Ein Wochenende für die Geschichtsbücher
Der Transruinaulta und der Transviamala lieferten erneut ein Trailrunning-Fest der Extraklasse. Zwei Tage, zwei Läufe, zwei völlig verschiedene Charaktere – und am Ende neue Könige und Prinzen der Schluchten. Der große Triumphator: Jan Hafner aus Chur. Mit einer Gesamtzeit von 5:11:16 Stunden krönte er sich zum Schluchtenkönig und ließ auf den anspruchsvollen Pfaden zwischen Ilanz, Thusis und Donat keinen Zweifel an seiner Form.
Bereits am Samstag zeigte Hafner beim Transruinaulta-Marathon über 42 Kilometer und 1800 Höhenmeter, was in seinen Beinen steckt. Mit 3:31:20 Stunden legte er den Grundstein für seinen Doppelerfolg. Der Sonntag verlangte dann noch einmal alles: Beim Transviamala Trail über 19 Kilometer mit 1000 Höhenmetern kämpfte er sich ins Ziel – müde, aber mit strahlendem Blick. Seine Konkurrenz, darunter der siegreiche Arnold Aemisegger und Lilian Broisat, war zwar schneller im Einzelrennen, hatte jedoch keine Marathon-Vorbelastung. So blieb der Gesamtsieg fest in Hafners Händen.
Emotionen am Limit
„Was an den beiden Tagen passierte, war krass“, meinte Hafner nach seinem Zieleinlauf. Und das war keine Übertreibung. Der Moment, als er beim Transruinaulta einen Kilometer vor dem Ziel von Emotionen übermannt wurde, war Gänsehaut pur. „Emotionen, wie ich sie noch nie an einem Lauf erlebte“, beschrieb er später. Tränen liefen – nicht vor Schmerz, sondern vor purer Erleichterung und Freude. Im Ziel wich das Weinen einem breiten Lächeln. „Dass ich Schluchtenkönig bin, bedeutet mir sehr viel. Das hätte ich nie für möglich gehalten.“
Frauenpower mit Rekorden
Auch die Damen sorgten für Staunen. Flurina Eichholzer lief beim Transruinaulta-Marathon in unglaublichen 3:37:21 Stunden ins Ziel – schneller als fast alle Männer. Nur drei Läufer waren flotter. Am Sonntag übernahm Gianna Chiara Wohler die Bühne und gewann den Transviamala Trail mit 1:43:13 Stunden. Die Schluchtenkrone bei den Frauen ging jedoch an Angela Gisler, die in der Gesamtwertung beider Rennen mit 6:06:52 Stunden brillierte. Ein Kraftakt, den sie mit einem Lächeln und viel Lob für die Veranstalter beendete.
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„Die Organisation war top, die Helfenden freundlich und hilfsbereit, und jeder Abschnitt hatte seine Eigen- und Schönheiten“, schwärmte Gisler nach ihrem Triumph. Ihre Leistung: Platz zwei beim Transruinaulta, Platz vier beim Transviamala – und am Ende die wohlverdiente Krone der Schluchtenkönigin.

Die Prinzen und Prinzessinnen der Kurzstrecke
Während die Könige und Königinnen die langen Distanzen dominierten, sorgten die Kurzstrecken für schnelle Action. Sina Sprecher und Marco Wildhaber gewannen sowohl die 24 Kilometer des Transruinaulta curta als auch die 11,5 Kilometer des Transviamala curta. Damit sicherten sie sich die Titel als Schluchtenprinzessin und Schluchtenprinz. Für Sprecher war es der erste, für Wildhaber bereits der dritte Titel – die beiden Thusner sind echte Seriensieger. Nach zwei Jahren als König feierte Wildhaber nun seine Rückkehr auf die kurze Distanz, nachdem ihn ein Ermüdungsbruch im Frühjahr zu einer Pause gezwungen hatte.
Ein Abschied mit Geschichte
Für Thomas Häusermann war das Wochenende ein emotionaler Abschluss. Nach über 25 Jahren im OK und 14 Jahren als Präsident legte er das Amt nieder. „Es kommt der Moment, einen Schritt zur Seite zu treten“, sagte er – dankbar für ein starkes Team und unzählige Erinnerungen. Häusermann war 2014 Initiator des Transruinaulta und prägte die Schluchtenwertung maßgeblich. Mit ihm geht eine Ära, die Trailrunning in der Region auf ein neues Level gebracht hat.
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