Die Herzfrequenz ist der Taktgeber deines Laufs – sie sagt dir, wann du Gas geben kannst und wann es besser ist, zurückzuschalten.
Ein bewusster Umgang mit der Herzfrequenz ist nicht nur der Schlüssel zu besserer Leistung, sondern auch zu nachhaltiger Gesundheit und mehr Freude am Training. Doch wie kannst du sie effektiv steuern? Welche Rolle spielt sie in der Trainingsplanung? Und welche Maßnahmen helfen dir, sie langfristig zu senken?
Warum ist die Herzfrequenz wichtig?
Die Herzfrequenz ist eine der verlässlichsten Methoden, um dein Training zu steuern und zu analysieren. Sie zeigt dir, wie stark dein Herz-Kreislauf-System belastet wird und gibt dir wertvolle Hinweise darauf, ob dein Training zu intensiv, genau richtig oder vielleicht sogar zu leicht ist.
Ein gezieltes Training nach Herzfrequenz bringt zahlreiche Vorteile:
- Effektive Steuerung: Du trainierst genau in der Zone, die deinen Zielen entspricht – sei es Fettverbrennung, Ausdaueraufbau oder Tempotraining.
- Vermeidung von Überlastung: Du erkennst frühzeitig, wenn du deinem Körper zu viel abverlangst.
- Nachhaltige Leistungssteigerung: Ein bewusst gesteuertes Training verbessert deine Fitness und hilft dir, schneller und weiter zu laufen.
Mit der Herzfrequenz als Messgröße holst du das Beste aus deinem Training heraus und gehst gleichzeitig sicher, dass dein Körper gesund bleibt.
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Herzfrequenzzonen und ihre Bedeutung
Die verschiedenen Herzfrequenzzonen definieren, wie intensiv du trainierst und welche physiologischen Effekte du damit erzielst. Hier eine Übersicht der gängigen Zonen:
| Zone | Intensität | Prozent der maximalen Herzfrequenz | Effekt |
|---|---|---|---|
| GA0 (Zone 1-2*) | Sehr leicht | 50–65% | Regeneration, Fettverbrennung |
| GA1 (Zone 3) | Leicht bis moderat | 65–80% | Grundlagneausaduer, aerobe Ausdauer |
| GA2 (Zone 4) | Moderat bis anstrengend | 80–85% | Verbesserung der aeroben Kapazität |
| GA3 (Zone 4) | Anstrengend | 85–90% | Steigerung der anaeroben Schwelle |
| Zone 5 | Sehr anstrengend | 90–100% | Maximale Leistung, anaerober Bereich |
* Zone 2 bewegt sich in vielen Ratgebern bei 60 - 70 % der maximalen Herzfrequenz und damit teilweise noch im regenerativen Bereich, teilweise aber auch schon im unteren Grundlagenbereich
Diese Zonen sind die Basis für ein strukturiertes Training. Indem du deine Herzfrequenz gezielt steuerst, kannst du die gewünschten Trainingseffekte optimal erreichen.
Trainingsplan Laufen - die wichtigsten Begriffe!
Die Marathon-Pace liegt im GA3-Bereich, die Halbmarathon-Pace im oberen GA3-Bereich, die 10km/5km-Pace laufen wir mit einem Puls von über 90 % der maximalen Herzfrequenz.
Strategien für eine niedrigere Herzfrequenz
Intensive Läufe: Die Balance finden
Hochintensive Trainings wie Intervalle oder Bergläufe sind essenziell, um deine Leistungsfähigkeit zu steigern. Doch gerade in diesen Einheiten kann die Herzfrequenz leicht außer Kontrolle geraten. Um die Balance zu finden, helfen diese Strategien:
- Gezielte Pausen: Plane zwischen den Intervallen genügend Zeit zur Erholung ein. Wenn du beispielsweise 400-Meter-Sprints läufst, sollte die Pause mindestens so lange sein, bis deine Herzfrequenz wieder in den Bereich von etwa 65 % der maximalen Herzfrequenz sinkt.
- Reduziere die Wiederholungen: Mehr ist nicht immer besser. Starte mit weniger Intervallen und steigere langsam, um dein Herz-Kreislauf-System schrittweise zu trainieren.
- Pacing statt Maximalbelastung: Es ist verlockend, jedes Intervall an die absolute Grenze zu treiben, aber moderates Pacing sorgt für eine bessere Anpassung deines Körpers und verhindert unnötige Erschöpfung.
Ruhigere Einheiten für die Grundlagenausdauer
Die Basis eines erfolgreichen Trainingsplans liegt in den sogenannten „ruhigen Einheiten“. Diese Läufe, die sich meist in den Herzfrequenzzonen GA1 und GA2 abspielen, haben das Ziel, dein Herz effizienter arbeiten zu lassen. Folgende Tipps helfen dir dabei:
- Laufe langsamer, als du denkst: Viele Läufer neigen dazu, selbst bei Grundlageneinheiten zu schnell zu laufen. Nutze eine Pulsuhr, um sicherzustellen, dass du im Zielbereich bleibst.
- Fokussiere dich auf die Dauer: Längere Läufe mit niedriger Intensität sind ideal, um deine aerobe Ausdauer zu verbessern. Plane Läufe zwischen 45 Minuten und 2 Stunden ein (Marathonläufer auch über 2 Stunden).
- Variation durch Terrain: Laufstrecken mit kleinen Anstiegen und Gefällen helfen dir, das Training abwechslungsreicher zu gestalten, ohne deinen Puls unnötig in die Höhe zu treiben.
Vor dem Training: So beeinflusst du deine Herzfrequenz
Aufwärmen – der Schlüssel zu einem erfolgreichen Lauf
Viele Läufer unterschätzen die Bedeutung eines strukturierten Aufwärmens. Dabei ist es der erste Schritt, um eine unnötige Herzfrequenzspitze zu vermeiden. Ein gutes Aufwärmprogramm könnte so aussehen:
- 5–15 Minuten lockeres Laufen: Bringe deinen Kreislauf in Schwung und bereite deine Muskeln auf die bevorstehende Belastung vor.
- Dynamisches Dehnen: Übungen wie Kniehebeläufe, Ausfallschritte oder Seitensprünge aktivieren deine Muskulatur und verbessern die Beweglichkeit.
- Spezifische Laufübungen: Koordinationsdrills wie Skippings oder Hopserlauf erhöhen die Durchblutung und reduzieren das Verletzungsrisiko.
Hinweis: Ich persönlich integriere das Warm-up vor allen intensiven Einheiten (Intervalle, Tempoläufe, Wettkämpfe). Vor Grundlagenläufen sehe ich darin aber keinen persönlichen Vorteil, da ich ohnehin in einer angenehmen Herzfrequenzzone laufe.
Wieso Läufer nicht auf das Lauf-ABC verzichten sollten?
Mentale Vorbereitung für einen ruhigeren Start
Dein mentaler Zustand hat einen großen Einfluss auf deinen Puls. Folgende Techniken helfen dir, entspannt und fokussiert ins Training zu starten:
- Bewusste Atemübungen: Atme tief ein und aus, um deinen Puls schon vor dem Laufen zu beruhigen.
- Visualisierung: Stelle dir vor, wie du in einem kontrollierten Tempo läufst. Dieses mentale Bild kann helfen, Nervosität zu reduzieren.
- Achtsamkeit: Konzentriere dich auf den Moment, vermeide Ablenkungen durch äußere Faktoren und finde deinen inneren Fokus.
Auch da hilft eine mentale Vorbereitung besonders gut vor intensiven Einheiten. Stress oder mentale Belastungen können da durchaus zum Misserfolg bei intensiven Einheiten führen. Mir persönlich fehlt es z. B. deutlich schwerer, Intervalleinheiten nach Plan durchzuführen, wenn mich zu diesem Zeitpunkt viele berufliche Aufgaben belasten. Auch nach einem harten und intensiven Arbeitstag fällt mir das Training schwerer, deswegen versuche ich Kerneinheiten an Tagen zu absolvieren, an denen ich wenige Verpflichtungen habe.
Optimale Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
Eine schlechte Vorbereitung in Bezug auf Ernährung und Hydration kann dazu führen, dass dein Puls während des Laufs unnötig ansteigt. Achte auf:
- Ausreichend trinken: Dehydration erhöht die Herzfrequenz, da dein Herz härter arbeiten muss, um das Blut zu pumpen. Trinke mindestens 45 Minuten vor dem Lauf 200–300 ml Wasser.
- Leichte Mahlzeiten: Schwere, fettreiche Speisen vor dem Laufen belasten den Körper. Setze stattdessen auf leicht verdauliche Kohlenhydrate wie eine Banane oder eine Handvoll Haferflocken: Laufen: Ernährung vor, während und nach dem Training
Langfristige Tipps für ein effektives Training
Die Bedeutung der Grundlagenausdauer
Die langfristige Reduktion deiner Herzfrequenz beginnt mit dem Aufbau einer soliden Grundlagenausdauer. Diese bildet das Fundament für alle weiteren Trainingsreize und sorgt dafür, dass dein Herz-Kreislauf-System effizienter arbeitet.
Ein bewährter Ansatz ist das polarized Training, bei dem etwa 80 % deines Trainings in den Zonen GA1 und GA2 und 20 % in den intensiveren Bereichen stattfinden. Diese Methode hat sich in zahlreichen Studien als besonders effektiv erwiesen, um die Herzfrequenz zu senken und die Laufleistung zu steigern.
Mit folgenden Tool kannst du eine Trainingsbereiche exakt berechnen: Trainingsbereiche beim Laufen berechnen
Die Rolle der Atmung
Eine bewusste und effiziente Atmung ist ein oft unterschätzter Faktor. Viele Läufer neigen zu einer flachen Brustatmung, die den Sauerstofftransport ineffizient macht. Übe folgende Techniken:
- Bauchatmung: Atme tief in den Bauch und lasse die Luft langsam ausströmen. Dies reduziert den Puls und verbessert die Sauerstoffaufnahme.
- Atem-Rhythmus: Passe deine Atmung an dein Lauftempo an. Eine 2:2-Atmung (zwei Schritte einatmen, zwei Schritte ausatmen) ist bei moderaten Läufen besonders effektiv.
Ebenfalls bewährt hat sich der sogenannte 5-Schritt-Zyklus.
Optimierung der Lauftechnik
Eine saubere Lauftechnik reduziert nicht nur den Energieverbrauch, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf die Herzfrequenz. Achte auf:
- Kadenz: Eine Schrittfrequenz von 165–185 Schritten pro Minute gilt als optimal, um effizient zu laufen. Bitte beachte aber, dass es keinen "allgemeingültigen" Optimalwert gibt. Denn bei einer wissenschaftlichen Studie an Marathon-Weltklasseläufern wurde eine sehr breite Range von 156 bis 187 Schritten bei einem Großteil der Läufer ermittelt. Vereinzelt kamen Athleten sogar auf eine Frequenz von über 200 Schritte.
- Haltung: Laufe aufrecht, halte deinen Oberkörper stabil und vermeide ein Einbrechen in der Hüfte - ein klassischer Fehler bei Hobbyläufern
- Armarbeit: Lockere Arme und eine gleichmäßige Bewegung im Rhythmus der Beine unterstützen einen flüssigen Laufstil.
Meiner Erfahrung nach mit Hobbyläufern sind vor allem die die Haltung und die Armarbeit große Fehlerfaktoren, die bei einer Optimierung die Laufleistung und damit auch die Herzfrequenz verbessern können.
Regeneration und Stressmanagement
Langfristige Erfolge kommen nur mit ausreichender Regeneration. Plane mindestens einen oder zwei Ruhetage pro Woche ein und nutze Methoden wie:
- Yoga oder Stretching: Diese Aktivitäten fördern die Durchblutung und entspannen die Muskulatur.
- Massage: Ob professionell oder mit einer Faszienrolle – Massagen beschleunigen die Regeneration.
- Schlaf: Mindestens 7–9 Stunden Schlaf pro Nacht sind entscheidend, damit sich dein Körper vollständig erholen kann.
Effiziente Regeneration nach dem Laufen bzw. nach dem Sport!
Zusammenfassung
Die Herzfrequenz ist ein entscheidender Faktor für dein Lauftraining. Sie hilft dir, die Belastung zu steuern und gezielt an deinen Zielen zu arbeiten. Mit der richtigen Mischung aus intensiven Einheiten, vielen Grundlagenläufen und langfristigen Anpassungen wie optimierter Atmung, Technik und Ernährung kannst du deine Herzfrequenz nachhaltig senken und deine Leistung steigern. Höre auf deinen Körper und finde das Tempo, das dich gesund und stark macht!
Weitere Quelle: Seiler, S., & Tønnessen, E. (2009). "Intervals, Thresholds, and Long Slow Distance: The Role of Intensity and Duration in Endurance Training."

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