Die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau im Sportregal geht in die nächste Runde.
Adidas hat mit dem Adizero Dropset Elite ein Modell präsentiert, das die massive Lücke zwischen High-Speed-Laufschuh und stabilem Kraftprotz schließen soll. Bisher war die Realität für Athleten bei Hybrid-Wettkämpfen (wie Hyrox) eher ernüchternd: Entweder man schlitterte mit weichen Laufsohlen beim Sled Push über den Teppich, oder man ruinierte sich mit harten Trainingsschuhen die Gelenke auf der Laufstrecke. Die große Frage bleibt jedoch, ob eine Sprengung von 12 mm und massiv viel Schaumstoff wirklich die Stabilität liefern können, die man bei schweren Ausfallschritten braucht.
Wenn zwei Welten hart aufeinanderprallen
Das Konzept hinter dem neuen Treter ist eine Fusion aus der rasanten Adizero-Reihe und der eher stationär orientierten Dropset-Serie. Aimee Arana, Global SVP bei Adidas, bringt das Problem auf den Punkt: Hybrid-Fitness-Rennen boomen, aber Athleten mussten sich bisher zwischen der Dämpfung eines Laufschuhs und der Stabilität eines Trainingsschuhs entscheiden. Man wolle diesen Kompromiss nun aus der Welt schaffen. Das Herzstück bildet hierbei der Lightstrike Pro Schaum, der eigentlich für Weltrekorde auf dem Asphalt entwickelt wurde. Dass dieser nun in einem Schuh steckt, der auch beim Wall Ball bestehen soll, ist ein mutiges Experiment.

Um die nötige Standfestigkeit zu garantieren, wurde ein sogenannter Energy Rim um den Schuh gelegt. Dieser Rahmen soll den Fuß führen und besonders im Fersenbereich für Halt sorgen. Ob das ausreicht, um das schwammige Gefühl von 44 mm Stapelhöhe im Rückfuß zu kompensieren, wird die Praxis zeigen müssen. Kritische Stimmen könnten behaupten, dass man hier versucht, zwei völlig gegensätzliche Biomechaniken in eine Form zu pressen. Tim Wenisch, der zweifache Weltmeister, scheint jedoch überzeugt zu sein. Er konnte bereits im Dezember 2025 in Melbourne den Sieg einfahren und meinte dazu: Mit diesem Schuh fühle ich mich schnell, stabil und unter Kontrolle.

Technische Spielereien für den Parcours
Ein interessanter Aspekt ist die Zusammenarbeit mit Graham Halliday und weiteren Profis wie Ella Wilkinson, Fabian Eisenlauer, Jana Lebenstedt sowie Jennifer Muir. Diese Elite-Sportler haben Monate im Innovationslabor in Herzogenaurach verbracht, um Details wie den Grip auf Teppichböden zu optimieren. Dafür kommt eine dünne Schicht Continental Gummi im Rautenmuster zum Einsatz. Das Ziel ist klar: Maximaler Grip beim Ziehen und Schieben von Schlitten, ohne das Gewicht unnötig in die Höhe zu treiben. Mit gerade einmal 210 Gramm ist das Modell tatsächlich ein Leichtgewicht unter den Fitnessschuhen.
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Die Geometrie des Schuhs ist mit einer Sprengung von 12 mm recht steil gewählt. Das soll laut Hersteller eine biomechanisch optimierte Position bei Übungen wie Sandbag Lunges fördern. Ob jeder Freizeitsportler mit so viel Keil unter der Ferse glücklich wird, bleibt abzuwarten. Zusätzlich ist die Footadapt Einlegesohle verbaut, die durch eine spezielle Oberflächenstruktur die Eigenwahrnehmung des Fußes steigern soll. Es ist ein hochgezüchtetes Paket, das ab dem 18. März für stolze 275 Euro auf den Markt kommt. Ein stolzer Preis für das Versprechen, nie wieder die Schuhe während des Trainings wechseln zu müssen.

Revolution oder teurer Hybrid-Versuch?
Der Ansatz, die Dämpfung eines Marathon-Schuhs mit der Traktion eines Gewichtheberschuhs zu kreuzen, ist ambitioniert. Adidas geht hier all-in und setzt auf die Strahlkraft ihrer Profis. Wer ernsthaft bei Events wie HYROX oder ATHX startet, wird um einen Test kaum herumkommen. Dennoch bleibt die Skepsis bestehen, ob ein Schuh mit so viel Schaumstoff unter der Ferse bei wirklich schweren Lasten nicht doch an seine Grenzen stößt. Am Ende entscheidet der Athlet auf dem Platz, ob die Innovation den hohen Preis rechtfertigt oder ob getrennte Schuhe für getrennte Disziplinen weiterhin die sicherere Wahl sind.
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