Das große Laufbuch der Trainingspläne

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Samstag zu Mittag bin ich in Feldkirchen (14.300 Ew), ab der steirischen Grenze hat es geschüttet, derzeit gerade nicht.

Kalt ist es, kaum jemand auf der Straße. Beim Rathaus erspähe ich zwei junge Leute mit roten Papiersackerln und frage sie nach dem Ort der Startnummernabholung. Da runter, an der Glasscheibe rechts und dann links die Stiegen runter, da ist der Eingang zum Stadtsaal. 

Am Eingang wird mir gleich einmal die Temperatur gemessen, das passiert mir jetzt öfters. Ich darf rein. Drinnen ist es beinahe menschenleer und enorm viel Platz. Freundliche Damen kümmern sich um mich. Die Startnummer habe ich im Nu und dazu einen prall gefüllten Starterbag.

Ich dachte schon, so etwas gibt es überhaupt nicht mehr, in Kärnten aber schon noch!

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Jahrelang gab es gar keinen Marathon in Kärnten, nun in Feldkirchen zum Glück schon das 4. Mal. Die unterschiedlichsten Laufbewerbe werden hier dieses Wochenende stattfinden, insgesamt werden etwa 400 Läuferinnen und Läufer am Start stehen, etwa 120 davon beim Marathon und weitere 22 beim 50km-Lauf.

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Hedi Hartl läuft mir über den Weg, der Hans holt gerade seine Startunterlagen und wird morgen seinen einzigen Marathon 2020 laufen. Als Kind war er oft hier bei seinen Großeltern, den Marathon in Feldkirchen MUSS er deshalb fast machen, sagt er mir.

Fürs Mittagessen empfehlen sie mir den GH Seitner der gut besucht ist weil dort gut gekocht wird. Kaum verlassen wir den Gasthof blitzt es, es beginnt zu regnen und es will gar nicht mehr aufhören. Wir stellen uns unter, während der Bewerbe der Kinder gießt es in Strömen. Hoffentlich morgen nicht auch noch.

Ich beziehe mein Quartier in Ossiach. Wegen des starken Regens muss leider der Abendspaziergang am Seeufer entfallen. 

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Kein Regen Sonntag früh. Ich fahre bald nach Feldkirchen, um noch etwas von der Stadt zu sehen. Parkplätze in Start/Ziel-Nähe gibt es genug. Lange dauert das Sightseeing nicht, einige gute Bekannte laufen mir aber schon über den Weg. Ich bin im zweiten Marathonstartblock ab 10h15, die 22 Ultra-Läufer starten bereits ab 09h15, auch alle Marathon-Damen. Mit dabei die österreichische Marathon-Rekordhalterin Heidi Riepl, die heute ihren 150. Marathon absolvieren wird.

Als der erste Start erfolgt, ist es bewölkt, dann regnet es ein bisschen. Ich gehe die ca. 1km lange Startrunde ab, die 2x zu durchlaufen ist. Die ist schon einmal nicht sehr flach. Ich sehe, wo nach der zweiten Runde links abgebogen werden muss. Okay, das wäre schon einmal geklärt. Die Streckenbeschreibungen setzen nämlich eine Ortskenntnis voraus, die ich in Feldkirchen einfach nicht habe.

Dann kommt die Sonne raus, sieh da! Zsófias neues knalloranges Shirt leuchtet nur so in der Sonne als sie uns knipst. Sie läuft Viertelmarathon und darf daher nicht mit zur Startaufstellung. Alle mit einem schwarzen Punkt auf der Startnummer dürfen, sofern sie einen Mund-Nase-Schutz tragen. Solcherart vermummt stehen wir am Start: Börni, Karl, Hans und Jürgen Ehgartner, der, wie ich, das grüne Shirt vom vorwöchigen Rauchwart-Marathon trägt. Lauter Burschen, die Damen, außer Elena Malaffo, sind längst über alle Berge. Aufgefädelt warten wir auf das Startsignal um 10h15, dann entlässt uns Walter Zugriegel auf die Strecke. Der hatte früher den Wienerwaldsee-Marathon veranstaltet und ist 15-facher Finisher des New York City Marathons.

Alle 3 sec. darf heute einer los und sodann die Mumifizierung ablegen. Das klappt gut.

Beim Anstieg in der zweiten Startrunde überholt mich der Didi Pruckner, den treffe ich im Herbst fast jedes Wochenende irgendwo. Nachdem wir zum 3. Mal am Rathaus vorbeilaufen, geht es raus aus dem Stadtzentrum und in die Ausläufer der Nockberge.

Einige Höhenmeter sind schnell beisammen. Es wird aber nicht so arg, weiß Börni, der die Strecke kennt.

Wir laufen durch die Krahberg-Siedlung, von da hat man einen schönen Blick ins Tal.

Ein Spaziergeher grüßt freundlich, dem gefällt die bunte Läuferschar offensichtlich. Runter auf die B94, die wir nach 400m wieder verlassen, rechts rein nach Tiffen.

Dort steil runter, unter der B94 durch nach Leinig, wo uns erstmals Wasser und Iso angeboten wird (km7). Nun regnet es ein bisschen.

Wir überqueren die Eisenbahnschienen und laufen entlang dem Tiebelbach weiter Richtung Ossiach. Der Bach führt ordentlich viel Wasser.

Nach weiteren 2,5km die nächste Labe. Diese liegt am Eingang bzw. Ausstieg der ca. 7km-Runde um das Bleistätter Moos. Jeder Marathonteilnehmer sollte heute bei dieser Labe 4x vorbeikommen. Wenn nicht, hat er was falsch gemacht.

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Da die Zeitkontrollmatten clever verlegt wurden, lässt sich das leicht nachprüfen.

Wir biegen rechts ab und laufen hinauf zur Eisenbahntrasse. An einem Bauernhof ist die Luft kurz atemberaubend. Etwas Musik hören wir auch, der Lautsprecher ist in Folie gehüllt. Weiter auf dem Radweg entlang der Schienen, eine wellige Angelegenheit. Hin und wieder werde ich von schnellen Läufern überholt.

Abwechselnd stehen Schilder die anzeigen, wie weit es noch ins Ziel ist. Noch 31km, noch 24km… Jeder muss wissen, in welcher Runde er gerade ist und welches Schild demnach für ihn momentan gilt. Sambatrommler trommeln uns was. Einige wenige Angehörige spazieren mit dem Hund oder radeln die Strecke ab. Anfeuerungen sind selten, dann aber herzlich.

Streckenposten halten den Autoverkehr auf, als wir eine Straße überqueren. Bei der nächsten Labestelle am GH Laggner muss ich mich entscheiden, geradeaus weiter nach Bodensdorf oder nach links die erste Runde komplettieren.

Links, den Dammweg runter, an einem mit viel Blumenschmuck verziertem Holzhaus vorbei, erreiche ich das Bleistätter Moor, ein Vogel- und Naturschutzgebiet, 2017 geflutet. Vom Steindorfer Moorturm herab kann es besichtigt werden kann. Oder auf diesem Weg durchlaufen, wie Börni und ich das gerade machen.

Ab und zu ist der malerische Kiesweg recht matschig, hier ist er beiderseits von Schilf gesäumt. Später sieht man kahle Baumstämme aus dem Wasser ragen. Wir passieren den Ossiacher Moorturm, der ist auch aus Holz und hat auf der oberen Etage ein Fernrohr. Über eine Holzbrücke, eine der Planken ist neu.

Es scheint sich um ein beliebtes Ausflugsgebiet zu handeln, denn Erholungssuchende schlendern durchs Moor, machen aber gerne Platz. Insbesondere der jungen Dame, die von drei Radfahrern begleitet an uns vorbeihuscht. Weg ist sie.

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Dabei dürfte es sich wohl gerade um die schnellste Marathondame gehandelt haben. 

Wir überqueren wieder die Straße von vorhin nur an anderer Stelle und haben nun eine

private Kiesstraße vor uns, links und rechts Felder. An einem Anwesen biegen wir links ab und laufen zum zweiten Mal auf die Labestelle bei km9,5 zu, da ist jetzt km16,5.

Die nächsten 3km kennen wir schon. Immer wieder kommen andere Läufer vorbei.

Beim GH Laggner an Sambatrommlerinnen nun geradeaus vorbei nach Bodensdorf, immer direkt an der Eisenbahn entlang.

Gegenverkehrsbereich, nach und nach sehe ich das fast das gesamte Teilnehmerfeld. Die, die mir jetzt gerade begegnen, sind 7km vor mir. Da und dort kommt man an recht schönen Hotels vorbei. Mit eigenem Hotelstrand, macht ein Schild aufmerksam. Campingplätze, Ferienwohnungen und Seevillen, hier gibt es alles. Yachtclub und Radverleih ebenso.

Bei Eisenbahnunterführungen geht es immer wieder ein paar Höhenmeter runter, bevor es drüben gleich wieder ansteigt. In Kreuzungsbereichen achten Feuerwehrleute auf uns. Eigentlich eine recht personalintensive Strecke.

Nach der Halbdistanz geht es runter in den Kurpark Bodensdorf. Wir kommen direkt ans Seeufer, obwohl es recht kühl und windig ist, sitzen da ein paar Leute im Gastgarten.

Wir laufen einen Linksbogen und kommen zur nächsten Labe.

Die Leute dort sind schon recht entspannt und fröhlich, denn viele kommen nicht mehr nach mir. Noch 18km, Peter Bechtloff begegnet mir, die Sonne scheint.

Ein kleiner Bub trägt schwer an der Feuerwehrjacke vom Papa. Für den Buben ist das ein bodenlanger Mantel, der steht ihm richtig gut! Der Bub grinst.

Einige Seegrundstücke sind noch unbebaut, in der Ossiacher See Halle scheint gerade eine kleine Messe stattzufinden. Dann erreiche ich wieder die Trommler beim Gasthaus Laggner, noch 16km. Ich fülle meine Flasche auf und nehme ein Stück Banane. Ich werde gefragt, wie es mir denn geht? „Gut! Das ist mein 5. Marathon in 4 Wochen und ich werde wieder unter fünf Stunden reinkommen, das passt für mich!“

„Menschenskind, bin ich bescheiden geworden!“, denke ich mir.

Den Dammweg runter, es tröpfelt etwas. Eine junge Dame in Rot-Kreuz-Uniform, ruft:

„Bravo, letzte Runde!“ Wäre mir durchaus recht, aber leider nein. Ich habe noch anderthalb Runden vor mir. Ich komme sogar noch in die Situation, zu überholen!

Auch das Personal der 4-fach-Labe will mich schon nach Feldkirchen schicken, aber so weit bin ich noch nicht. Abermals auf dem Weg zum GH Laggner denke ich schon, es würde donnern. Tatsächlich verursachen die Sambatrommlerinnen dieses Grollen.

Trotzdem beginnt es zu regnen. Ich habe noch 12km vor mir und bin seit 3,5 Stunden auf der Strecke. Mein Rennen ist mittlerweile recht einsam geworden. Aber es ist nun einmal nicht jeder Marathon ein Berlin-Marathon! Und heuer schon gar nicht.

Die paar Spaziergeher am Weg durchs Moor sind wetterfest angezogen, der Regen kam ja nicht überraschend. Ich tanke wieder auf bei der 4-fach Labe, und habe noch gut 6km zu absolvieren, der Wind wird unangenehm kühl. Der Tiebelbach tost. Weit vor mir sehe ich eine Läuferin mit rotem Leiberl.

Um ein Haar müsste ich wegen der Eisenbahn stehenbleiben, aber der Zug fährt gerade noch rechtzeitig los und ich laufe unbehelligt über die Schienen. Es regnet leise.

Leichter Anstieg nach Leinig-Liebetig, dort war schon die erste Labe. Der betreuende Feuerwehrmann hat sich untergestellt, gefüllte Becher und Bananen sind genug da.

Weiter, unter der Eisenbahntrasse durch, noch etwa 3km. Der Turm der St.-Michael-Kirche ist nicht zu übersehen. Gleich dort ist ja mein Ziel. Rechts von mir nun ein kleiner Flugplatz, der Dame in Rot bin ich etwas nähergekommen.

Vorbei am Marienhof, ein Streckenposten zeigt mir, wo es weitergeht. Das wäre nicht notwendig, die Pfeile auf dem Asphalt sind eindeutig. Aber wahrscheinlich steht er hier um etwaige Autolenker auf die Läufer aufmerksam zu machen. 

Ein Autofahrer ruft mir zu: „Bravo! Gleich hast du‘s!“ Vorher muss ich noch in hohem Bogen über die Eisenbahn und würde gerne direkt auf den Kirchturm zulaufen.

Doch die Strecke verläuft indirekt. Ich muss in die Umfahrungsstraße einbiegen, da hupt mich einer von hinten an. Hans Hartl und Hedi reisen schon ab.

Ob Hans weiß, dass er gerade die 2020er Jahresweltbestleistung aller ehemals „Flotten Sohlen“ gelaufen ist und mich damit vom ersten Platz verdrängt hat? Ich glaube nicht! Jetzt kommt sogar wieder die Sonne raus, so ein wechselhaftes Wetter!

Ich laufe die Villacher Straße hinauf, eine Frau mit zwei kleinen Kindern feuert mich an. Beim GH Seitner biege ich rechts ab. Ein paar Gehschritte die Heftgasse rauf, um beim Zieleinlauf ein gutes Bild abzugeben! 

Ich trabe rechts die Ossiacher Straße hinunter, zwischen Touristikbüro und Kirche durch. Der Zielsprecher kündigt mich schon an, die wenigen Zuseher applaudieren und ich habe den Zielkanal für mich alleine, den Bamberger Amthof (14. Jhdt.) direkt vor mir!

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Die Finishermedaille ist recht originell, neben einem Läufer ist ein Foto vom Ossiacher See darauf zu sehen, gefällt mir. Das war jetzt mein 10. Marathon seit ich 60 bin.

Ziellabe sehe ich keine, finde ich keine, weil ich auch keine suche. Ich nehme mir etwas mit Eiweiß und Zucker aus meinem Starterbag. Wasser habe ich im Auto genug.

Neben mir parkt Helmut Linzbichlers Auto, der noch auf der Strecke ist.

Ich verabschiede mich von seiner Frau Birgitta, die dort auf ihn wartet, der einzigen

W-70 Teilnehmerin im Viertelmarathon,

Als ich losfahre ist der Himmel über Feldkirchen endlich himmelblau und wolkenlos. So soll es sein, im sonnenverwöhnten Kärnten.

Die Stockerlplätze:

Michael Lang (D)                  2h34:11

Thomas Angerer                   2h37:45

Andrii Onyshchenko (UKR) 2h40:10

Elisabeth Niedereder             3h03:23

Ines Jölly                               3h22:51

Eva Maria Bauer                   3h25:17

116 Marathonfinisher  (88m, 3 DNF + 28w)

außerdem Kinderrennen, 50km-Lauf, Viertel- und Halbmarathon, Walking-Bewerbe 

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Startgeld: selbstbewusste € 78,75

meist Asphalt (auch brüchig), + Kies, Schotter, Matsch

schöne Finishermedaille 7cm Ø, ein knalloranges Funktionsshirt kostet extra

an den Labestelle: Wasser, Iso, Bananen

geschätzt 300 Höhenmeter

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