Wenn der Ultra-Trail des Chevaliers ruft, antworten nur die Härtesten.
Doch was sich am zweiten Tag des Trail Alsace Grand Est by UTMB im Elsass abspielte, war nichts weniger als ein epischer Rausch aus Schweiß, Staub und Siegeswillen. Das Spektakel rollte durch mittelalterliche Gassen, über göttliche Höhen und direkt ins Herz von Obernai – und dabei wurden nicht nur Muskeln getestet, sondern ganze Lauflegenden geboren.
Baptiste Derouin – der Aufsteiger mit Durchschlagskraft
Er trat an, um zu lernen. Er gewann, um zu bleiben: Baptiste Derouin hat beim Ultra-Trail des Chevaliers (100M/159 km) ein Laufmärchen geschrieben, das sich gewaschen hat. Erst irgendwo um Platz zehn rumschlurfend, zündete er auf den letzten Kilometern nach dem Mont Sainte-Odile die epische Rakete und brannte sich mit einer Zeit von 16h22'52" in die Annalen. Hinter ihm lieferten Dylan Dame (16h48’58”) und Markus Meinke (17h23’49”) solide Leistungen ab, aber Derouin war einfach aus anderem Stoff gemacht.
"Ehrlich gesagt hatte ich mit einer Zeit von etwa 18 Stunden gerechnet. Mein Ziel war es unter die Top 10 zu kommen – deshalb bin ich mit diesem Ergebnis natürlich sehr zufrieden. Es war ein richtig guter Tag für mich," erklärte Derouin – vermutlich mit einem verdächtigen Grinsen im Gesicht.
Anna Carlsson – die Königin kehrt zurück

Was für Männer gut ist, ist für Anna Carlsson erst der Anfang. Die Schwedin setzte dem Ultra-Trail des Chevaliers bei den Frauen mit einem starken Auftritt in 18h50'44" die Krone auf – und schoss damit auf Platz 9 im Scratch. Dabei war ihr Rennen alles andere als ein Spaziergang.
Wichtiger Hinweis: Dieses Buch macht dich zum besseren Läufer
"Ich habe das Rennen vom letzten Jahr als ziemlich flüssig in Erinnerung, aber heute war es härter. Ich bin gestürzt und musste in der zweiten Hälfte stark abbremsen. Aber es hat gereicht," so die unerschütterliche Siegerin.
Der Païens-Schlagabtausch: Zwei Männer, ein Ziel
Beim Ultra-Trail des Païens (100K/116 km) gab’s Drama auf Messers Schneide. Théo Le Boudec gegen Juuso Simpanen, Frankreich gegen Finnland, Mann gegen Muskelkrampf – am Ende gewann der Franzose in einem sagenhaften Finish in 10h06'32" mit sagenhaften zehn Sekunden Vorsprung.
"Wir haben 60 km zusammen mit Juuso zurückgelegt und dabei Katz und Maus gespielt. Das ist der Trail, den ich mag," sagte Le Boudec, der sogar kurz davor war, den Zieleinlauf Hand in Hand zu wagen. Aber hey – für die Show muss man Opfer bringen. Samuel Dubois rundete das Podium mit 10h26’15” ab.
Lena Laukner – dominant, stark, kompromisslos
Lena Laukner bewies beim 100K der Damen absolute Souveränität. Mit einer Endzeit von 11h03'45" lag sie über 1,5 Stunden vor ihrer Verfolgerin Anne-Sophie Pollestad. Den dritten Platz schnappte sich Margaux Le Map (13h18’35”).

"Ich bin mein eigenes Rennen gelaufen, hauptsächlich mit Männern. Es war mein erster Wettkampf über 100 km, ich habe wenig Vergleichsbasis, aber ich würde sagen, dass es sehr gut gelaufen ist," erklärte Laukner – und brachte dabei nicht nur Männerbeine ins Wanken.
Die Sprinthelden der Ronde des Pages
Wer glaubt, 20 Kilometer seien Kindergeburtstag, hat nie den Trail Alsace Grand Est by UTMB mitgemacht. Bei der Ronde des Pages (20K) sprinteten Thibault Schwalm (1h03'20“) und Sofia Chételat (1h13'17”) zum Sieg. Die Konkurrenz biss sich an den beiden die Laufschuhe aus – Glückwunsch an Guillaume Oster und Diane Miceli, die als Zweite ebenfalls glänzten, aber eben nicht funkelten.
Eine Trail-Gala im Elsass
Das alles spielte sich in einer Szenerie ab, die sogar Fantasy-Fans neidisch machen würde: Weinberge, Waldwunder, Burgruinen und Kopfsteinpflaster-Träume. Vom Start in Turckheim bis zum finalen Showdown in Obernai bot der Trail Alsace Grand Est by UTMB ein Natur- und Laufepos sondergleichen.

Das Ultra-Trail Village pulsierte wie eine mittelalterliche Kirmes mit Hightech-Zielbögen, Cheer-Kids und DJ-Bass. Wer nicht lief, jubelte. Wer schon fertig war, feierte. Und wer morgen startet – der zittert jetzt schon, denn der 50K Trail des Celtes wartet am Sonntagmorgen.
Letzte Etappe, große Geste
Bevor sich die Tore schließen, wartet am Sonntag um 17:40 Uhr noch der emotionale Schlusspunkt: Die große solidarische Abschlussveranstaltung mit Scheckübergabe – denn auch das gehört zum Trail Alsace Grand Est by UTMB: Laufen für einen guten Zweck, bei dem nicht nur die Beine, sondern auch das Herz im Mittelpunkt steht.
Und so bleibt nur eins zu sagen: Der Trail Alsace Grand Est by UTMB hat geliefert. Trails, Tränen, Triumph – und ein bisschen Trail-Tratsch für die Ewigkeit.


Kommentar schreiben