Marathontag, 23. August 2025 - beschwerliche Anfahrt zum Start
Vom Veranstalter werden zahlreiche Zubringerbusse zu den Startorten für den Halbmarathon, den 10-km-Lauf und den 5-km-Fun Run in der Stadt Kasese am Fuße der schneebedeckten Rwenzori-Berge angeboten. Allerdings übersehe ich die Mailaussendung zwei Tage zuvor und bemühe mich deshalb über die Rezeption in der Lodge, um einen Privattransfer zum Marathonstart am Kikorongo-Äquatordenkmal im Queen-Elizabeth-Nationalpark, ca. 20 km von Kasese entfernt, für morgen um 5 Uhr 30 zu bekommen. Ein Angestellter der Lodge, Immanuel, der selbst mitläuft, offeriert mir eine für ugandische Einkommensverhältnisse überteuerte Mitfahrgelegenheit um 35 USD nur in eine Richtung. Der Start dort ist für 6:30 Uhr vorgesehen. Wie ich dann nach dem Rennen vom Zielbereich wieder die 40 km zur Lodge zurückkomme, ist nicht seine Sorge.
Auf der Website wird speziell die Strecke des einzigen Marathons der Welt, die den Äquator überquert und sich zu 2024 nicht geändert hat, als anspruchsvoll beschrieben, mit langen Steigungen über 21 km bis nach Kasese und von da an auf einem fordernden 8-km-Anstieg. Gleichzeitig soll sie atemberaubende Ausblicke bieten und den Lauf für viele zu einer unvergesslichen „Racecation“ – einer Kombination aus sportlicher Herausforderung und Reiseerlebnis – machen, so werben die Veranstalter. Und nicht zu vergessen: das Ausgangsniveau des Marathons liegt 1200 Meter über dem Meeresspiegel.

Tatsächlich parkt am nächsten Morgen der von Immanuel angeheuerte Fahrer in der Zufahrt zum Hotel. Pünktlich um 05 Uhr 45 steigen wir in dessen Uraltauto ein. Dem Fahrzeug fehlt nicht nur die Zündung, auch die Elektronik ist nur notdürftig mit Drähten geflickt. Sogar die Bremsvorrichtung ist mit einem Hanfseil zusätzlich gesichert – das Auto ist eindeutig nicht verkehrstüchtig.
Der Fahrer dürfte zu Immanuels Stamm gehören. Uganda ist ein Land mit großer ethnischer Vielfalt, in dem über 50 verschiedene ethnische Gruppen leben. Die größte Gruppe sind die Baganda aus dem Königreich Buganda um die Hauptstadt Kampala, die kulturell sehr einflussreich sind. Allerdings gehört der aktuelle Präsident Yoweri Museveni der Banyankole-Ethnie aus dem Südwesten des Landes an. Seit seiner Machtübernahme 1986 stützt sich seine Regierung maßgeblich auf Vertraute aus seiner Heimatregion und ethnisch verwandten Gruppen. Diese komplexe ethnische Landschaft spielt eine entscheidende Rolle in der Politik und Machtverteilung des Landes – nicht nur in Uganda, sondern oft auch in den Nachbarländern.
Kaum sind wir wenige Kilometer gefahren, streikt der Wagen. Der Fahrer hält an der linken Straßenseite, öffnet die Motorhaube und sucht nach dem Defekt. Es ist bereits 06 Uhr 10. Er kann den Schaden nicht beheben. Immanuel bleibt bei ihm. Draußen ist es stockdunkel. Ich steige aus in der Hoffnung, dass ein Auto mit Sportlern oder ein Zubringerbus nachkommt.
Zum Glück erscheint tatsächlich ein Shuttlebus mit Marathonläufern. Man lässt mich bereitwillig einsteigen – noch zwei Plätze sind frei. Wenige Minuten vor dem Start erreiche ich das Äquator-Denkmal. Eine Kleiderabgabe wird nicht angeboten, also justiere ich meinen Leichtrucksack mit Ersatzshirt und Windjacke am Rücken.

Im Zuschauerfeld treffe ich Janos und Edit Kiss aus Ungarn. Sie sind inzwischen ausschließlich bei den Marathon Globetrotters eingeschrieben und mit jeweils über 130 Ländern und einen dort absolvierten Marathon zählen sie im internationalen Marathonranking zu den Spitzenreitern weltweit. Leider ist es bereits zu spät und zu dunkel, um ein Erinnerungsfoto von uns zu machen. Auch das Äquator-Denkmal, an dem ich in den Vortagen mehrmals vorbeigefahren war, kann ich jetzt nicht mehr fotografieren.
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