Man sagt, Treue sei eine Tugend. Im E-Commerce ist Treue jedoch oft einfach nur teuer - im Fall von Ecwid sogar existenzbedrohend teuer.
Wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass ein einst sympathisches, schlankes Shopsystem den Pfad der Vernunft so radikal verlässt, um in die dunklen Gassen der "Kunden-Ausschlachtung" abzubiegen? Ich habe den Stecker gezogen. Nach Jahren bei Ecwid bin ich zu Shopify gewechselt. Und während ich das schreibe, frage ich mich eigentlich nur eines: Warum habe ich nicht schon viel früher das Weite gesucht?
Die Geschichte meines Abschieds ist eine Chronik angekündigten Hochmuts, gepaart mit einer Preispolitik, die selbst gestandene Hedgefonds-Manager vor Neid erblassen ließe. Begleiten Sie mich auf einer Reise durch die Absurditäten eines Unternehmens, das offenbar beschlossen hat, seine Nutzerbasis als Selbstbedienungsladen für die eigene Bilanzsanierung zu betrachten.
2024: Der erste Schock - 50 Prozent mehr für... nichts?
Es begann alles im Frühjahr 2024. Bis dahin war die Welt bei Ecwid noch halbwegs in Ordnung. Sicher, 2022 gab es eine kleine Preisanpassung von 150 auf 169 Euro (jährlich) für den Venture-Plan (max. 100 Produkte). Das war im Rahmen der Inflation vertretbar, ein fairer Deal für ein System, das zwar limitiert war, aber funktionierte. Doch dann kam der April 2024, und Ecwid schaltete vom "fairen Partner-Modus" direkt in den "Raubritter-Modus".
Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Der Preis für den Venture-Plan stieg mal eben von 14,08 Euro auf 21 Euro pro Monat bei jährlicher Zahlung. Wir reden hier von einer Steigerung um fast 50 Prozent. Ohne Vorwarnung, ohne nennenswerte neue Features, einfach nur, weil man es konnte. Oder weil man es musste, da die Nutzerzahlen laut BuiltWith bereits damals einen drastischen Sinkflug antraten. Wer weniger Kunden hat, muss die verbleibenden eben stärker melken - ein betriebswirtschaftlicher Geniestreich, wenn man vorhat, bald ganz alleine im Büro zu sitzen.
Besonders zynisch war das offizielle Statement von Ecwid auf meine Nachfrage. Man faselte etwas vom "Erfolg der Händler", der "höchste Priorität" habe, und von "branchenführendem Support". Das ist so, als würde die Tankstelle den Benzinpreis verdoppeln und es damit begründen, dass der Kassierer jetzt besonders freundlich lächelt, während er einem das Geld aus der Tasche zieht. Die "fantastischen neuen Funktionen", die man uns auf der Igniter-Seite präsentierte? Im ohnehin schon stark limitierenden Venture-Plan größtenteils gar nicht verfügbar. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Nachlese: Ecwid erhöht Preise um fast 50 %
2025: Die Frechheit kennt keine Grenzen - Der Preis-Wahnsinn geht in die nächste Runde
Wer dachte, mit den 252 Euro pro Jahr sei die Spitze des Berges erreicht, hatte die Rechnung ohne die Gier der Ecwid-Strategen gemacht. Nur ein Jahr später, wir schreiben das Jahr 2025, folgte der nächste Streich. Der Preis für den Venture-Plan kletterte auf 300 Euro jährlich.
Das Faszinierende daran: Während man 2024 wenigstens noch die Anständigkeit besaß, eine E-Mail zu schicken, wurde diese Erhöhung oft einfach stillschweigend durchgewunken. Man scheint sich bei Ecwid sicher zu sein, dass die Kunden entweder zu faul zum Wechseln sind oder den Schuss einfach nicht gehört haben.
Gleichzeitig häuften sich bei uns die Probleme. Zweimal innerhalb von zwölf Monaten gab es massive Ausfälle und Fehler im Shop-System, die direkt das Kaufverhalten unserer Kunden bei HDsports negativ beeinflussten. Ein Online-Shop, bei dem man nicht reibungslos bezahlen kann, ist wie ein Restaurant, bei dem die Tür klemmt: Der Kunde geht zur Konkurrenz. Der Support war zwar weiterhin freundlich (das muss man ihnen lassen, sie sind die nettesten Bestatter der Welt), aber Freundlichkeit bezahlt keine Rechnungen und repariert keine instabile Infrastruktur.
Nachlese: Ecwid zockt seine Kunden mit absurden Preiserhöhungen ab
Update 2026: Die totale Disqualifikation - Teurer als der Marktführer, aber nur ein Bruchteil der Leistung
Kommen wir zur Gegenwart. Der aktuelle Stand im Jahr 2026 lässt mich fassungslos zurück. Der Venture-Plan kostet mittlerweile 348 Euro jährlich. Zur Erinnerung: Vor vier Jahren waren wir bei 150 Euro. Wir sprechen hier von einer Preissteigerung von über 130 Prozent in einem Zeitraum, in dem die meisten anderen Software-Anbieter ihre Preise stabil gehalten oder nur moderat angepasst haben.
Übrigens, auch für die Preissteigerung von 2026 gab es keine Ankündigung per Mail. Ich habe dies soeben gemerkt, als ich nach Wochen wieder mal in das Ecwid-Shopsystem ging, um mein Abo nun endlich zu kündigen, da die Migration auf Shopify abgeschlossen war.
Lassen Sie uns das kurz sacken lassen und mit dem Branchenprimus Shopify vergleichen:
| Feature / Kosten | Ecwid (Venture) | Ecwid (Business) | Shopify (Basic) |
|---|---|---|---|
| Jahrespreis | 348 € | 588 € | 288 € |
| Produktlimit | Max. 100 Produkte | Max. 2.500 Produkte | Unlimitiert |
| Warenkorb-Wiederherstellung | Nein | Ja | Ja (Inklusive) |
| Mehrsprachigkeit | Nein | Ja | Ja (Inklusive) |
| Server-Stabilität | Oft problematisch | Oft problematisch | Hervorragend |
Es ist ein schlechter Witz: Der "kleine" Venture-Plan von Ecwid ist mittlerweile 60 Euro teurer als der Basic-Plan von Shopify. Dabei bietet Shopify keine Produktlimits, eine überlegene Infrastruktur und Features, für die man bei Ecwid in den Business-Plan für 588 Euro wechseln müsste. Einziger Nachteil bei Shopify: Die zusätzlichen Gebühren, wenn man nicht die von Shopify angebotene Zahlungsfunktion integriert.
Ecwid verlangt also für ein System mit massiven Einschränkungen (keine automatisierten Mails bei Warenkorbabbrüchen, keine Mehrsprachigkeit, lächerliches 100-Produkt-Limit; ja sogar im Business-Paket ist das Limit auf 2.500 beschränkt) teilweise mehr als doppelt so viel wie Shopify für ein Profi-Paket. Das ist nicht mehr nur eine schlechte Preispolitik, das ist eine bewusste Entscheidung gegen die eigenen Kunden.
Warum Ecwid für mich gestorben ist
Es gibt drei Hauptgründe, warum ich Ecwid den Rücken gekehrt habe und jedem raten würde, dasselbe zu tun:
- Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist absurd: Man zahlt Premium-Preise für ein Einsteiger-Produkt. Wer mehr als 100 Produkte hat oder grundlegende Marketing-Tools nutzen will, wird bei Ecwid regelrecht zur Kasse gebeten. 588 Euro für den Business-Plan? Dafür kann man sich bei anderen Anbietern eine ganze Marketing-Abteilung mieten.
- Technische Defizite: Serverprobleme und lange Ladezeiten sind im E-Commerce tödlich. In einer Welt, in der jede Millisekunde Ladezeit über Konversion oder Abbruch entscheidet, liefert Ecwid einfach nicht mehr die nötige Performance. Shopify hingegen rennt wie ein Schweizer Uhrwerk.
- Fehlende Vision: Außer Preiserhöhungen scheint dem Management nicht viel einzufallen. Während Shopify ständig neue KI-Tools, bessere Checkout-Optionen und tiefere Integrationen liefert, fühlt sich Ecwid an wie eine App, die im Jahr 2018 stehengeblieben ist - nur mit den Preisen von 2030.
"Ecwid scheint sich in einer Phase zu befinden, die man in der Wirtschaft 'Harvesting' nennt. Man investiert nichts mehr ins Produkt, sondern versucht, aus dem verbleibenden Kundenstamm so viel Profit wie möglich herauszupressen, bevor das Licht ausgeht.
Wer jetzt nicht geht, ist selbst schuld
Mein Wechsel zu Shopify fühlt sich an wie der Auszug aus einer baufälligen Einzimmerwohnung für 2.000 Euro Kaltmiete in ein modernes Loft für die Hälfte des Preises. Es ist befreiend. Die Migration war dank der zahlreichen Import-Tools deutlich unkomplizierter als gedacht, und das Gefühl, nicht mehr bei jeder Preiserhöhung von Ecwid als "Melkkuh" missbraucht zu werden, ist unbezahlbar.
Ecwid war einmal ein Geheimtipp für kleine Shops. Heute ist es eine Warnung vor dem, was passiert, wenn ein Unternehmen den Kontakt zur Realität und zu seinen Kunden verliert. Mit Platz 20 in den weltweiten Charts (Tendenz fallend) ist der Abstieg bereits in den Zahlen sichtbar. Wer klug ist, wartet nicht, bis das Schiff endgültig gesunken ist.
Mein Rat an alle Shop-Betreiber: Prüft eure Rechnungen. Vergleicht die Features. Und wenn ihr feststellt, dass ihr für weniger Leistung mehr bezahlt als bei der Konkurrenz, dann zieht die Konsequenzen. Ich habe es getan und keinen Cent bereut.
Haben Sie ähnliche Erfahrungen mit Ecwid gemacht? Oder haben Sie den Wechsel zu Shopify bereits hinter sich? Schreiben Sie mir in den Kommentaren!
PS: Dieser Artikel soll keine Werbung für Shopify sein. Es gibt natürlich noch viele weitere Alternativen. Da ich aber den Umzug von Ecwid auf Shopify umgesetzt habe, kann ich nur meine Erfahrungen aus diesen zwei Systemen wiedergeben.

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