen müssen: Der Amerikaner Eli Hemming, 2024 OCC-Sieger und einst Triathlet, schickt sich an, auch die längeren Trails zu dominieren. Sein Landsmann Chris Myers ist ebenfalls ein Dauergast auf der großen Bühne und will vorne mitmischen. David Sinclair bringt alpine Erfahrung ins Spiel, während Andreas Reiterer als führender Italiener die Heimatfahne hochhält. China setzt gleich doppelt auf Angriff: Guangfu Meng, der Kletter-Spezialist, und Langstrecken-Ass Canhua Luo stehen bereit. Dazu kommen Hugo Deck aus Frankreich, Andreu Simon Aymerich aus Spanien und Jeshurun Small aus den USA – alle drei bereit, das Podium durcheinanderzuwirbeln.
Die Frauen bei der CCC
Die Frauenkonkurrenz ist vielleicht so stark wie nie zuvor. Gleich drei ehemalige Siegerinnen stellen sich erneut der Herausforderung: Toni McCann aus Südafrika, bekannt für ihre Explosivität, Yngvild Kaspersen aus Norwegen, Königin technischer Strecken, und Blandine L’Hirondel, Frankreichs Doppel-Weltmeisterin im Trailrunning. Drei verschiedene Stile, drei verschiedene Strategien – und nur eine kann am Ende jubeln.
Doch die Konkurrenz ist gewaltig: Fuzhao Xiang, eine der führenden Athletinnen Asiens, will Europa erobern. Anna Tarasova aus Spanien ist vielseitig und jederzeit für eine Überraschung gut. Aus Vietnam kommt Hau Ha Thi, unerschütterlich und mit frischer Top-6-Platzierung bei den Western States 2025 im Gepäck. Die Amerikanerin Dani Moreno bringt pure Geschwindigkeit auf den Kurs, während Sylvia Nordskar aus Norwegen, Sunmaya Budha aus Nepal und die Polin Martyna Mlynarczyk das Feld perfekt abrunden. So ein Aufgebot hat es selten gegeben.

OCC – 57 Kilometer im Hochgeschwindigkeitsmodus
Die OCC ist der Sprint unter den großen Finals. Mit 57 Kilometern und 3.500 Höhenmetern ist sie alles andere als ein Spaziergang – eher ein Trail-Marathon auf Steroiden. Die Beliebtheit explodiert: 29 Prozent mehr Elite-Läufer als im Vorjahr, das spricht Bände. Hier ist das Tempo von Beginn an mörderisch.
Die Männer bei der OCC
Jim Walmsley, 2023 noch König des UTMB, wagt sich an die kürzere Distanz. Seine Geschwindigkeit macht ihn zum klaren Favoriten – wenn er das Tempo kontrolliert bekommt. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Der Schweizer Roberto Delorenzi, Spezialist im Skyrunning, könnte ihm die Suppe versalzen. Ebenso brandgefährlich: die Italiener Nadir Maguet und Cristian Minoggio, beide erfahren und bärenstark im steilen Gelände.
Aus Schweden will Petter Engdahl mit seinen Kletterqualitäten überzeugen, während Luca Del Pero und Davide Magnini für die italienische Offensive sorgen. Der Spanier Antonio Martinez Perez bringt Technik und Speed mit, und mit Andrzej Witek aus Polen sowie Ezekiel Rutto aus Kenia stehen weitere starke Namen parat. Das Feld ist so international wie gefährlich.
Die Frauen bei der OCC
Bei den Frauen ist die Schweizerin Judith Wyder die klare Favoritin. Früher eine Weltklasse-Orientierungsläuferin, heute Trail-Star. Ihre größte Gegnerin dürfte die amtierende Siegerin Miao Yao aus China sein, die auf schnellen Strecken immer wieder brilliert. Aus Kenia kommt Joyline Chepngeno, die 2024 mit ihrem Sieg bei Sierre-Zinal für Aufsehen sorgte – und die mit Sicherheit auch in Chamonix für Tempo sorgen wird.
Spanien tritt mit gleich zwei heißen Eisen an: Rosa Lara Feliu und Sara Alonso. Die Amerikanerin Sophia Laukli bringt eine beeindruckende Skilanglauf-Vergangenheit mit und könnte gerade am Berg Druck machen. Ihre Landsfrau Hannah Allgood ist konstant und zuverlässig, während Theres Leboeuf aus der Schweiz, Jazmine Lowther aus Kanada und Rosanna Buchauer aus Deutschland den Kreis der Favoritinnen vervollständigen.
TDS – das wilde Abenteuer
Während OCC, CCC und UTMB im Rampenlicht stehen, hat sich die TDS – die Traces des Ducs de Savoie – längst ihren ganz eigenen Kultstatus erarbeitet. Mit 148 Kilometern und 9.300 Höhenmetern ist sie das wilde, unberechenbare Biest des UTMB Mont-Blanc. Die Strecke ist technisch, gnadenlos und enthält legendäre Abschnitte wie den Passeur de Pralognan, die schon so manchen Traum beendet haben. Kein Wunder, dass die Elite-Beteiligung 2025 um satte 37 Prozent steigt.
Die Frauen bei der TDS
Angeführt wird das Feld von Manon Bohard Cailler aus Frankreich. Nach ihrem Sieg 2021 kehrt sie mit neuem Selbstbewusstsein zurück – gestärkt durch einen zweiten Platz beim Hardrock 100 und den Sieg über 100 Kilometer in Andorra im gleichen Jahr. Mit Careth Arnold aus den USA steht eine spannende Debütantin bereit, während Ida-Sophie Hedemann aus Deutschland mit ihrem Triumph über 100 Meilen beim Grand Raid Ventoux 2025 eine deutliche Ansage gemacht hat. Dieses Trio könnte für ein packendes Rennen sorgen.
Die Männer bei der TDS
Frankreich stellt gleich mehrere Hochkaräter. Benat Marmissolle reist in Topform an, nachdem er sowohl beim X-Alpine des Trail Verbier St-Bernard als auch bei der Valhöll Fin del Mundo über 100 Meilen triumphierte. Antoine Charvolin ist ein vertrautes Gesicht der UTMB-Formate und immer für eine Überraschung gut. Auch Pau Capell aus Spanien, UTMB-Champion 2019 und TDS-Sieger 2016, ist zurück, um erneut zu beweisen, dass er auf schwierigen Kursen brillieren kann. Dazu kommt Alexandre Boucheix, bekannt für seine ungestüme, energische Art – ein Starter, der das Rennen garantiert bunter macht.
Zahlen, die beeindrucken
Wer sich die Statistiken ansieht, merkt schnell, dass der HOKA UTMB Mont-Blanc 2025 mehr ist als nur ein Rennen: 561 Eliteläufer haben gemeldet, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Der Frauenanteil steigt erneut und liegt bei beeindruckenden 45 Prozent – ein neuer Rekord. Die Teilnehmer kommen aus 51 Nationen, wobei Europa den größten Block stellt, gefolgt von den USA und China. Rund 30 Prozent stammen aus den Alpenländern Frankreich, Schweiz und Italien. Der Altersdurchschnitt liegt bei 34,5 Jahren, die jüngsten Athleten sind gerade einmal 21, die ältesten stolze 60 Jahre alt.
Ein Festival der Superlative
Ob UTMB, CCC, OCC oder TDS – jede Distanz hat ihre eigenen Helden, ihre eigenen Dramen und ihre eigenen Geschichten. Der HOKA UTMB Mont-Blanc 2025 vereint sie alle zu einem gigantischen Trailrunning-Festival. Zwischen Comebacks, Rekordjagden und neuen Gesichtern werden im Mont-Blanc-Tal wieder Emotionen geboren, die weit über die Ziellinie hinaus wirken. Chamonix ist bereit für das nächste Kapitel einer Legende.

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