Was sich vom 6. bis 8. Juni 2025 im sonst beschaulichen Val-de-Travers abspielte, war weniger ein Trailrunning-Event und mehr ein episches Natur- und Willensdrama.
Die Jubiläumsausgabe des Swiss Canyon Trail verwandelte das Neuenburger Tal in eine matschige Arena, in der sich 3'500 Läuferinnen und Läufer durch Gischt, Geröll und Gewitter kämpften – und dabei echte Heldenstunden schrieben.
Der Wahnsinn hat einen Namen: 166K
Die 30. Ausgabe des Swiss Canyon Trail hatte sich eine besondere Geburtstagsüberraschung ausgedacht: Ein 166 Kilometer langer Kurs, der sich mit legendärer Härte einen Platz in den Geschichtsbüchern sicherte. Sangé Sherpa aus Nepal – im Trikot des Kailas-Fuga-Teams – bretterte durch das Unwetter und krönte sich zum ersten König dieser ultralangen Tortur. Ein historischer Moment, der bei Wind, Regen und euphorischem Applaus gefeiert wurde.

Auch bei den 111K war Kailas Fuga das Mass aller Dinge. Der Portugiese Miguel Arsenio zeigte der Konkurrenz erneut die Fersen und verteidigte seinen Vorjahressieg mit Stil. Im 51K liess Francisco José Anguita Bayo aus Portugal nichts anbrennen, während Chinas JianJian Yang mit einem starken zweiten Platz für internationales Flair sorgte. Frankreichs Martin Perrier hielt mit Rang neun im 111K die Tricolore hoch. Und dann war da noch Ying Li, die junge Chinesin, die im 111K einen bemerkenswerten dritten Platz holte.
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Neuchâtel-Power im Dauerregen
Was wäre der Swiss Canyon Trail ohne die Lokalmatadoren? Céline Bernasconi aus Val-de-Travers zog beim 166K ihr Ding durch – über 27 Stunden lang – und sicherte sich unter Jubel die Silbermedaille. Ariane Wilhelm, ebenfalls aus Neuchâtel, war im 111K schlicht nicht zu bremsen. In 13 h 31 m holte sie den verdienten Sieg, trotz widrigster Bedingungen: „Ich war von Anfang an auf Sieg gepolt! Es war brutal, aber die Landschaft war atemberaubend. Ich habe noch nie so viel Wasser in den Schluchten gesehen!“
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Hinter ihr rang sich Sarah Humble aus den USA auf Platz zwei – auch das ein bemerkenswerter Lauf bei nassen Füssen und matschigen Trails. Die Neuchâtler Männer standen den Frauen in nichts nach: Grégory Hugenin (24 h 28 m) und Grégoire Fatton (24 h 39 m) liefen auf die Ränge vier und sechs im 166K – ganz grosses Kino, made in Switzerland!

Trailrunning für alle – von 16 bis 166 Kilometern
Während die Elite durch Wasserfälle stapfte, zog es auch Hobbyläufer in Scharen auf die kürzeren Distanzen. Über 750 mutige Seelen im 31K und mehr als 500 im 16K – ein klares Zeichen: Der Swiss Canyon Trail ist längst ein Volkslauf mit internationalem Touch geworden. Von blutigen Anfängern bis zu gestandenen Bergziegen – hier fand jeder seinen Trail, seine Grenze, seinen Triumph.
Ein Fest der Emotionen – trotz (oder wegen) des Sauwetters
Der Mann mit dem Überblick war sichtlich bewegt. Patrick Christinat, Präsident des Organisationskomitees, fand beim Abschlussevent am Sonntagmorgen klare Worte: „Das war die schwierigste Ausgabe, die ich je organisiert habe. Was auf den Strecken abging, lässt sich kaum in Worte fassen. Läufer und Helfer – ihr wart grandios. Ohne eisernen Willen ging da gar nichts.“

Mit 3'500 registrierten Teilnehmern feierte der Swiss Canyon Trail 2025 nicht nur einen Teilnehmerrekord, sondern auch den gelungenen Einstieg des neuen Hauptpartners Kailas Fuga. Die Integration ins World Trail Majors-Circuit katapultiert das Event endgültig auf die Weltbühne. Über 30 Nationen waren am Start – und mittendrin ein kleines Schweizer Tal mit einem grossen Herz für Trailsport.
Und wie geht’s weiter? Der Termin für die nächste Ausgabe steht bereits: Vom 12. bis 14. Juni 2026 steigt der Swiss Canyon Trail erneut. Ob es beim 166K bleibt oder geschraubt wird? Noch offen. Doch eins ist sicher: Diese Veranstaltung ist längst mehr als ein Rennen. Sie ist ein Ausdruck von Leidenschaft, Verrücktheit und – typisch schweizerisch – unerschütterlicher Gelassenheit im Angesicht jeder Herausforderung.
Weitere Fotos und alle Ergebnisse vom Swiss Canyon Trail 2025
Fotos: © MYVisual_SCT25

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