Ein Kreuzbandriss, insbesondere des vorderen Kreuzbandes (ACL), stellt eine schwerwiegende Verletzung dar, die oft bei Sportlern vorkommt.
Die Dauer der Erholungsphase nach einem Kreuzbandriss variiert und hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Schwere der Verletzung, das gewählte Behandlungskonzept und die individuelle Heilungsfähigkeit des Körpers.
Wie lange ist die Pause nach einem Kreuzbandriss?
In der Regel dauert die vollständige Rehabilitation nach einem operativ versorgten Kreuzbandriss etwa sechs bis neun Monate. Bei einer konservativen Behandlung ohne Operation kann die Zeitspanne ähnlich sein, abhängig von der Stabilität des Knies und dem Fortschritt der Physiotherapie.
Zu Beginn der Rehabilitation steht die Reduktion von Schwellung und Schmerz sowie die Wiederherstellung der Beweglichkeit im Vordergrund. Im weiteren Verlauf konzentriert sich die Therapie auf den Muskelaufbau und die Verbesserung der Koordination. Erst in den späteren Phasen der Rehabilitation wird das Laufen schrittweise wieder eingeführt. Dies geschieht in der Regel frühestens nach drei bis vier Monaten, wobei der genaue Zeitpunkt vom individuellen Heilungsverlauf und den Empfehlungen des behandelnden Arztes abhängt.
Wichtiger Hinweis: Dieses Buch macht dich zum besseren Läufer
Die 4 Phasen auf dem Weg zurück
Die physiotherapeutische Behandlung kann grundsätzlich in vier Phasen unterteilt werden:
- Frühphase (0 - 6 Wochen): Fokus auf Schmerzlinderung, Schwellungsreduktion und Wiederherstellung der Beweglichkeit.
- Mittlere Phase (6 - 12 Wochen): Stärkung der Muskulatur, Verbesserung der Koordination und Balance.
- Spätphase (3 - 6 Monate): Fortgeschrittenes Krafttraining, sportartspezifische Übungen und Vorbereitung auf die Rückkehr zum Laufen.
- Rückkehr zur vollen Aktivität (6 - 12 Monate): Steigerung der Intensität und der Laufumfänge unter strenger Überwachung.
Welche Faktoren beeinflussen die Pausendauer und den Wiedereinstieg?
Die Dauer der Pause und der Wiedereinstieg nach einem Kreuzbandriss werden von mehreren Faktoren beeinflusst. Ein entscheidender Aspekt ist die Art und Schwere der Verletzung. Ein vollständiger Riss des Kreuzbandes erfordert meist eine längere Rehabilitation als ein teilweiser Riss. Auch Begleitverletzungen wie Meniskusschäden oder Knorpelverletzungen können die Heilungsdauer verlängern.
Die Wahl der Behandlungsstrategie spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Bei einer operativen Rekonstruktion ist eine initiale Heilungsphase erforderlich, während eine konservative Behandlung oft einen längeren Zeitraum für die Stabilisierung des Knies benötigt. Individuelle Faktoren wie Alter, allgemeiner Gesundheitszustand, körperliche Fitness und Heilungsfähigkeit des Patienten sind ebenfalls entscheidend. Jüngere und fittere Patienten zeigen oft eine schnellere Regenerationsfähigkeit.

Ein strukturierter und konsequent durchgeführter Rehabilitationsplan ist von großer Bedeutung für die Wiederherstellung der vollen Funktionsfähigkeit des Knies. Die Qualität und Intensität der physiotherapeutischen Betreuung kann den Heilungsverlauf positiv beeinflussen. Zudem spielt die Motivation und Compliance des Patienten eine entscheidende Rolle. Die Bereitschaft, aktiv an der Rehabilitation mitzuwirken und die empfohlenen Übungen regelmäßig und korrekt durchzuführen, trägt wesentlich zum Erfolg bei.
Was muss ich beachten, wenn ich nach der langen Pause wieder mit dem Laufen beginne?
Der Wiedereinstieg ins Laufen nach einer langen Pause aufgrund eines Kreuzbandrisses erfordert sorgfältige Planung und Durchführung, um Rückschläge und erneute Verletzungen zu vermeiden. Zunächst sollte das Knie eine ausreichende Stabilität und Beweglichkeit aufweisen, und die Muskulatur sollte genügend Kraft und Koordination entwickelt haben. Der behandelnde Arzt oder Physiotherapeut sollte das Knie umfassend untersuchen und den Wiedereinstieg freigeben.
Beim Beginn des Lauftrainings ist es wichtig, langsam und schrittweise vorzugehen. Ein plötzliches oder intensives Training kann das verletzte Knie überlasten und zu erneuten Problemen führen. Es ist ratsam, mit kurzen und langsamen Laufeinheiten zu beginnen und die Trainingsdauer und -intensität allmählich zu steigern. Intervalltraining, bei dem Gehen und Laufen abwechselt, kann eine sinnvolle Methode sein, um das Knie schrittweise an die Belastung zu gewöhnen. Intensive Intervalle sind hingegen tabu.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Wahl des Untergrunds. Zu Beginn sollten flache und weiche Untergründe wie Gras oder Laufbahnen bevorzugt werden, um die Stoßbelastung auf das Knie zu minimieren. Zudem sollten regelmäßig Pausen eingelegt werden, um eine Überlastung zu vermeiden. Das Tragen von gut gepolsterten und ergonomischen Laufschuhen, die den Fuß und das Knie optimal unterstützen, ist ebenfalls von großer Bedeutung.
Wichtige Tipps zum Lauf-Wiedereinstieg nach einer langen Verletzungspause

- Aufbauphase langsam gestalten: Beginnen Sie mit kurzen und langsamen Laufeinheiten und steigern Sie die Dauer und Intensität allmählich. Ein typisches Beispiel ist das oben beschriebene Wechselspiel von Gehen und Laufen, bei dem die Laufabschnitte schrittweise verlängert werden.
- Kräftigung der Muskulatur: Ergänzen Sie Ihr Lauftraining durch gezielte Kräftigungsübungen für die Bein- und Rumpfmuskulatur. Eine starke Muskulatur stabilisiert das Knie und schützt vor erneuten Verletzungen.
- Propriozeptives Training: Übungen zur Verbesserung der Propriozeption (Eigenwahrnehmung der Gelenkstellung) sind essentiell. Balancetraining auf instabilen Unterlagen kann helfen, die Stabilität und Kontrolle des Kniegelenks zu verbessern.
- Kontrolliertes Laufpensum: Halten Sie sich an einen strukturierten Trainingsplan, der auf Ihren aktuellen Leistungsstand und die Fortschritte in der Rehabilitation abgestimmt ist. Zu schnelle Steigerungen sollten vermieden werden.
- Kühlung und Entzündungshemmung: Nach dem Training kann die Anwendung von Kältepackungen helfen, Schwellungen zu reduzieren und Entzündungen vorzubeugen. Entzündungshemmende Maßnahmen wie Eiswickel und entzündungshemmende Medikamente können ebenfalls unterstützend wirken.
- Physiotherapeutische Begleitung: Bleiben Sie in engem Kontakt mit Ihrem Physiotherapeuten, um den Fortschritt regelmäßig zu überprüfen und den Trainingsplan bei Bedarf anzupassen. Eine kontinuierliche Betreuung gewährleistet eine optimale Rehabilitation.
Die größten Fehler nach einem Kreuzbandriss
Nach einem Kreuzbandriss werden oft Fehler gemacht, die den Heilungsverlauf negativ beeinflussen können. Einer der häufigsten Fehler ist die zu frühe Rückkehr zum intensiven Training. Viele Patienten möchten so schnell wie möglich zu ihrem alten Leistungsniveau zurückkehren und überlasten dabei das noch nicht vollständig genesene Knie. Dies kann zu erneuten Verletzungen und einer Verlängerung der Rehabilitationszeit führen.
Ein weiterer Fehler ist die Vernachlässigung der Physiotherapie. Oft wird der Umfang und die Intensität der physiotherapeutischen Übungen unterschätzt, obwohl sie entscheidend für die Wiederherstellung der Kniefunktion sind. Es ist wichtig, die empfohlenen Übungen regelmäßig und korrekt durchzuführen und eng mit dem Physiotherapeuten zusammenzuarbeiten.
Auch die mentale Einstellung spielt eine große Rolle. Viele Patienten haben nach einer schweren Verletzung Angst vor erneuten Schmerzen oder einer erneuten Verletzung, was zu einer Schonhaltung und unbewussten Fehlbelastungen führen kann. Dies kann den Heilungsverlauf negativ beeinflussen und zu weiteren Problemen führen. Eine positive Einstellung und das Vertrauen in den eigenen Körper sind daher essentiell.
Die Wahl der richtigen Ausrüstung, insbesondere der Laufschuhe, wird ebenfalls häufig vernachlässigt. Gut gepolsterte und ergonomische Schuhe, die den Fuß und das Knie optimal unterstützen, sind entscheidend, um das Risiko von Überlastungen und Verletzungen zu minimieren. Viel Laufen auf Asphalt sollte vermieden werden. Optimal sind sanfte Waldböden oder "einfache" Trails, auch ein Mix aus Straße und Trails ist erlaubt. Dafür eignen sich sogenannte Hybrid-Laufschuhe.
Ebenso wichtig ist es, auf den eigenen Körper zu hören und bei Schmerzen oder Beschwerden sofort zu reagieren, anstatt das Training fortzusetzen und mögliche Probleme zu ignorieren.
Zusammenfassung
Ein erfolgreicher Wiedereinstieg ins Laufen nach einem Kreuzbandriss erfordert eine sorgfältige und geduldige Herangehensweise. Zunächst sollte man die Heilungsphase von sechs bis neun Monaten respektieren, wobei regelmäßige ärztliche Kontrollen und eine strukturierte Physiotherapie essenziell sind. Die Art der Verletzung, die gewählte Behandlungsstrategie und individuelle Faktoren beeinflussen die Dauer der Rehabilitation.
Beim Wiedereinstieg ist es wichtig, langsam und schrittweise vorzugehen, auf weiche Untergründe zu achten und hochwertige Laufschuhe zu tragen. Zudem spielen mentale Stärke und eine positive Einstellung eine entscheidende Rolle, um Ängste zu überwinden und das Vertrauen in das Knie wiederherzustellen.
Weiterführende wissenschaftliche Quellen zu diesem Thema
Folgende wissenschaftlichen Quellen bieten fundierte Einblicke in die Rehabilitation und den Wiedereinstieg nach einem Kreuzbandriss und können als weiterführende Lektüre genutzt werden.
- Ardern, C. L., Taylor, N. F., Feller, J. A., & Webster, K. E. (2012). Fifty-five per cent return to competitive sport following anterior cruciate ligament reconstruction surgery: an updated systematic review and meta-analysis including aspects of physical functioning and contextual factors. *British Journal of Sports Medicine, 48*(21), 1543-1552.
- Grindem, H., Snyder-Mackler, L., Moksnes, H., Engebretsen, L., & Risberg, M. A. (2016). Simple decision rules can reduce reinjury risk by 84% after ACL reconstruction: the Delaware-Oslo ACL cohort study. *British Journal of Sports Medicine, 50*(13), 804-808.
- Myklebust, G., & Bahr, R. (2005). Return to play guidelines after anterior cruciate ligament surgery. *British Journal of Sports Medicine, 39*(3), 127-131.
- Welling, W., Benjaminse, A., Gokeler, A., Otten, E., & Pinsker, E. (2015). Seventy per cent return to sport following ACL reconstruction: a systematic review and meta-analysis including aspects of physical functioning and contextual factors. *British Journal of Sports Medicine, 49*(10), 759-763.
- Webster, K. E., & Hewett, T. E. (2019). Meta-analysis of meta-analyses of anterior cruciate ligament injury reduction training programs. *Journal of Orthopaedic Research, 37*(8), 1790-1799.

Kommentar schreiben