Weitere Ausflüge: Sunset-Tour auf dem Lake Victoria
Ich habe die private Bootstour nach meiner Rückkehr von Kasese nach Entebbe für den Nachmittag des 25. August gebucht. Ich verspüre große Vorfreude, da ich in meiner Jugend viel über die Abenteuer von Livingstone und Stanley in dieser Region gelesen habe. Eigentlich ist es ein Kindheitstraum, der schon 60 Jahre zurückliegt. Da keine weiteren Passagiere an diesem Montagnachmittag gefunden wurden, bin ich der einzige Gast im Boot. Die 3-Stunden-Tour kostet mich daher 250 USD, die ich wie hier üblich in bar bezahle.

Henry, mein Guide und Bootseigner, gehört zum Stamm der Buganda, dem größten und einflussreichsten ethnischen Volk in Uganda, und weiß selbst viel zu erzählen. Der Viktoriasee ist das wasserreiche Herz Ostafrikas. Er liegt direkt am Äquator und wirkt mit seiner riesigen Fläche von fast 69.000 Quadratkilometern eher wie ein Meer. Drei Staaten teilen ihn sich: Tansania, Uganda und Kenia. Obwohl er so groß ist, ist er mit durchschnittlich nur rund 40 Metern Tiefe vergleichsweise flach. Sein gewaltiges Wasservolumen verdankt er also vor allem seiner Fläche, nicht der Tiefe. Rund vier Fünftel des Wassers stammen direkt aus Niederschlägen. Der einzige Abfluss ist der Viktoria-Nil, der im Norden den See verlässt und in das Nil-System übergeht.

Geologisch ist der Viktoriasee „jung“. Er liegt in einer flachen Senke zwischen den Ästen des Ostafrikanischen Grabenbruchs. Untersuchungen zeigen, dass der See in Trockenzeiten mehrfach stark schrumpfte oder sogar austrocknete. Sein heutiges Ökosystem hat sich daher relativ schnell entwickelt, weshalb er so außergewöhnlich artenreich wurde, insbesondere bei den Fischen.

Der See ist berühmt für seine vielen Buntbarscharten, von denen Hunderte nur hier vorkommen. In den 1950er- und 60er-Jahren wurde jedoch der Nilbarsch – ein bis zu zwei Meter langer Raubfisch – ausgesetzt. Er brachte zwar wirtschaftliche Gewinne, zerstörte aber viele der ursprünglichen Fischarten. Bis heute gilt dies als eine der folgenreichsten ökologischen Fehlentscheidungen in Binnengewässern.

Ein weiteres Problem ist die Wasserhyazinthe, die sich in den 1990er-Jahren massenhaft ausbreitete. Zeitweise kam der Verkehr in Häfen wie dem kenianischen Kisumu fast zum Erliegen. Ob man im See schwimmen darf, ist eine heikle Frage. Abseits bewachter Strände gibt es reale Gefahren: Flusspferde, Krokodile und die Tropenkrankheit Bilharziose. Die Parasiten dringen beim Wasserkontakt durch die Haut ein. Es ist sicherer, den direkten Kontakt mit dem Wasser zu vermeiden.

Für die Menschen der Region ist der See überlebenswichtig und sichert das Einkommen für Hunderttausende. Gleichzeitig belasten Abwässer und Abholzung den See, was zu Algenwachstum und schlechterer Wasserqualität führt. Henry, der Bootseigner, bietet übrigens sogar Fährdienste nach Kenia (Kisumu) in ca. 1 ½ bis 2 Stunden und Tansania (Mwanza) in ca. 4 Stunden an. In seinem Boot wäre die lange Fahrt aber höchst unbequem, daher will ich lieber darauf verzichten. Als überzeugter Anhänger von Idi Amin empfiehlt er mir, die Ausstellung im Nationalmuseum in Kampala zu besuchen – er ist überzeugt: „Idi Amin also had some good sides – no more corruption, economic growth, direct contact with the people.” Auch ohne seine Empfehlung hätte ich das ohnehin vorgehabt – schon aus historischem Interesse.
Fahrt zum Nationalpalast in Kampala und Besuch der Folterkammer
Die Taxifahrt vom Horizon Hotel in Entebbe nach Kampala dauert über den Expressway ca. 40 Minuten, trotz Schnellstraße ist täglich viel Stau vorprogrammiert.

Vor Ort erfahre ich, dass das Nationalmuseum gerade renoviert wird und der Nationalpalast, auch State House genannt, ohnehin nicht für Besuche offensteht, weil darin der amtierende Präsident von Uganda, Yoweri Museveni, residiert. Er ist bereits seit 1986 im Amt – der Taxifahrer weiß zu erzählen, dass dieser mit über 80 Jahren eine weitere Amtszeit anstrebt.

Wie alle anderen Touristen muss auch ich 40 USD Aufpreis zahlen, um überhaupt den grünen Vorpalast betreten zu dürfen. Nach dem Vortrag des Guides steht der Besuch der berühmt-berüchtigten Folterkammer auf dem Programm. Zuerst informiert mich eine historisch kundige Dame im Büro ausführlich über den früheren Präsidenten, bevor sie mir die Torture Chamber zeigt. In den 1970er Jahren waren die deutschen Medien voll von Gräuelgeschichten über den ugandischen Diktator. Dieses Zeitungswissen habe ich über die Jahrzehnte einigermaßen behalten. Zudem kaufe ich im Shop das Buch von Henry Kyemba: „The Inside Story of Idi Amin. A State of Blood“ – ein Dokument des Grauens.

Idi Amin Dada Oumee wurde um 1925 im Nordwesten Ugandas geboren. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf, gehörte dem Volk der Kakwa an und erhielt nur eine geringe Schulbildung. Schon früh trat er in die britische Kolonialarmee, die King’s African Rifles, ein. Dort diente er in Birma (heute Myanmar), Kenia und Somalia, machte durch Körperkraft und Härte auf sich aufmerksam und brachte es bis zum Unteroffizier. Nach der Unabhängigkeit Ugandas im Jahr 1962 setzte sich seine Militärkarriere fort, bis er 1971 den damaligen Präsidenten Milton Obote durch einen Putsch stürzte und selbst die Macht übernahm.
Anfangs wurde Amin von vielen Menschen im Land begrüßt. Er präsentierte sich volksnah, schränkte die Korruption ein und suchte direkten Kontakt zur Bevölkerung. Doch schon bald verwandelte sich seine Herrschaft in eine brutale Diktatur. Amins Regime war geprägt von Gewalt, Willkür und Terror. Schätzungen zufolge kamen zwischen 300.000 und 500.000 Menschen ums Leben. Gegner, Intellektuelle, Kirchenvertreter und Angehörige von Minderheiten wurden verfolgt, verschleppt oder ermordet.

Ein berüchtigter Ort dieser Schreckensherrschaft war die Folterkammer im Keller des Präsidentenpalastes in Kampala. Dieser Palast, ursprünglich die Residenz der Könige von Buganda, wurde von Amin in ein Zentrum der Macht und des Schreckens verwandelt. Die Kellerverliese, von den Israelis erbaut, was durch ein Denkmal gezeugt wird, dienten als Haft- und Folterort und sind bis heute ein Symbol für die Grausamkeit seiner Herrschaft. Die Menschen verhungerten dort, ihre toten Körper wurden bei den Inseln im Viktoriasee den Krokodilen gefüttert – wie mir die Historikerin erzählt.

Auch in der Politik hinterließ Amin tiefe Spuren. 1972 vertrieb er etwa 60.000 Menschen indischer und pakistanischer Herkunft aus Uganda. Da sie einen großen Teil des Handels und der Verwaltung prägten, führte ihr erzwungenes Exil zwar kurzfristig zu Beifall im Land, langfristig jedoch zu einem wirtschaftlichen Niedergang. Außenpolitisch suchte Amin die Nähe zu Libyen, zur Sowjetunion und zu arabischen Staaten, stellte sich als panafrikanischer Kämpfer gegen den Westen dar und verlor nach und nach die internationale Anerkennung. Weltweit berüchtigt wurde er spätestens nach der Entführung von Entebbe 1976, als er den palästinensischen Tätern Schutz gewährte.
1979 wurde Amin schließlich gestürzt. Ugandische Exiltruppen und die Armee Tansanias marschierten in Uganda ein, Amin floh zuerst nach Libyen und später nach Saudi-Arabien. Dort lebte er bis zu seinem Tod im Jahr 2003 zurückgezogen.
Bis heute gilt Idi Amin als Inbegriff des brutalen Diktators. Sein Name steht für Grausamkeit, Gewalt und Zerstörung. Zugleich erinnern sich manche Menschen in Uganda auch an die Anfänge seiner Herrschaft, als Korruption abnahm und sich ein Gefühl nationaler Stärke einstellte. Der Kaiserpalast in Kampala ist dabei ein besonders eindrückliches Zeugnis geblieben: Er war nicht nur Residenz, sondern Schauplatz grausamer Verbrechen, und er macht deutlich, wie eng Amins Macht mit Unterdrückung und Schrecken verbunden war.

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