Die Laufbahn im chinesischen Keqiao glühte unter den Spikes der Mittel- und Langstreckenelite – und das nicht nur wegen der hochsommerlichen Temperaturen.
Vor allem zwei Läufe setzten dabei neue Maßstäbe: der 5000-Meter-Lauf der Männer und das 800-Meter-Rennen der Frauen. Mit packenden Finalphasen, cleverer Renntaktik und teils historischen Zeiten schrieben die Athleten ein neues Kapitel der Diamond League.
Berihu Aregawi lässt die Konkurrenz stehen
Er hatte den Plan, er hatte die Form – und er hatte den Mut zur Attacke: Berihu Aregawi dominierte den 5000-Meter-Lauf mit einer Mischung aus Geduld und Entschlossenheit. Der 24-jährige Äthiopier, bekannt für seine Spurtkraft, wartete bis 600 Meter vor Schluss, ehe er die Führung übernahm. Die Konkurrenz wusste, was kommt – konnte es aber nicht verhindern.
Sein Landsmann Mezgebu Sime versuchte am letzten Glockenschlag, die Kontrolle zurückzuerlangen, doch Aregawi ließ sich nicht beirren. Auf den letzten 200 Metern zündete er den Turbo und lief sich frei. Im Ziel blieb die Uhr bei 12:50,45 Minuten stehen – Saisonbestleistung und Meeting-Rekord.
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"Klar war das Ziel, ein schnelles Rennen zu zeigen. Aber dass es gleich so schnell wird, überrascht selbst mich ein wenig", sagte Aregawi nach dem Rennen mit einem Lächeln.
Der zweite Platz ging an Kuma Girma, der sich mit 12:50,69 Minuten über eine neue persönliche Bestleistung freuen durfte. Mezgebu Sime komplettierte das äthiopische Podium in 12:51,86 Minuten.
Tsige Duguma setzt Ausrufezeichen über 800 Meter
Bei den Frauen war es Tsige Duguma, die dem Meeting über die zwei Stadionrunden ihren Stempel aufdrückte. Die Olympiasilbermedaillengewinnerin von Tokio zeigte nicht nur einen eindrucksvollen Schlussspurt, sondern auch taktisches Gespür. Sie ließ sich lange im Feld treiben, ehe sie auf den letzten 100 Metern alles auf eine Karte setzte.
Mit weit ausholenden Schritten stürmte sie nach vorne, überholte die bis dahin führende Sarah Billings und drückte sich in 1:56,64 Minuten über die Ziellinie – ein neuer Landesrekord für Äthiopien und Meeting-Bestzeit.
"Ich wusste, dass ich stark bin, aber ich musste das perfekte Rennen laufen. Heute hat einfach alles gepasst", kommentierte Duguma ihren Rekordlauf.
Für Billings war die Zeit von 1:57,83 Minuten dennoch ein riesiger Erfolg – persönliche Bestleistung und der prestigeträchtige zweite Platz vor einem Weltklassefeld.
Steeple-Sieg für Abrham Sime
Ein weiterer äthiopischer Erfolg gelang Abrham Sime im 3000-Meter-Hindernislauf. In einem technisch starken und von vielen Führungswechseln geprägten Rennen setzte er sich mit einem entschlossenen Antritt auf der Zielgeraden durch. Mit 8:07,92 Minuten war er nicht zu schlagen.
Hinter ihm kämpfte sich Edmund Serem aus Kenia in 8:08,68 Minuten auf Rang zwei. Der Spurt reichte nicht ganz, doch seine Leistung war ein klares Zeichen für die kommenden Saisonhöhepunkte.
"Ich wusste, dass ich bei der letzten Wassergrube angreifen muss. Danach war es nur noch Kopf runter und durchziehen", sagte Sime über seinen entscheidenden Moment.
Äthiopische Dominanz
Die Bilanz des Abends spricht eine deutliche Sprache: Die äthiopischen Läufer haben einmal mehr ihre Vormachtstellung auf den langen Distanzen unter Beweis gestellt. Mit taktischer Reife, physischer Stärke und nervenstarken Finishes dominierten sie die Laufdisziplinen jenseits der zwei Stadionrunden. Ob Aregawi über 5000 Meter, Duguma mit ihrem Rekord über 800 Meter oder Sime im Hindernisrennen – sie alle zeigten: Die Weltspitze muss sich warm anziehen.
Und wer jetzt noch daran zweifelt, dass Langstreckenrennen elektrisierend sein können, sollte sich die letzten Runden dieses Meetings noch einmal in voller Länge ansehen.


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