Auf der „Königsetappe“ der SALOMON 4 TRAILS über 45,4 km und 2844 Höhenmeter unterstrich der Grieche Dimitris Theodorakakos seine Ausnahmestellung.

Der 35-Jährige aus dem Team Salomon gewann die äußerst schwierige Schlussetappe von Landeck hinauf in den fast 2000 m hoch gelegenen Skiort Samnaun in der Schweiz und holt sich damit wie erwartet auch den Gesamtsieg der SALOMON 4 TRAILS.

Nach insgesamt 160 km hatte der ehemalige griechische Nationalmannschafts-Ruderer im Zweier und Vierer exakt 20:01,7 Minuten Vorsprung auf seinen spanischen Salomon-Teamkollegen Iker Karrera und 35:13 Minuten auf den Allgäuer Mirco Berner. Bei den Frauen setzte sich überraschend Tina Fischl (Sziols/Asics Frontrunner) auf der Schlussetappe durch. In der Gesamtwertung dominierte die Spanierin Nuria Picas (Pro Team Buff, 18:31.12,2 Std.) vor Tina Fischl (Fürstenstein, 18:49.26,6 Std.) und der Russin Zhanna Vokueva (Team Salomon, 19;53.27,1 Std.)

„Das Finale war wirklich anspruchsvoll, wir waren lange im alpinen Gelände auf einer Höhe oberhalb von 2500 m“, sagte Theodorakakos nach seinem vierten Sieg im vierten Rennen. Hinter dem Griechen erkämpfte sich der Spanier Iker Karrera Platz zwei, Rang drei ging überraschend an den erst 20-jährigen Kemptener Mirco Berner. Theodorakakos blieb bei seinem Erfolg in 4:57:06 Stunden als einziger Athlet unter der 5-Stunden-Marke und war trotz schwieriger Bedingungen noch schneller unterwegs als Vorjahressieger Stephan Hugenschmidt.

Etwas müde, aber dennoch euphorisch waren die Athleten, als sie am Samstagmittag nach 45,4 km in Samnaun eintrafen. Denn die Verhältnisse auf der Strecke forderten den morgens um 7 Uhr gestarteten 350 Akteuren noch einmal alles ab. Nach dem mächtigen Aufstieg von Landeck hinauf zum 2432 m hoch gelegenen Fisser Joch wartete mit der 2787 m hohen Ochsenscharte der höchste Punkt der SALOMON 4 TRAILS. Kurz vor dem Gipfelkreuz mussten die Athleten ein Schneefeld passieren, das es in sich hatte. „Da bist du bis zu den Knien eingebrochen. So viel Schnee habe ich in Griechenland noch nie gesehen“, lachte Gesamtsieger Theodorakakos, der im Gegensatz zur Konkurrenz noch absolut frisch und relaxed wirkte und sogar die Zeit fand, die griechische Nationalfahne aus seinem Rücksack zu holen und unter dem Beifall der Zuschauer jubelnd über die Ziellinie lief. „Einfach sensationell, wie leichtfüßig Dimitris läuft“, zeigte sich der verletzungsbedingt ausgefallene Philipp Reiter von der Vorstellung des gelernten Marathonläufers (Bestzeit 2:18,17 Stunden) angetan.

Geschlagene 10:17 Minuten später folgte der Spanier Iker Karrera, weitere fünf Minuten später kam Mirco Berner ins Ziel. Der junge Kemptener, ein absoluter Trailrun-Anfänger, war die eigentliche Überraschung des Rennens. „Ich habe selbst maximal mit Platz 5 gerechnet. Jetzt bin ich Dritter“, jubelte der Allgäuer. Sowohl Theodorakakos als auch Karrera zeigten sich angetan von Berner. „Ein großes Talent. Besonders in den Downhills ist Mirco technisch sehr, sehr gut und extrem schnell. Das ist enorm wichtig  im Traillauf. Und er erholt sich sehr schnell“, lobte der 15 Jahre ältere Grieche seinen jungen Konkurrenten. Der sich nach etwa 10 km sogar noch verlief und so gut 5 Minuten Zeit verlor. Danach habe er Iker nicht mehr gesehen und sich gesagt: jetzt genieße ich den Lauf und die Landschaft. Die letzten 8 km seien für ihn das Schönste von allen vier Tagen gewesen, so Berner, der erst vor zwei Monaten sein Abitur gemacht hat und bis dato noch nie 45 km am Stück gelaufen ist.

Bei den Frauen wurde es im Finale noch einmal richtig spannend. Die bis dahin dominierende Spanierin Nuria Picas zeigte eine überraschende Schwäche. „Ich habe noch immer unter den Folgen der vorangegangenen Kälte-Etappe nach Landeck gelitten. Ab Kilometer 35 ging bei mir nicht mehr viel“, gestand die 37-jährige aus Berga bei Barcelona. Dahinter entwickelte sich ein Fernduell  zwischen Tina Fischl und der aufkommenden Russin Zhanna Vokueva. „Ich musste mit Nuria mitgehen, weil ich wusste, dass Zhanna Vokueva immer stärker wurde“, erklärte die Niederbayerin Fischl vollkommen erschöpft und glücklich im Ziel. Und während die Gesamtsiegerin Picas ihr hohes Anfangstempo nicht mehr halten konnte, zeigte Tina Fischl eine echte Energieleistung und kam mit einem Vorsprung von 3:19 Minuten auf Nuria Picas in Samnaun ins Ziel. „Ich kann das einfach gar nicht glauben, es war so brutal, besonders im Schneefeld, aber ich bin so glücklich, das ich es jetzt geschafft habe“, hielt die zweifache Mutter nicht mit ihrer Freude zurück.

Hart zur Sache ging es in der Kategorie Senior Master Men. Mit einer Klasseleistung im Finale sicherte sich der Schweizer Beat Bieri noch den Gesamtsieg vor dem bis dahin Führenden Rosenheimer Armin Bernard (29:20 Min. zurück). Platz drei ging an Trailrun-Legende Hans Hörmann (München, 1:28:08 Std. zurück). Eine klare Sache war das Rennen der Master Men. Hier gewann der Schweizer Iwan Schwarz vor Beat Lohner und Anton Frommelt, beide aus Liechtenstein. Bei den Master Women dominierte die Münchnerin Eva Färberböck. Zweite wurde Uta Jurkschat (Schmiedefeld) und Dritte Monika Turra aus Fischbachau.

Dimitris Theodorakakos (Griechenland, 1. Gesamtwertung): „Ich wäre vielleicht noch eine bessere Zeit gelaufen, aber ich habe den Lauf auf dem Kamm zur Ochsenscharte genossen.“

Iker Karrera (Spanien, 2. Gesamtwertung): „Heute bin ich mit meiner Leistung zufrieden, das war ein gutes Training für den UTMB.“

Mirco Berner (Kempten, 3. Gesamtwertung): „Der 2. Tag war für mich der härteste. Am Schlusstag habe ich zum ersten Mal die überwältigende Natur so richtig gesehen.“

Sejad Mulahalilovic (Österreich, 4. Gesamtwertung): „Ich brauchte ein, zwei Tage, um in Fahrt zu kommen. Ich bin wie eine alte Diesel-Lok. Aber nach dem zweiten Tag lief es immer besser.“

Iwan Schwarz (Schweiz, 1. Master Men): „Bei meinem ersten Trailrennen konnte ich drei Etappensiege feiern. Das ist hammerhart.“

Beat Bieri (Schweiz, 1. Senior Master Men): „Am letzten Tag bin ich noch ins Siegertrikot gelaufen, nachdem ich drei Tage lang hinterher gelaufen bin. Das war sensationell, so wie die gesamte Veranstaltung.“

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Nuria Picas (Spanien, 1. Frauen): „Die Kälte auf der 3. Etappe hat mir zugesetzt. Aber die Schlussetappe war landschaftlich großartig. Und ich sehr, sehr gut trainiert für den UTMB.“

Tina Fischl (Fürstenstein, 2. Frauen): „Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich Zweite geworden bin. Ich bin vier Tage lang ohne Stöcke gelaufen, weil ich im Vorfeld damit nicht trainiert habe. Mit solch einem Ergebnis habe ich niemals gerechnet.“

Zhanna Vokueva (Moskau, 3. Frauen): „Eine unglaubliche Landschaft, die ich in meinem Leben noch nicht so gesehen habe. Das war mein erstes großes Trail-Abenteuer. Das Schneefeld bin ich hinunter gerutscht. Jetzt geht es für zehn Tage mit dem Zelt in den Ural.“

Eva Färberböck (München, 1. Master Women): „2013 bin ich Zweite geworden, jetzt Erste bei den Master Women. Ich bin unglaublich zufrieden.“

Fotos (C) Sportograf/Andreas Doblaff (1), Sportograf/Thomas Schermer (2), Klaus Fengler (10)


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